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Therapieplanung für die Pädiatrische Onkologie und Hämatologie: OncoWorkstation (OWS)

Autor: Ralf Herold, Julia Dobke, Frank Meineke, Roman Mishchenko, Gesche Tallen, erstellt am: 14.09.2007, Redaktion: Prof. Dr. med. Ursula Creutzig, Zuletzt geändert: 13.07.2010

Die OncoWorkstation (OWS) ist ein Projekt des IMISE (Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie) der Universität Leipzig unter Leitung von Prof. Markus Löffler, das in Kooperation mit dem KPOH für die pädiatrische Onkologie zur Verfügung gestellt wurde.

Was ist das Ziel der OWS ?

Hauptziel des Projektes, das zuletzt von der José-Carreras-Leukämie-Stiftung gefördert wurde, ist es, einen möglichst breiten Einsatz des zentral unterstützten, elektronischen OWS -Systems für die harmonische, klinikspezifische, studienkonforme Block und -Gesamttherapieplanung und Therapieverordnung für jeden einzelnen Patienten zu erreichen. In der Pädiatrie nutzen das Universitätsklinikum Essen und die Charité Berlin das System im Dauereinsatz für alle Patienten und haben in enger Zusammenarbeit mit den Entwicklern die Evaluierung des Systems vorangebracht. Das Ergebnis ist eine neue Version, die bald für die professionelle, lizensierte Nutzung zur Verfügung stehen wird.

Was leistet die OWS?

Patientenmanagement und Therapieplanung

  • Erfassung von Stammdaten
  • Auswahl von Therapie- und Studienprotokollen mit vollständigem Ablauf und allen Zyklen
  • Individuelle Modifikationen in Therapieablauf und Medikation
  • Berechnung der Dosierungsgrundlagen (KOF, AIBW, Perzentile, ...)
  • Verwaltung von Daten zum Therapiestart, -verzögerung, -wiederholung oder -abbruch
  • Regelbasierte Berechnung aller Dosierungen, Tablettenaufteilungen, Stückelungen und Infusionsgeschwindigkeiten
  • Erzeugung detaillierter Therapieanordnungspläne für den Einsatz auf der Station

Dokumentation des Behandlungsverlaufs

  • Dokumentation von Medikationsabweichungen
  • Protokollierung der geplanten und durchgeführten Therapien (Ablauf, Randomisierung, Therapiearme, Wiederholungen, Abweichungen, ...)
  • Protokollierung von Diagnosen, Untersuchungen und Laborwerten
  • Generierung von, auch Patienten übergreifenden, Auswertungen

Therapievorlagenerstellung und -management

  • Logische, eindeutige und praxisnahe Definition von Therapieelementen
  • Abbildung von Studientherapieprotokollen und deren Ablauf (Studiendaten, Ansprechpartner Checklisten, Ablaufdiagramme, Biomaterialbehandlung, Dokumente, ...)
  • Anlegen von Inhalten in Verzeichnissen (Abteilungen, Krankheitsbilder) mit individuellen Zugriffsrechten
  • Anlegen von Schemavarianten,
  • Austausch von Therapie- und Studienprotokollen durch Im- und Export

Abteilungskonfiguration

  • Anlegen mehrerer individueller Abteilungen
  • Verwaltung von Benutzern und Rechten
  • Individuelle Medikamentenbezeichnung (Alias)
  • Integration von Standarddokumenten (bestehende Erklärungen, Berechnungsschemata etc.)

Wie funktioniert das OWS-System (im Intra- oder/und Internet)?

  • Eingabe: Patientenname, Geburtsdatum, Geschlecht, Größe, Gewicht
  • Auswahl: Arm/Zweig in Studie/Protokoll (enthalten vollständige Abfolge, alle Protokollregeln wie für niedrige Alters- oder Gewichtsgruppen, alle Entscheidungsregeln, alle Zeitregeln)
  • Automatisch: Klinikspezifische Vorgaben (u. a. SOPs, Medikamentennamen, Layout, Uhrzeit)
  • Ausgabe zu Patient: Übersicht, detaillierter Anordnungsplan, Apothekenrezept (PDF-Dateien)
  • Im Verlauf: Eingabe relevanter klinischer Daten, Dosisänderungen, Begründungen

Was waren die letzten Aktivitäten im Rahmen des Projektes?

  • 5 Schulungen mit Teilnehmern aus unterschidlichen Kliniken (in Berlin, Münster, Telefonkonferenz), > 20 Teilnehmer aus 14 Kliniken (IV/2006)
  • Präsentationen in den Kliniken vor Ort (Erfurt, Essen, Düsseldorf, Göttingen, St. Gallen, Erlangen)
  • Teilnehmer: Konzept bestätigt, positive Resonanz, baldige eigene Anwendung beabsichtigt
  • OWS-System-Funktionalität steht bereit, keine neue Software-Programmierung erforderlich
  • Kleine Verbesserungen erfolgen laufend (Benutzeroberfläche, Arbeitsschritte, PDF-Ausgabe)
  • Finanzierung: DJCLS und KPOH (mindestens bis Ende 2008); Projektgruppe des KPOH sucht Kontakt zu und Austausch mit Anwendern sowie Verzahnung mit relevanten Arbeitskreisen

Wie ist der Stand des Einsatzes des OWS-Systems in der pädiatrischen Onkologie?

