» Home » Erkrankungen » ZNS-Tumoren » Niedrigmaligne Gliome  · 

Niedrigmaligne Gliome

Autor: Dipl.-Biol. Maria Yiallouros, erstellt am: 25.07.2007, Redaktion: Dr. med. Gesche Tallen, Freigabe: Prof. Dr. med. Ursula Creutzig, Dr. med. Astrid Gnekow, Zuletzt geändert: 23.03.2011 doi:10.1591/poh.patinfo.ng.1.20070725 , Kurz-URL: www.kinderkrebsinfo.de/niedrigmaligneGliome

Niedrigmaligne Gliome sind Tumoren des Zentralnervensystems (ZNS). Der folgende Informationstext zu den niedrigmalignen Gliomen richtet sich an Patienten und deren Angehörige sowie an die interessierte Öffentlichkeit. Er soll dazu beitragen, diese Erkrankung und die Möglichkeiten ihrer Behandlung zu erklären. Die Informationen ersetzen nicht die erforderlichen klärenden Gespräche mit den behandelnden Ärzten und weiteren Mitarbeitern des Behandlungsteams; sie können aber dabei behilflich sein, diese Gespräche vorzubereiten und besser zu verstehen.

Niedrigmaligne (das heißt geringgradig bösartige) Gliome oder Gliome niedrigen Malignitätsgrades sind Tumoren des Zentralnervensystems (ZNS-Tumoren). Mit einem Anteil von 30 bis 40 % bilden sie die größte Gruppe der ZNS-Tumoren. Niedrigmaligne Gliome gehören zu den soliden Tumoren und entstehen durch die bösartige Veränderung (Entartung) von Zellen des Gehirns oder Rückenmarks. Da sie direkt vom Zentralnervensystem ausgehen, werden sie auch als primäre Hirn-, Rückenmarks- oder, zusammenfassend, ZNS-Tumoren bezeichnet. Damit werden sie von Absiedelungen (Metastasen) bösartiger Tumoren abgegrenzt, die in einem anderen Organ entstanden sind. Eine Besonderheit der niedrigmalignen Gliome ist, dass sie auffallend häufig im Zusammenhang mit bestimmten Erbkrankheiten aus der Gruppe der Phakomatosen (zum Beispiel einer Neurofibromatose Typ 1) auftreten.

Niedrigmaligne Gliome können in allen Teilen des Gehirns auftreten. Meist wachsen sie sehr langsam. Da der knöcherne Schädel jedoch nur begrenzt Raum für wachsendes Gewebe bietet und zum Teil lebenswichtige Gehirnregionen betroffen sind, können niedrigmaligne Gliome im Krankheitsverlauf dennoch lebensbedrohlich sein.

Die Behandlung und Überlebenswahrscheinlichkeit von Kindern und Jugendlichen mit einem Hirntumor haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten dank moderner Diagnose- und Therapieverfahren insgesamt deutlich verbessert. Die meisten Patienten, die an einem niedrigmalignen Gliom erkrankt sind, haben sehr gute Überlebenschancen (10-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von durchschnittlich etwa 80 %) [GNE2008]. Die Behandlungsmöglichkeiten und damit auch die Prognose der Erkrankung hängen allerdings maßgeblich vom Ort des Tumors und seiner Operabilität ab. Darüber hinaus führen neurologische, intellektuelle, hormonelle und psychosoziale Defizite häufig zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität [CAL2004c].

Anmerkungen zum Text

Die in diesem Patiententext enthaltenen Informationen sind vor allem auf der Grundlage der unten angegebenen Literatur sowie unter Berücksichtigung der aktuellen Leitlinien und Therapiepläne zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit niedrigmalignen Gliomen (Therapieoptimierungsstudie SIOP-LGG 2004) erstellt worden. Weitere Literaturquellen werden im Text genannt. Der Text wurde durch die oben angegebenen Editoren am 21.09.2010 überprüft und zur Einstellung ins Internet für die Dauer von zwei Jahren freigegeben. Er soll spätestens nach Ablauf dieses Zeitraumes erneut überprüft und aktualisiert werden.

