» Home » Erkrankungen » ZNS-Tumoren » Medulloblastom / stPNET  · 

Medulloblastom und supratentorieller primitiv neuroektodermaler Tumor (stPNET)

Autor: Dr. med. Gesche Tallen, Dipl.-Biol. Maria Yiallouros, erstellt am: 09.01.2008, Freigabe: Prof. Dr. med. Ursula Creutzig, studienbezogene Infos: Prof. Dr. med. Stefan Rutkowski, Prof. Dr. med. Gudtrun Fleischhack, Zuletzt geändert: 19.08.2011 doi:10.1591/poh.patinfo.medullo.1.20080109 , Kurz-URL: www.kinderkrebsinfo.de/Medulloblastom

Das Medulloblastom und der supratentorielle primitiv neuroektodermale Tumor (stPNET) sind Tumoren des Zentralnervensystems. Der folgende Informationstext richtet sich an Patienten und deren Angehörige sowie an die interessierte Öffentlichkeit. Er soll dazu beitragen, diese Erkrankung und die Möglichkeiten ihrer Behandlung zu erklären. Die Informationen ersetzen nicht die erforderlichen klärenden Gespräche mit den behandelnden Ärzten und weiteren Mitarbeitern des Behandlungsteams; sie sollen aber dabei behilflich sein, diese Gespräche vorzubereiten und besser zu verstehen.

Tumoren, die aus Gewebe des Zentralnervensystems (ZNS) entstanden sind, werden primäre Hirn-, Rückenmarks- oder, zusammenfassend, ZNS-Tumoren genannt. Sie sind mit knapp 23 % aller bösartigen Neubildungen die häufigsten soliden Tumoren im Kindes- und Jugendalter und, nach den Leukämien, die zweithäufigsten Krebserkrankungen in dieser Altersgruppe.

Der häufigste ZNS-Tumor im Kindes- und Jugendalter ist, mit einem Anteil von circa 25 %, der primitiv neuroektodermale Tumor (PNET), der zu 75 bis 85 % vom Kleinhirn ausgeht und dann Medulloblastom genannt wird. Die Gesamtheit der primitiv neuroektodermalen Tumoren bildet, nach den niedrigmalignen Gliomen, die zweitgrößte Gruppe innerhalb der ZNS-Tumoren. PNET können in jedem Alter vorkommen, am häufigsten sind sie jedoch im Kleinkindalter [KAA2008a] [KAA2001].

Während Medulloblastome definitionsgemäß im Kleinhirn entstehen, gehen stPNET überwiegend von einer der Großhirnhälften oder vom Zwischenhirn aus. Beide Tumorformen wachsen rasch und unkontrolliert in das sie umgebende Gewebe hinein und können über die (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) auch in andere Bereiche des Zentralnervensystems streuen.

Die Behandlung und Überlebenswahrscheinlichkeit von Kindern und Jugendlichen mit einem Medulloblastom konnten in den letzten Jahren dank moderner Diagnose- und Therapieverfahren deutlich verbessert werden. Die Überlebensrate (5-Jahres-Überlebensrate) liegt heute insgesamt deutlich über 50 % [KUE1998], bei Kindern ohne Metastasen werden Überlebensraten bis 90 % erreicht [KOR2000b] [KUE2006] [RUT2008] [RUT2005]. Die Behandlungsmöglichkeiten und damit auch die Prognose der Erkrankung hängen allerdings maßgeblich von Art und Ausdehnung des Tumors, dem Grad der Metastasierung und dem Lebensalter des Patienten ab. Darüber hinaus können neurologische, intellektuelle, hormonelle und psychosoziale Defizite zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führen [CAL2004c]. Patienten mit einem stPNET zeigen generell deutlich ungünstigere langfristige Überlebensraten [KUE2006] [TIM2002] [TIM2006].

Anmerkungen zum Text

Die Informationen sind vor allem auf der Grundlage der unten angegebenen Literatur sowie unter Berücksichtigung der aktuellen Leitlinien und Therapiepläne zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Medulloblastom/stPNET (Therapieoptimierungsstudie HIT 2000, HIT-REZ 2005) erstellt worden. Weitere Literaturquellen werden im Text genannt. Der Text wurde durch die oben angegebenen Editoren im Juli 2009 überprüft und zur Einstellung ins Internet für die Dauer von zwei Jahren freigegeben. Er soll spätestens nach Ablauf dieses Zeitraumes erneut überprüft und aktualisiert werden.

Bitte beachten Sie, dass es sich im Folgenden um allgemeine Informationen und Empfehlungen handelt, die – aus der komplexen Situation heraus – nicht notwendigerweise in ihrer Gesamtheit bei jedem Patienten zutreffen. Viele Therapieempfehlungen müssen im Einzelfall und interdisziplinär entschieden werden. Ihr Behandlungsteam wird Sie über die für Sie zutreffenden Maßnahmen informieren.

