Wie können sich Patienten und Angehörige auf die Strahlentherapie vorbereiten?

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 04.11.2009, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Ursula Creutzig, Zuletzt geändert: 31.03.2015

Der folgende Text bietet Empfehlungen dazu, wie sich die Kinder und Jugendlichen beziehungsweise deren Angehörige auf die Bestrahlungsbehandlung vorbereiten können, und informiert über die Möglichkeit einer "Testbestrahlung".

Informationen und Tipps

Vor Beginn einer Strahlentherapie sind immer verschiedene Aufklärungsgespräche mit dem Patienten beziehungsweise seinen Angehörigen geplant, zum Beispiel mit dem Behandlungsteam auf der Station und vor allem auch mit den Strahlentherapeuten. Außerdem findet, wenn die Betroffenen dies wünschen, eine sorgfältige psychosoziale Vorbereitung und Begleitung von Eltern und Kindern statt, damit für alle Beteiligten (Patienten, Eltern, Geschwister, Behandlungsteam) in dieser anstrengenden Zeit so wenig Druck und Stress wie möglich entsteht.

Im Rahmen der Vorbereitung sowie während der Bestrahlung hat sich für ältere Kinder und junge Erwachsene sowie für Eltern beispielsweise folgendes Vorgehen als erfolgreich erwiesen:

  • Studium von altersgerechtem Informationsmaterial (zum Beispiel die vom Behandlungsteam bereitgestellten Aufklärungsbögen, Bücher und Videos sowie entsprechende Informationen in unserem Portal;
  • Wiederholte Gespräche mit dem Fachpersonal über Ängste, Unklarheiten, Zweifel;
  • Vermeiden von Befürchtungs-Äußerungen (zum Beispiel, dass das Kind nicht ruhig liegen bleiben könnte) in Gegenwart des Kindes;
  • Keine Druckausübung – zum Beispiel nicht streng sein, nicht "betteln" und nicht mit Bestrafung drohen, wenn das Kind bei der Bestrahlung nicht ruhig liegenbleibt. Das ist keine Katastrophe, und wenn es nicht anders geht, dann kann Ihr Kind zukünftig vor der Bestrahlung ein Beruhigungsmittel erhalten oder ein neuer Versuch am nächsten Tag gestartet werden. Medizinisch ist es kein Problem, wenn sich die Bestrahlung dadurch etwas verzögert beziehungsweise in die Länge zieht;
  • Nicht über das "Warum" diskutieren, stattdessen über das "Wie" ("Soll ein Kuscheltier mitkommen?", "Welches Buch möchtest Du im Warteraum lesen?", "Was machen wir hinterher zur Belohnung?");
  • Kontaktaufnahme zu anderen Jugendlichen, die die Erfahrung einer Strahlentherapie bereits gemacht haben beziehungsweise zu Familien, deren Kind bereits eine Strahlentherapie erhalten hat (zum Beispiel vor Ort oder "Online" über die Organisation (zum Beispiel vor Ort oder "Online" über die Organisation "Onko-Kids").

Für kleinere Patienten können folgende Vorgehensweisen hilfreich sein:

  • "Üben" der Bestrahlung (abdunkeln, ruhig liegen, Stoppuhr, anmalen, Bestrahlungsmaske aufsetzen, Spielen mit vertauschten Rollen: Kind "bestrahlt" psychosozialen Mitarbeiter, oder umgekehrt, "Bestrahlung" mit Figuren spielen);
  • kindgerechte Gespräche mit dem Fachpersonal;
  • Üben des Abschiednehmens im Bestrahlungsraum, wenn alle hinaus müssen;
  • Tasche packen für den "Ausflug" zur Bestrahlung (zum Beispiel mit Getränk, kleiner Mahlzeit, Spiel und Buch für Wartezeiten);
  • Anregung und Bereitstellung/Vorlesen kindgerechter und fachgerechter Literatur zum Thema "Bestrahlung" (wie zum Beispiel die Bilderbücher und Broschüren der Deutschen Kinderkrebsstiftung.

Testbestrahlung

In vielen Behandlungszentren findet in der Zeit zwischen den Aufklärungsgesprächen und der Berechnung des Bestrahlungsfeldes (Lokalisation) für einige Tage (sowohl auf der Station als auch in der Strahlenklinik) eine „Testbestrahlung“ statt. Sie dient der langsamen, altersgerechten Heranführung des Patienten an die Bestrahlung.

Zur Testbestrahlung gehören zum Beispiel: Kennenlernen des Bestrahlungsteams, Zuschauen über den Bildschirm, Raum anschauen, Computer bedienen, Kuscheltier bestrahlen, Selbstausprobieren der technischen Möglichkeiten der Liege per Knopfdruck, Hinsetzen und -legen auf die Liege, Anprobieren der Bestrahlungsmaske, Alleinbleiben im Bestrahlungsraum, Foto machen zum zeigen, Belohnung für jeden neu erlernten Schritt.

Während der Testbestrahlung kann so im Vorfeld eingeschätzt werden, wo Probleme auftreten können. Das Tempo richtet sich nach der Mitarbeit des Patienten.