Studien der GPOH

  • 31 Studien der GPOH sind vollständig elektronisch abgebildet und können sofort genutzt werden. Sie werden auf einem seperaten Server der Universität Leipzig vorgehalten und gepflegt
  • Sie werden bei Bedarf aktualisiert (z.B. Amendments)
  • zusätzlich sind auch Supportiv-Protokolle und klinikeigene Protokolle vorhanden (bestätigte realisierte Therapie kann aggregiert an Studienzentrale gegeben werden)
  • Neue Protokolle werden zeitnah eingepflegt
  • Die Kliniken nutzen eine lokal installierte Programmversion und neue Protokolle werden vom Support importiert
  • Klinikeigene Varianten und klinikspezifische Supportivtherapien werden in die für die Klinik angelegten Protokollkopien eingearbeitet
  • Entwicklung einer neuen Version 2.0 für dien kommerziellen Vertrieb : sie hat eine neue Oberfläche, nutzt neue Softwaretechnologie und wird deutlich schneller sein.

Nutzer (Ärzte und Kliniken)

  • > 40 Ärzte mit vereinbarter Zugangs- und Nutzungsberechtigung aus 14 Kliniken
  • Berlin und Essen nutzen als Referenzkliniken in der Pädiatrie die OWS für die Therapieplanerstellung aller Patienten
  • Diverse Schulungen, Präsentationen haben stattgefunden (s. o.)

Patienten (seit 01.10.2006, ohne projektinterne Testpatienten)

  • insgesamt aktuell 400 Patienten aus Essen und Berlin, zusätzlich viele Testpatienten aus anderen Kliniken

Was passiert im Projekt ganz aktuell und als nächstes ...

... im Hinblick auf Studien der GPOH?

  • Gründung eines Qualitätszirkels aus Mitgliedern der GPOH zur inhaltlichenÜberprüfung der (neu) eingestellten Studien
  • Erörterung und Umsetzung klinikspezifischer Protokoll-Anpassungswünsche (Erzielung einer Vereinbarung und Umsetzung einer vorbereiteten technischen Lösung zum automatischen Datenaustausch mit verbreitetem System für zentrale Zytostatikaapotheken)
  • Weitere Integration in ein Krankenhausinformationssystem

... im Hinblick auf die Ausgründung einer GmbH?

  • In einer Initiative mit mehreren onkologischen Schwerpunktpraxen, Krankenhäusern und Produktprovidern der Region Leipzig/Jena ist die Gründung einer onkologischen Servicegesellschaft in Vorbereitung
  • Die Gründung einer GmbH steht bevor (Februar 2010) (M. Löffler auf Trägerebene involviert)
  • Geschäftsmodell: Angebot mehrerer Dienstleistungen zB: nicht medizinische Hilfsleistungen für Pat. und Angehörige; Onkologische Homecare, OWS-Provider
  • Ows-Service: Technische Bereitstellung der OWS, Produkt-Management, Vertrieb, Produktoptimierung/Entwicklung, Qualitätssicherung durch assoziierte med Fachberater
  • Nutzer erwerben Lizenz, die technischen Support sowie das Einspielen von Updates beinhaltet

Wer hat es schon ausprobiert?

  • Kinderonkologische Behandlungszentren in Hamburg, Freiburg, Dortmund, Magdeburg, Münster, Berlin, Düsseldorf, Göttingen, Marburg, Erlangen, Hannover, Ulm, Essen ,(Kontakte benennbar)
  • Erwachsenen-Onkologie: AIO; Klinikum St. Georg (Realeinsatz)

Projekt-assoziierte Publikationen

  • Pediatric Blood & Cancer 2006: 47, 521 (D.022); GMDS, 2003

Qualitätssicherung

  • Es soll ein Qualitätszirkel aus Onkologen entstehen, der für die inhaltliche Überprüfung der Protokolle und deren Freigabe zuständig ist.

An wen kann ich mich wenden und wer sind die Projektpartner?

Feste Ansprechpartnerin

Frau Julia Dobke
E-Mail: julia.dobke@charite.de
Tel: 030-450 566 354

Projektleitung

Prof. Markus Löffler (Leitung IMISE)

Weitere Mitarbeiter

Roman Mishchenko (Programmierer)
Frank Meineke (Beratung, Technische Leitung St. Georg-Krankenhaus Leipzig)

Wie sehen das OWS-System im Internet und die Therapiepläne aus?

Das Layout und die zusätzlich zu Studienvorgaben enthaltenen Informationen des Therapieplanes sind abhängig von klinikspezifischen Vorgaben, die automatisch auf alle oder auf nach bestimmten Kriterien ausgewählte Protokolle angewendet werden.

Vorlage eines Therapieschemas

Berechnetes Therapieschema für einen fiktiven Patienten

Muster-Therapieplan in Form des Intensivplans

Therapieplan als fortlaufender Plan

Was hat uns im Projekt besonders überrascht und gefreut?

Unter den Teilnehmern ist es während der Schulungen von allein zu einem lebhaften Austausch über Ideen, Erfahrungen und bestmögliche Vorgehensweisen in der praktischen Arbeit gekommen. Die Diskussion und die erfahrungsbasierte Weiterentwicklung der täglichen Praxis selbst wurden zum Thema, in das die Teilnehmer die Schulungsinhalte einordneten. Gewünscht wird auch zukünftig ein moderiertes und ärztlich orientiertes, klinikübergreifendes Forum für Treffen und für den Austausch beispielsweise von Arbeitsanweisungen und Supportiv-/Therapieplänen der verschiedenen Kliniken.

Und last but not least: Auch die Kooperation zwischen IMISE und KPOH verläuft ausgezeichnet.


Einen Testzugang können Sie bei julia.dobke@charite.de erhalten  urlZugriffsgeschützter Zugang zur OWS


 
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