EU-RHAB

Autor: Frühwald MC/ Krefeld B, erstellt am: 09.08.2010, Zuletzt geändert: 12.10.2015

Titel EUROPEAN RHABDOID REGISTRY
Erkrankung Rhabdoide Tumoren jeglicher anatomischen Lokalisation
Art Europäisches Register
Fragestellung / Ziel

Rhabdoide Tumoren sind seltene, hoch aggressive und häufig ungünstig verlaufende Tumorerkrankungen, die vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern auftreten. Auf Grund ihrer Seltenheit gibt es in der medizinischen Fachliteratur wenig verlässliche Daten zu Häufigkeit, Ursachen und Erfolg versprechender einheitlicher Behandlungsansätze. Die meisten veröffentlichten Untersuchungen bestehen aus kleinen Fallserien oder einer Zusammenfassung von Fallberichten.

Genetik

Der Gruppe von Rhabdoid-Tumoren (unabhängig von der anatomischen Lokalisation) ist eine Veränderung des SMARCB1-Gens (hSNF5/INI1) auf Chromosom 22 gemeinsam. Um diese Veränderung nachzuweisen, werden sowohl immunhistochemische Untersuchungen des Tumorgewebes, wie auch genetische Untersuchungen von Tumor- und Blutzellen der betroffenen Patienten durchgeführt. In seltenen Fällen kann eine Keimbahnmutation nachgewiesen werden. Dann ist eine genetische Untersuchung der Eltern und unter Umständen weiterer Familienmitglieder anzuraten.

Häufigkeit

Nach einer eigenen Erhebung erkranken in Deutschland pro Jahr ca. 30-40 Kinder an Rhabdoidtumoren. Ähnliche Zahlen werden in anderen vergleichbaren europäischen Ländern erhoben. In einer Konsensuskonferenz von europäischen Vertretern des SIOP Brain Tumor Committee sowie italienischen und deutschen Vertretern der Weichteilsarkom- und Nephroblastomgruppen in Genua im Januar 2007 wurde entschieden, ein gemeinsames Rhabdoidtumor-Register zu schaffen.

Zielsetzung des Europäischen Rhabdoidregisters ist eine komplette Erfassung von klinischen, molekulargenetischen und therapiebezogenen Daten aller Patienten mit rhabdoiden Tumoren des Gehirns (AT/RT), der Nieren (RTK – rhabdoid tumor kidney) und der Weichgewebe (MRT – malignant rhabdoid tumor) in Europa.
Im Detail sind folgende Studien-Ziele definiert.

Primäre Ziele

  • Erfassung aller Patienten mit rhabdoiden Tumoren in einer gemeinsamen europäischen Datenbank
  • Strukturierung der zentralen Referenzbegutachtung von Pathologie, Genetik, Radiologie und Radiotherapie (Adressen s. u.)
  • Verbesserung des Verständnisses der Tumor-Biologie und –Genetik.
  • Unterstützung von Tumor-Banken und Durchführung von biologischen Studien zur Identifizierung von möglichen neuen Therapieansätzen.
  • Kooperation mit spezialisierten Zentren innerhalb und außerhalb Europas.

Bei dem Projekt handelt es sich nicht um eine Arzneimittelprüfung im Sinne des AMG. Dennoch wird in einem Anhang eine detaillierte Therapieempfehlung abgegeben. Diese wurde mit den europäischen Partnern abgestimmt. Um möglichst viel über die Biologie, Epidemiologie und aktuell Erfolg versprechende Behandlungsansätze zu lernen soll das europäische Rhabdoidregister Daten zu all diesen Punkten erfassen. Daraus ergeben sich

Sekundäre Ziele

  • Evaluation von Event-free- und Overall-Survival der Patienten
  • Evaluation der time-to-progression von Patienten, welche nach einer Konsensus-Therapie-Empfehlung behandelt wurden.
  • Ermittlung des Stellenwertes der operativen Therapie und der Strahlentherapie.

Die vom Europäischen Rhabdoid Register erhobenen Daten dienen als Grundlage für weiterführende Phase I/II-Studien.

