Prognose: Wie sind die Überlebensaussichten bei Patienten mit einem niedrigmalignen Gliom?
Autor: Dipl.-Biol. Maria Yiallouros, Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 25.07.2007, Zuletzt geändert: 22.09.2010
Die Überlebenschancen von Kindern und Jugendlichen mit einem niedrigmalignen Gliom sind in der Mehrheit der Fälle als sehr gut anzusehen:
Für 1.038 Kinder, die im Deutschen Kinderkrebsregister zwischen 1980 und 1998 mit Grad I-II-Astrozytomen registriert wurden, lag die 10-Jahres-Überlebensrate bei 78 % [GNE2008]. Die Prognose für den einzelnen Patienten hängt dabei in erster Linie von der Art und Lage des Tumors sowie vom Ausmaß der Tumorentfernung und der durchgeführten Behandlung ab. Patienten mit niedrigmalignen Gliomen des Großhirns und Kleinhirns haben nach einer vollständigen Tumorentfernung eine sehr gute Prognose, denn das Risiko, einen Krankheitsrückfall zu erleiden, ist gering: Als Langzeitüberlebensraten werden bis zu 100 % angegeben [GNE2008]. Weniger günstig ist die Prognose, wenn Tumoren des Groß- beziehungsweise Kleinhirns nicht vollständig entfernt werden können (10-Jahres-Überlebensraten von 74 bis 94 % beziehungsweise 15 bis 50 %) [KUE2006].
Patienten mit Tumoren der übrigen Hirnregionen, die oft nicht vollständig entfernt werden können, haben generell weniger günstige Heilungsaussichten, denn diese Tumoren können auch nach fünf bis zehn Jahren oder später erneut zu wachsen beginnen: Für Tumoren des Zwischenhirns und der Sehnervenregion (Tumoren der supratentoriellen Mittellinie) liegen die Heilungsaussichten nach zehn Jahren bei etwa 76 %, für die oft besonders aggressiv wachsenden Tumoren des Thalamus nach nur vier Jahren bei etwa 52% [GNE2008] [GNE2000].
Bei manchen Tumoren kann offenbar allerdings auch eine nur teilweise Entfernung ohne jede nachfolgende Therapie zum langfristigen oder dauerhaften Erfolg führen (zum Beispiel bei manchen dysembryoplastischen Tumoren und Astrozytomen Grad I). Auch bei Gliomen der Sehbahn (Optikusgliomen) ist dies gelegentlich zu beobachten. Eine sorgfältige engmaschige Kontrolle nach der Operation ist aber erforderlich um festzustellen, ob eine derartige Situation tatsächlich auch eintritt. Niedrigmaligne Gliome im Bereich des Hirnstamms oder im Rückenmark weisen nach unvollständiger Tumorentfernung ebenfalls oft längere Phasen der Stabilität auf [GNE2003].
Im Rahmen der derzeitigen Therapieoptimierungsstudie SIOP-LGG 2004 sowie zukünftiger Studien sollen die Heilungsaussichten auch für Patienten nach unvollständiger Tumorentfernung weiter verbessert werden.
Im Rahmen der derzeitigen Therapieoptimierungsstudie SIOP-LGG 2004 sowie zukünftiger Studien sollen die Heilungsaussichten auch für Patienten nach unvollständiger Tumorentfernung weiter verbessert werden.
Anmerkung: Bei den oben genannten Überlebensraten für Patienten mit niedrigmalignem Gliom handelt es sich um statistische Größen. Sie stellen nur für die Gesamtheit der an dieser Form der Hirntumoren erkrankten Patienten eine wichtige und zutreffende Aussage dar. Ob der einzelne Patient geheilt werden kann oder nicht, lässt sich aus der Statistik nicht vorhersagen. Der Krankheitsverlauf bei einem niedrigmalignen Gliom kann selbst unter günstigsten beziehungsweise ungünstigsten Voraussetzungen ganz unerwartet sein.

[GNE2008] Gnekow AK: Gliome niedrigen Malignitätsgrades im Kindes- und Jugendalter. Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie 2008 [URI: http://www.awmf.org/ uploads/ tx_szleitlinien/ 025-024.pdf]
[KUE2006] Kühl J, Korinthenberg R: ZNS-Tumoren. In: Gadner H, Gaedicke G, Niemeyer CH, Ritter J (Hrsg.): Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Springer-Verlag 2006, 777 [ISBN: 3540037020
[GNE2000] Gnekow A, Kaatsch P, Kortmann R, Wiestler OD: HIT-LGG: Effektivität von Carboplatin-Vincristin bei progredienten Gliomen niedrigen Malignitätsgrades im Kindesalter - Zwischenbericht. Klin Pädiatr 2000, 212: 177 [PMID: 10994547]
[GNE2003] Gnekow AK: Therapie von Gliomen niedriger Malignität im Kindes- und Jugendalter. WIR Informationsschrift der Aktion für krebskranke Kinder e.V. (Bonn) 2003, 2: 8 [URI: http://www.kinderkrebsstiftung.de/ fileadmin/ KKS/ files/ zeitschriftWIR/ 2003_2/ behandlungsnetzwerk10-02.pdf]




