Operation

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Henze, Zuletzt geändert: 19.07.2016

Die Operation ist – neben der Chemotherapie und der Strahlentherapie – eine der drei großen Säulen der Behandlung bei Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Dies gilt vor allem dann, wenn es um die Therapie solider Tumoren geht.

Die Vorbereitung auf den operativen Eingriff, die Narkose, die Operation an sich und die Zeit nach der Operation erfolgen in einem großen Behandlungszentrum, in der Regel in altersgerechter Weise und immer durch enge Zusammenarbeit aller beteiligten Fachrichtungen, die im Behandlungsteam vertreten sind.

Ein operativer Eingriff darf – außer in lebensbedrohlichen Notfällen – nur erfolgen, wenn die Sorgeberechtigten nach einem Aufklärungsgespräch durch den Operateur und den Narkosearzt über die Notwendigkeit der Operation sowie mögliche Risiken und Komplikationen des Eingriffs /der Narkose in die Operation eingewilligt haben und der Patient auf die Operation vorbereitet wurde.

Je nach betroffenem Körperorgan, der Art, Lage und Ausdehnung des Tumors, dem Zustand des Patienten und dem Behandlungskonzept gibt es in der Tumorchirurgie ein breit gefächertes Spektrum an unterschiedlichen Operations-Indikationen und Operationstechniken.

Eine Operation kann folgende Ziele haben:

  • Entlastende Tumorverkleinerung beziehungsweise Tumorentfernung bei akut lebensbedrohlichen Krankheitszeichen durch den wachsenden Tumor
  • Entnahme von Tumorgewebe (Biopsie) für die feingewebliche Beurteilung und Stadieneinteilung der Erkrankung zwecks Festlegung des Behandlungskonzeptes (Behandlungsplanung)
  • Komplette Tumorentfernung vor Beginn einer Chemo- und/oder Strahlentherapie (so genannte primär radikale Operation)
  • Unvollständige Tumorentfernung vor Beginn einer Chemo- und/oder Strahlentherapie (so genannte primär zytoreduktive Operation)
  • Verzögerte Operation nach Biopsie und chemotherapeutischer Vorbehandlung
  • Zweitoperation nach zunächst unvollständiger Tumorentfernung und chemo- und/oder strahlentherapeutischer Behandlung des Resttumors. Oft ist der dann noch verbleibende Resttumor wesentlich besser operabel (so genannte "second look"-Operation).
  • Operative Entfernung von Metastasen (Metastasenchirurgie); dies gilt hauptsächlich für Einzelmetastasen.
  • Transplantation von Organen (Transplantationschirurgie); dies kommt bei Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankungen allerdings selten vor.
  • Operation zur Unterstützung oder Ermöglichung der Behandlung oder bei besonderen Komplikationen (so genannte supportive Operation). Zu den supportiven Operationen gehören zum Beispiel die Implantation eines venösen Verweilkatheters [zentraler Venenkatheter] für die häufige Verabreichung von Zytostatika oder die Implantation eines ventrikulo-peritonealen Shuntsystems [siehe ventrikulo-peritonealer Shunt] bei Hydrocephalus.

Nicht immer ist die totale Tumorentfernung durch eine Operation zu Beginn einer Krebstherapie die beste Behandlungsform. Bei nachgewiesener Wirksamkeit von Strahlentherapie und Chemotherapie sind verstümmelnde Operationen für den Heilungserfolg heutzutage nicht mehr vertretbar.

In Extremsituationen, das heißt bei Patienten, deren Tumor auf eine Chemo- oder Strahlentherapie nicht anspricht, so dass ein radikales operatives Vorgehen offenbar die einzige Aussicht auf ein Weiterleben ermöglicht, sind sowohl das Behandlungsteam als auch die Betroffenen stark gefordert, da die spätere Lebensqualität des Patienten von der jeweiligen Entscheidung abhängt.

Durch eine Operation wird (meist in Kombination mit einer Chemo- und/oder Strahlentherapie) zunächst immer versucht, die Heilung des Patienten, also die vollständige und dauerhafte Vernichtung aller Krebszellen, zu erreichen (kurative Behandlung).

Dies ist heutzutage bei etwa 80 % der Kinder und Jugendlichen mit bösartigen Erkrankungen möglich [KAA2015a]. In manchen Fällen muss sich eine Operation jedoch leider auf eine Verkleinerung der Tumormasse und / oder andere Maßnahmen zur Linderung der tumorbedingten Beschwerden beschränken (palliative Operation).

Basisliteratur

  1. Gadner H, Gaedicke G, Niemeyer CH, Ritter J (Hrsg): Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Springer-Verlag 2006 [URI: http://www.springer.com/ medicine/ pediatrics/ book/ 978-3-540-03702-6]
  2. Pizzo PA, Poplack DG (eds): Principles and Practise of Pediatric Oncology. Lippincott Williams & Wilkins Fifth edition 2006 [ISBN: 19-0-7817-5492-5
  3. Gutjahr P: Krebs bei Kindern und Jugendlichen. Deutscher Ärzte-Verlag Köln 5. Aufl. 2004 [ISBN: 3769104285