Therapieoptimierungsstudien - was ist das?
Author: Dr. med. Gesche Tallen, erstellt 2003/01/01, Editor: Dipl.-Biol. Maria Yiallouros, Last modification: 2003/08/25
Therapiestudie - was ist das?
Für Kinder mit bösartigen Erkrankungen gibt es in Deutschland seit etwa 25 Jahren für die meisten Tumoren, Leukämien und Lymphome Protokolle, die diagnostische und therapeutische Empfehlungen enthalten. Diese Empfehlungen sind durch langjährige Erfahrung und Auswertung der vorangegangenen Studien entstanden. Das jeweils aktuelle Protokoll enthält neue Veränderungen, die das Ziel haben, die Therapie zu optimieren, dadurch die Prognose zu verbessern und die Toxizität bei gleichen Heilungschancen zu verringern.
Diese Behandlungsprotokolle werden Therapieoptimierungsstudien genannt. Sie sind nicht zu vergleichen mit Arzneimittelstudien, bei denen es um die Einführung von neuen Medikamenten geht! Sie dienen in erster Linie einer qualitativ hochwertigen, einheitlichen und optimalen Diagnostik und Behandlung, die durch Veränderungen in Teilbereichen und/oder für bestimmte Risikogruppen verbessert werden soll. Dieses neue Vorgehen kann zwar noch nicht als Standard bezeichnet werden, trotzdem ist es geradezu beispielhaft, denn es hat dazu geführt, dass die Diagnostik und Behandlung in der Kinderkrebsheilkunde ständig verbessert wurde. Dieses Vorgehen wird auch von juristischer Seite befürwortet. Notwendige Entwicklungen in der Medizin dürfen nicht behindert werden, ein Standard besitzt nur eine begrenzte Reichweite. Wenn es bisher kein Verfahren für eine bestimmte Krankheit gibt, das eine Heilung verspricht, so kann man die bisher praktizierten Methoden, die nur gelegentlich Erfolge zeigen, nicht als Standard bezeichnen. In derartigen Fällen darf der Onkologe noch nicht zum Standard gewordene Verfahren wählen, wenn sie die einzige Möglichkeit zur Rettung eines Patienten darstellen.
Das insgesamt seltene Vorkommen der Krebskrankheiten im Kindesalter und die Notwendigkeit einer hohen ärztlichen und pflegerischen Erfahrung in der Steuerung der Therapie und ihrer Nebenwirkungen haben teilweise zu einer regional weiträumigen Zentralisierung der Patientenversorgung in speziellen Kliniken geführt. In Zukunft wird eher eine noch stärkere Zentralisierung notwendig werden, weil neben den speziellen Kenntnissen auch eine ausreichende Infrastruktur für diese aufwendigen Behandlungsverfahren vorausgesetzt werden muß. Sonst kann die Sicherheit der Behandlung nicht gewährleistet werden. Nicht zuletzt aus Kostengründen werden Einrichtungen, die nur wenige Patienten behandeln, diese Infrastruktur nicht vorhalten können. Grundsätzlich ist für den nicht auf dem Gebiet der Kinderkrebsheilkunde spezialisierten Arzt allein weder die weiterführende Diagnostik noch die Therapie oder die Nachsorge durchführbar.
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