Bitte beachten Sie, dass es sich im Folgenden um allgemeine Informationen und Empfehlungen handelt, die – aus der komplexen Situation heraus – nicht notwendigerweise in ihrer Gesamtheit bei jedem Patienten zutreffen. Viele Therapieempfehlungen müssen im Einzelfall und interdisziplinär entschieden werden. Ihr Behandlungsteam wird Sie über die für Sie zutreffenden Maßnahmen informieren.

Basisliteratur

  1. Korinthenberg R, Warmuth-Metz M, Rutkowski S, Weckesser M: Leitsymptome und Diagnostik der Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter. Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft (Gemeinsame Leitlinie der Gesellschaft für Neuropädiatrie und der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie 2010 [URI: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/025-022l_S1_Hirntumoren.pdf]
  2. Gnekow AK: Gliome niedrigen Malignitätsgrades im Kindes- und Jugendalter. Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie 2008 [URI: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/025-024.pdf]
  3. Kühl J, Korinthenberg R: ZNS-Tumoren. In: Gadner H, Gaedicke G, Niemeyer CH, Ritter J (Hrsg.): Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Springer-Verlag 2006, 777 [ISBN: 3540037020
  4. Pizzo PA, Poplack DG (eds): Principles and Practise of Pediatric Oncology. Lippincott Williams & Wilkins Fifth edition 2006 [ISBN: 19-0-7817-5492-5
  5. Gnekow A: Gliome mit niedriger Malignität, in: Gadner H, Gaedicke G, Niemeyer CH, Ritter J (Hrsg.): Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Springer Verlag 2006 [ISBN: 3540037020
  6. Gutjahr P: Tumoren des Zentralnervensystems, in: Gutjahr P (Hrsg.): Krebs bei Kindern und Jugendlichen. Deutscher Ärzte-Verlag Köln 5. Aufl. 2004, 373 [ISBN: 3769104285
  7. Gutjahr P: Krebs bei Kindern und Jugendlichen. Deutscher Ärzte-Verlag Köln 5. Aufl. 2004 [ISBN: 3769104285
  8. Gnekow AK: Therapie von Gliomen niedriger Malignität im Kindes- und Jugendalter. WIR Informationsschrift der Aktion für krebskranke Kinder e.V. (Bonn) 2003, 2: 8 [URI: http://www.kinderkrebsstiftung.de/fileadmin/KKS/files/zeitschriftWIR/2003_2/behandlungsnetzwerk10-02.pdf]
  9. Stöhr M, Brandt T, Einhäupl KM (Hrsg): Neurologische Syndrome in der Intensivmedizin. Differentialdiagnose und Akuttherapie. Kohlhammer Verlag 1190 [ISBN: 3-17-010223-0
Quellen und Referenzen

[GNE2008] Gnekow AK: Gliome niedrigen Malignitätsgrades im Kindes- und Jugendalter. Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie 2008 [URI: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/025-024.pdf]

[CAL2004c] Calaminus G: Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren. WIR Informationsschrift der Aktion für krebskranke Kinder e.V. (Bonn) 2004, 2: 6 [URI: http://www.kinderkrebsstiftung.de/fileadmin/KKS/files/zeitschriftWIR/2004_2/lebensqaulitaet.pdf]


PDF-Datei
ausführliche Patienteninformation
zu den niedrigmalignen Gliomen  urlPDF-Datei
PDF-Datei
Patienten-Kurzinformation
zur den niedrigmalignen Gliomen  urlPDF-Datei
Aufbau und Funktion des Zentralnervensystems
Informationen dazu erhalten Sie  urlhier
Studie SIOP-LGG 2004
Therapieoptimierungsstudie
für Kinder und Jugendliche mit niedrigmalignem Gliom  urlhier
Kliniken
Behandlungseinrichtungen, die auf Krebs bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind; Qualitätsberichte; Elternvereine  urlHier finden Sie mehr dazu


 
KPOH Logo     Logo GPOH      Logo Deutsche Kinderkrebsstiftung       HONcode accreditation seal