Stammzelltransplantation

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, Dr. med. Jörn Kühl, erstellt 01.01.2004, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Ursula Creutzig, Zuletzt geändert: 09.02.2016 doi:10.1591/poh.kinderkrebsinfo.stammzelltransplantation

Seit der ersten erfolgreichen Knochenmarktransplantation (KMT) im Jahre 1975 hat diese Therapieform in der Behandlung zahlreicher Krebserkrankungen, schwerer Erkrankungen des Blut- oder Immunsystems sowie mancher seltener Erbkrankheiten, die mit anderen Behandlungsmethoden nicht heilbar waren, stark an Bedeutung gewonnen.

Bei einer Knochenmarktransplantation werden sehr unreife Zellen übertragen, aus denen lebenslang alle Zellen des Blutes entstehen können. Diese so genannten Vorläuferzellen der Blut bildenden Zellen nennt man auch Blutstammzellen oder, genauer, hämatopoetische Stammzellen (HSZ). Sie entstehen im Knochenmark, dem weichen, schwammartigen Gewebe im Inneren vieler Knochen. Dort reifen sie zu den verschiedenen Blutzellreihen heran, also beispielsweise zu weißen Blutzellen (Leukozyten), roten Blutzellen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Anschließend werden sie in die Blutbahn ausgeschwemmt.

Lange Zeit wurden Blutstammzellen für eine Transplantation ausschließlich aus dem Knochenmark entnommen. Die Entnahme erfolgt dabei in Vollnarkose durch wiederholte Punktionen am Beckenkamm (so genannte Knochenmarkpunktion).

Heute kann man auch, nach einer Vorbehandlung mit bestimmten Wachstumsfaktoren, Stammzellen aus dem Blutkreislauf des Spenders durch eine spezielle Blutwäsche (Leukapherese) gewinnen. Dieses Verfahren erfordert keine Narkose, aber gute Blutgefäße und oft auch eine große Venenkanüle. In seltenen Fällen transplantiert man auch Stammzellen aus dem Nabelschnurblut.

Gut zu wissen: Während oft nur von "Knochenmarktransplantation" (KMT) gesprochen wird, gibt es auch die so genannte periphere Blutstammzelltransplantation (PBSCT) sowie die Nabelschnurbluttransplantation (CBT). Aus diesem Grund spricht man heute korrekterweise zusammenfassend von Blutstammzelltransplantation oder hämatopoetischer Stammzelltransplantation, kurz HSZT oder SZT genannt (mit der englischen Abkürzung "HSCT"). Hämatopoetisch bedeutet "Blut bildend".

Wir möchten Ihnen im Folgenden einen möglichst breiten Überblick über das Thema "hämatopoetische Stammzelltransplantation" geben, damit Sie eine Vorstellung von dieser Therapieform bekommen und sich auf ein künftiges Gespräch mit dem Transplantationsteam Ihres Kindes vorbereiten können.

Diese Informationen ersetzen nicht das ausführliche Gespräch mit den behandelnden Ärzten vor Ort. Auf die individuellen Besonderheiten Ihres Kindes und seiner Erkrankung muss im persönlichen Arztgespräch ebenso eingegangen werden wie auf eventuell in "Ihrer" Klinik abweichende Praktiken, die sich dort als besonders vorteilhaft erwiesen haben.

Da in den Arztgesprächen immer wieder auch die Fachausdrücke fallen, haben wir hier bewusst nicht auf deren Nennung verzichtet, sondern versucht, diese entweder direkt im Text oder im Glossar des Informationsportals zu erklären.

Basisliteratur

  1. Ebell W: Hämatopoetische Stammzelltransplantation. in: Gadner H, Gaedicke G, Niemeyer CH, Ritter J:. Pädiatrische Hämatologie und Onkologie Springer-Verlag, 2006, 66 [ISBN: 3540037020
  2. Pizzo PA, Poplack DG (eds): Principles and Practise of Pediatric Oncology. Lippincott Williams & Wilkins Fifth edition 2006 [ISBN: 19-0-7817-5492-5
  3. Klingebiel T: Knochenmark- und Stammzelltransplantation, in Gutjahr P: Krebs bei Kindern und Jugendlichen. Deutscher Ärzte-Verlag Köln 5. Aufl. 2004, 83 [ISBN: 3769104285
  4. Gutjahr P: Krebs? Mein Kind? Leukämie und bösartige Tumoren bei Kindern. S. Hirzel Verlag Stuttgart - Leipzig 2000, 53 [ISBN: 3-7776-0979-X