Therapie / Studienarme

Diagnose

Die Diagnose eines Rhabdoid-Tumors kann bei Tumoren des Zentralnervensystems (AT/RT), der Nieren (RTK) und der Weichgewebe (MRT) gestellt werden. Betroffen sind fast ausschließlich Säuglinge und Kleinkinder. So findet man z.B. 85% der RTK in den ersten beiden Lebensjahren. Beim AT/RT liegt das Durchschnittsalter in den meisten Fallserien bei 20 bis 25 Monaten. Bei rhabdoiden Tumoren der Weichgewebe sind 60% der Patienten unter 10 Jahre alt.

Therapie

Bis vor kurzem wurden Patienten mit rhabdoiden Tumoren entsprechend ihres anatomischen Ursprungsortes in den Datenbanken der Studien zu Nierentumoren (z.B. SIOP 2001), Weichteilsarkomen (z.B. CWS) und ZNS-Tumoren (z.B. HIT) geführt. Innerhalb dieser Studien zeichnete sich die Patientengruppe der Rhabdoidtumoren durch eine besondere Therapieresistenz aus. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (GPOH) hat daher entschieden, Patienten mit Rhabdoidtumoren gesondert zu erfassen und nach einem einheitlichen Therapiekonzept zu behandeln.

Diese Konsensus-Therapie besteht entweder aus 9 abwechselnden Chemotherapie-Blöcken (3x DOX, ICE, VCA) oder 6 Blöcken (2x DOX, ICE, VCA) mit anschließender Hochdosis-Therapie (Carboplatin / Thiotepa). Einen besonderen Stellenwert in der Behandlung hat die Strahlentherapie. Diese sollte im Sinne der lokalen Tumor-Kontrolle so früh wie möglich durchgeführt werden. Als Altersgrenze wird hier ein Alter von > 18 Monaten angesetzt. In Einzelfällen kann eine Strahlentherapie auch schon bei jüngeren Kindern diskutiert werden.

Einschluss-Kriterien

Rhabdoid-Tumor durch Referenzpathologie bestätigt, auch wenn Vorbehandlung unter dem Verdacht eines anderen Nieren-Tumors, eines anderen malignen Hirn-Tumors oder eines malignen Weichteil-Tumors durchgeführt worden ist.

Patientenanzahl 30-40 / Jahr in Deutschland
Status Juli 2010
Leiter Prof. Dr. Dr. Michael C. Frühwald
E-Mail mailto:michael.fruehwald@klinikum-augsburg.de
Kontakt

Leitung

Prof. Dr. Dr. med. Michael C. Frühwald
Klinikum Augsburg
Chefarzt Kinderklinik 1. Klinik für Kinder und Jugendliche
Stenglinstr. 2
81656 Augsburg
Telefon +49 (821) 400-9201
Fax +49 (821) 400-179201
michael.fruehwald@klinikum-augsburg.de

Vertretung

Prof. Dr. med. Norbert Graf
Universitätsklinikum des Saarlandes
Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie
66421 Homburg/Saar
Telefon +49 (6841) 1628 397
Fax +49 (6841) 1628 302
Norbert.Graf@uniklinikum-saarland.de

Studienärztin

Dr. med. Angela Seeringer
Klinikum Augsburg
I. Klinik für Kinder und Jugendliche
Stenglinstraße 2
86156 Augsburg
Telefon +49 (821) 400 4218
Fax +49 (821) 400 17 4243
angela.seeringer@klinikum-augsburg.de

Datenmanagemant und Dokumentation

Petra Neumayer
Klinikum Augsburg
I. Klinik für Kinder und Jugendliche
Stenglinstr.2
86156 Augsburg
Telefon +49 (821) 400 4243
Fax +49 (821) 400 174243
petra.neumayer@klinikum-augsburg.de

Sekretariat und Organisation

Ingrid Lechner
Klinikum Augsburg
I. Klinik für Kinder und Jugendliche
Stenglinstr.2
86156 Augsburg
Telefon +49 (821) 400 4210
Fax +49 (821) 400 174243
ingrid.lechner@klinikum-augsburg.de

Dokumente
Verweis(e) Studienliteratur Rhabdoidtumoren
Förderung Deutsche Kinderkrebsstiftung, Verein Horizont Weseke