Katheterimplantation

Autor: Dipl.-Biol. Maria Yiallouros, erstellt am: 29.07.2009, Freigabe: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Henze, Zuletzt geändert: 26.11.2014

Die Behandlung einer Krebserkrankung erfordert über einen längeren Zeitraum regelmäßige Blutentnahmen, Medikamentengaben und Infusionstherapien. In der Regel geschieht dies über eine Vene. Zellwachstumshemmende Medikamente (Zytostatika) beispielsweise werden größtenteils über eine Vene (parenteral, das heißt unter Umgehung des Verdauungstraktes) direkt in den Blutkreislauf verabreicht, häufig über mehrstündige Infusionen. Nur wenige Medikamente nimmt der Patient über den Mund (peroral) und somit über die Schleimhäute von Mund, Magen und Darm (enteral) auf.

Zu Beginn der Behandlung erfolgen die notwendigen Blutentnahmen und gegebenenfalls die medikamentösen Therapien und Infusionen zunächst noch durch Anstechen (Punktieren) von kleineren (peripheren) Venen auf dem Handrücken oder am Unterarm mittels einer Hohlnadel, einer Kanüle. Diese Kanüle wird meist einige Zeit an Ort und Stelle belassen (daher der Name periphere Verweilkanüle) und je nach Bedarf, zum Beispiel zur Blutentnahme oder Medikamentengabe genutzt.

Allerdings eignen sich kleine Venen an Hand, Arm oder Fuß meist nicht dazu, größere Infusionsmengen einzubringen, zumal häufig Substanzen gegeben werden müssen, die Entzündungen auslösen können. Die Medikamentengabe über kleine Venen ist auch besonders anfällig gegenüber Störungen, die durch Bewegungen der Kinder verursacht werden. Denn bei der Verabreichung von Zytostatika ist es wichtig, dass das Medikament in die Vene gelangt und nicht versehentlich in das umgebende Gewebe; ein solches "Paravasat" kann irreparable Gewebeschäden verursachen.

Aus diesem Grund erhalten die meisten Patienten einen so genannten zentralvenösen Katheter (Infusionsschlauch) [zentraler Venenkatheter] [BOD2004]. Dabei wird dem Patienten in einer kleinen Operation ein Schlauchsystem eingesetzt, dessen Ende in einem großen, herznahen Blutgefäß liegt. Das äußere Ende ist entweder über eine unter der Haut befestigte Kammer (Port-System) mit einer Nadel zugänglich (Port-Katheter) oder kann als Schlauch außerhalb des Körpers sofort an das Infusionssystem (Broviac-Katheter, Hickman-Katheter) angeschlossen werden.

Vorteile eines Verweilkatheters

Der Einsatz eines dauerhaften Verweilkatheters ist mit vielen Vorteilen verbunden: So können sämtliche intravenösen Zytostatikagaben und Blutentnahmen (mit Ausnahme des Fingerpieks), der Ersatz von Blutprodukten, die Wässerung der Nieren sowie die unterstützende Behandlung mit Medikamenten (zum Beispiel gegen Übelkeit oder zur Infektionsprophylaxe), gegebenenfalls auch eine notwendig werdende künstliche Ernährung, über diesen Katheter erfolgen, ohne dass immer wieder schmerzhafte Punktionen notwendig sind, die die Lebensqualität des Patienten beeinträchtigen.

Ein Verweilkatheter bietet auch mehr Sicherheit bei der Verabreichung der Zytostatika. Zytostatika sind sehr aggressiv und können, wenn sie mit der umgebenden Haut in Berührung kommen, zu schweren Hautschäden (Hautnekrosen [Nekrose]) führen. Es entstehen offene Wunden, die sehr schwer heilen. Die Verwendung eines Katheters senkt das Risiko einer solchen Komplikation.

Risiken eines Verweilkatheters

Allerdings birgt ein venöser Verweilkatheter, wie jeder Fremdkörper, auch das Risiko einer Infektion, so dass das Behandlungsteam immer sorgfältig abwägt, bei welchem Patienten die oben genannten Vorteile dem Infektionsrisiko überlegen sind. Um Infektionen durch den Gebrauch des Katheters zu vermeiden, sind die Sterilhaltung des Kathetereingangs und eine sorgfältige regelmäßige Pflege mit Desinfektionsmitteln besonders wichtig. Das Pflegepersonal wird den Patienten beziehungsweise seine Angehörigen, wenn diese mit der Katheterpflege betraut werden sollen, sorgfältig einarbeiten.

Tritt im Laufe der Behandlung dennoch eine Kathetherinfektion auf (sie macht sich meist durch Fieber bemerkbar), ist in der Regel eine Antibiotikatherapie erfolgreich. Lässt sich die Infektion nicht mit Medikamenten beheben oder liegen Infektionen mit Bakterien oder Pilzen vor, die auf die Medikamente generell schlecht ansprechen, wird der Katheter ersetzt oder entfernt.