Basisliteratur

  1. Korinthenberg R, Warmuth-Metz M, Rutkowski S, Weckesser M: Leitsymptome und Diagnostik der Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter. Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft (Gemeinsame Leitlinie der Gesellschaft für Neuropädiatrie und der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie 2010 [URI: http://www.awmf.org/ uploads/ tx_szleitlinien/ 025-022l_S1_Hirntumoren.pdf]
  2. Rutkowski S: Medulloblastom im Kindes- und Jugendalter. Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie. AWMF online 2008 [URI: http://www.awmf.org/ uploads/ tx_szleitlinien/ 025-009.pdf]
  3. Kühl J, Korinthenberg R: ZNS-Tumoren. In: Gadner H, Gaedicke G, Niemeyer CH, Ritter J (Hrsg.): Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Springer-Verlag 2006, 777 [ISBN: 3540037020
  4. Gutjahr P: Tumoren des Zentralnervensystems, in: Gutjahr P (Hrsg.): Krebs bei Kindern und Jugendlichen. Deutscher Ärzte-Verlag Köln 5. Aufl. 2004, 373 [ISBN: 3769104285
  5. Kühl J: Therapie von Kindern mit einem Medulloblastom. WIR Informationsschrift der Aktion für krebskranke Kinder e.V. (Bonn) 2001, 4: 8 [URI: http://www.kinderkrebsstiftung.de/ fileadmin/ KKS/ files/ zeitschriftWIR/ 2001_4/ behandlungsnetzwerk05.pdf]
  6. Stöhr M, Brandt T, Einhäupl KM (Hrsg): Neurologische Syndrome in der Intensivmedizin. Differentialdiagnose und Akuttherapie. Kohlhammer Verlag 1190 [ISBN: 3-17-010223-0
Quellen und Referenzen

[KAA2008a] Kaatsch P, Spix C: Registry - Annual Report 2008 (Jahresbericht 2008 des Deutschen Kinderkrebsregisters). Technischer Bericht, Universität Mainz 2008 [URI: http://www.kinderkrebsregister.de/ extern/ veroeffentlichungen/ jahresberichte/ jb2008/ index.html]

[KAA2001] Kaatsch P, Rickert C, Kühl J, Schuz J, Michaelis J: Population-based epidemiologic data on brain tumors in German children. Cancer 2001, 92: 3155 [PMID: 11753995]

[KUE1998] Kühl J: Modern treatment strategies in medulloblastoma. Childs Nerv Syst 1998, 14: 2 [PMID: 9548331]

[KOR2000b] Kortmann R, Kühl J, Timmermann B, Mittler U, Urban C, Budach V, Richter E, Willich N, Flentje M, Berthold F, Slavc I, Wolff J, Meisner C, Wiestler O, Sörensen N, Warmuth-Metz M, Bamberg M: Postoperative neoadjuvant chemotherapy before radiotherapy as compared to immediate radiotherapy followed by maintenance chemotherapy in the treatment of medulloblastoma in childhood. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2000, 46: 269 [PMID: 10661332]

[KUE2006] Kühl J, Korinthenberg R: ZNS-Tumoren. In: Gadner H, Gaedicke G, Niemeyer CH, Ritter J (Hrsg.): Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Springer-Verlag 2006, 777 [ISBN: 3540037020

[RUT2008] Rutkowski S: Medulloblastom im Kindes- und Jugendalter. Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft und der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie. AWMF online 2008 [URI: http://www.awmf.org/ uploads/ tx_szleitlinien/ 025-009.pdf]

[RUT2005] Rutkowski S, Bode U, Deinlein F, Ottensmeier H, Warmuth-Metz M, Soerensen N, Graf N, Emser A, Pietsch T, Wolff JE, Kortmann RD, Kuehl J: Treatment of early childhood medulloblastoma by postoperative chemotherapy alone. The New England journal of medicine 2005, 352: 978 [PMID: 15758008]

[CAL2004c] Calaminus G: Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren. WIR Informationsschrift der Aktion für krebskranke Kinder e.V. (Bonn) 2004, 2: 6 [URI: http://www.kinderkrebsstiftung.de/ fileadmin/ KKS/ files/ zeitschriftWIR/ 2004_2/ lebensqaulitaet.pdf]

[TIM2002] Timmermann B, Kortmann R, Kühl J, Meisner C, Dieckmann K, Pietsch T, Bamberg M: Role of radiotherapy in the treatment of supratentorial primitive neuroectodermal tumors in childhood. J Clin Oncol 2002, 20: 842 [PMID: 11821469]

[TIM2006] Timmermann B, Kortmann RD, Kühl J, Rutkowski S, Meisner C, Pietsch T, Deinlein F, Urban C, Warmuth-Metz M, Bamberg M: Role of radiotherapy in supratentorial primitive neuroectodermal tumor in young children: results of the German HIT-SKK87 and HIT-SKK92 trials. Journal of clinical oncology 2006, 24: 1554 [PMID: 16575007]


PDF-Datei
ausführliche Patienteninformation
zu Medulloblastom / stPNET  urlPDF-Datei
PDF-Datei
Patienten-Kurzinformation
zu Medulloblastom / stPNET  urlPDF-Datei
Aufbau und Funktion des Zentralnervensystems
Informationen dazu erhalten Sie  urlhier
Studien und Register für Patienten mit Medulloblastom / stPNET
Kliniken
Behandlungseinrichtungen, die auf Krebs bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind; Qualitätsberichte; Elternvereine  urlHier finden Sie mehr dazu


 
Logo KPOHLogo GPOH      Logo Deutsche Kinderkrebsstiftung       HONcode accreditation seal