Sonderregelungen für Patienten mit Down-Syndrom und Promyelozytenleukämie

Autor: Dipl.-Biol. Maria Yiallouros, erstellt am: 14.04.2008, Zuletzt geändert: 20.11.2015

AML-Patienten mit Down-Syndrom

AML-Patienten mit Down-Syndrom erhalten eine weniger intensive Behandlung als die übrigen Standardrisikopatienten: Die zu verabreichenden Zytostatika werden zum Teil schwächer dosiert (zum Beispiel Anthrazykline wie Daunorubicin und Idarubicin). Außerdem erhalten die Patienten weniger intrathekale Zytostatikagaben und es erfolgt keine Schädelbestrahlung und keine Dauertherapie.

Grund für die Therapiereduzierung ist, dass Patienten mit Down-Syndrom in besonderem Maße durch Infektionen gefährdet sind, die im Zuge einer intensiven Chemotherapie auftreten können. Da AML-Patienten mit Down-Syndrom andererseits besonders gut auf die Behandlung mit Zytostatika ansprechen und ihre Prognose relativ günstig ist, ist die abgeschwächte Therapie nicht nur ausreichend, sondern sogar günstiger als eine intensivere Behandlung [CRE2012a] [CRE2005] [CRE1995b] [RAV1992].

Kinder und Jugendliche mit Down-Syndrom und AML werden seit Juni 2007 im Rahmen eines Registers (Register ML-DS 2006) erfasst, das auch eine Behandlungsleitlinie bereitstellt.

Patienten mit akuter Promyelozytenleukämie (APL; AML vom Typ FAB-M3)

Patienten mit einer akuten Promyelozytenleukämie (APL) haben gute Heilungschancen, wenn sie eine Remission erreichen. Das höchste Risiko für diese Patienten besteht darin, dass sie – aufgrund einer krankheitsbedingt gestörten Blutgerinnung – bereits vor und zu Beginn der Therapie durch schwere Blutungskomplikationen gefährdet sind.

Um solche Komplikationen zu verringern, erhalten die Patienten sofort nach der Diagnosestellung und im Verlauf der Therapie das Medikament All-trans-Retinsäure (ATRA). Die Gabe von ATRA führt zu einer verbesserten Blutgerinnung und vermindert dadurch das Blutungsrisiko, das zu Beginn der Therapie besonders groß ist. ATRA bewirkt außerdem eine Ausreifung der Leukämiezellen und dient daher auch – gemeinsam mit den Zytostatika oder dem Medikament Arsentrioxid – der Bekämpfung der Leukämie [CRE2012a] [MAN2001] [FEN1999].

Aktuelle Studien bei Erwachsenen konnten zeigen, dass eine Kombinationstherapie aus ATRA und Arsentrioxid (ATO) zu sehr guten Therapieergebnissen und Heilungsraten führt. Gleichzeitig sind, verglichen mit der Kombination aus ATRA und Zytostatika, die Nebenwirkungen deutlich geringer [COC2013] [EST2006]. Ähnliche Erfahrungen gibt es bei Kindern und Jugendlichen mit akuter Promyelozytenleukämie (APL) [CRE2010].

Aus diesem Grund wird seit kurzem empfohlen, dass auch Kinder und Jugendliche mit APL, sofern sie zu den Standardrisikopatienten gehören, mit einer Kombination aus ATRA und ATO behandelt werden. Ein Standardrisiko liegt bei Patienten mit weniger als 10.000 Leukozyten pro Mikroliter (µl) vor. Bei APL-Patienten der Hochrisikogruppe (über 10.000 Leukozyten/µl) erfolgt zusätzlich eine Induktionschemotherapie, um die Zahl der Leukämiezellen zu verringern (so genannte Zytoreduktion).

Therapieüberwachung

Für Patienten mit Promyelozytenleukämie gelten außerdem besondere Regeln hinsichtlich der Therapieüberwachung: So wird empfohlen, dass bei Standardrisikopatienten in den ersten 12 Monaten nach Therapiebeginn und bei Hochrisikopatienten in den ersten 18 Monaten nach Therapiebeginn regelmäßig (dreimonatliche) eine molekulargenetische Untersuchung des Knochenmarks durchgeführt wird.

Auf diese Weise sollen eventuelle Restleukämiezellen (minimale Resterkrankung, MRD) im Körper aufgespürt werden, denn diese können zu einem Krankheitsrückfall führen. Dieses so genannte MRD-Monitoring ermöglicht es, früh einen Rückfall zu erkennen und rechtzeitig mit einer Behandlung zu beginnen.