Unterformen (Subtypen) der AML

Autor: Maria Yiallouros, erstellt am: 14.04.2008, Zuletzt geändert: 05.10.2017

Die akute myeloische Leukämie (AML) lässt sich anhand bestimmter Merkmale, die bei der Diagnose bestimmt werden, in mehrere Unterformen (Subtypen) einteilen [REI2006] [SWE2008]. Fachleute sprechen auch von Klassifikation oder Klassifizierung.

Zytomorphologische Einteilung der AML (FAB-Klassifikation)

Aufgrund mikroskopisch sichtbarer (zytomorphologischer) und immunologischer Merkmale wurde die akute myeloische Leukämie lange Zeit – nach der so genannten French-American-British-Klassifikation (abgekürzt FAB-Klassifikation) – in die folgenden AML-Subtypen eingeteilt [BEN1985a] [BEN1985b] [BEN1991]:

AML-Subtypen nach FAB-Klassifikation

FAB-Klassifikation

AML-Unterform (-Subtyp)

FAB M0

Akute myeloische Leukämie (Myeloblastenleukämie) mit minimaler Differenzierung

FAB M1

Akute myeloische Leukämie (Myeloblastenleukämie) ohne Ausreifung

FAB M2

Akute myeloische Leukämie (Myeloblastenleukämie) mit Ausreifung

FAB M3

Akute Promyelozytenleukämie (APL) mit starker Granulation

FAB M3v

APL-Variante (mikrogranulär (APLv)

FAB M4

Akute myelomonozytäre Leukämie

FAB M4Eo

Akute myelomonoblastäre Leukämie mit eosinophilen Granulozyten

FAB M5

Akute monozytäre Leukämie (Monoblastenleukämie)

FAB M6

Akute Erythro-Leukämie (Erythroblastenleukämie)

FAB M7

Akute megakaryozytäre Leukämie (Megakaryoblastenleukämie)

Die Leukämiezellen der verschiedenen AML-Subtypen sind gegenüber Chemotherapie unterschiedlich empfindlich. Eine relativ günstige Prognose haben Patienten mit den AML-Subtypen FAB M1 und M2, besonders wenn gleichzeitig eine bestimmte genetische Veränderung, die Translokation t(8;21), vorliegt (siehe unten). Auch bei den AML-Subtypen FAB M3 mit der Translokation t(15;17) und FAB M4eo mit der Inversion 16 sind sind die Heilungsaussichten günstig. Die Prognose der anderen Subtypen ist weniger günstig [MAN2009].

Einteilung der AML nach genetischen Merkmalen

Heute lassen sich bei den akuten myeloischen Leukämien mit Hilfe zytogenetischer und molekulargenetischer Untersuchungen verschiedene Veränderungen im Erbgut feststellen, die eine Einteilung der AML in zahlreiche Subtypen ermöglicht [SWE2008]. Einige der oben genannten FAB-Subtypen können durch die genetischen Untersuchungen weiter unterteilt werden.

Zu den Veränderungen, die bei einer AML vorkommen, zählt besonders häufig ein Austausch von Genabschnitten zwischen zwei Chromosomen, eine so genannte Translokation, die in der Regel mit der Entstehung eines neuen Gens (so genanntes Fusionsgen) verbunden ist. Das veränderte Gen sorgt dafür, dass ein ebenfalls verändertes Eiweiß gebildet wird, welches wiederum die betroffene Zelle zur unkontrollierten Vermehrung veranlasst. Bei manchen Patienten mit AML (10-15 %) findet man zum Beispiel eine Translokation zwischen den Chromosomen 8 und 21 [abgekürzt: t(8;21)].

Chromosomen können auch in einer insgesamt erhöhten oder verringerten Zahl (mehr oder weniger als 46 Chromosomen) in der Zelle vorliegen (so genannte Hyperdiploidie beziehungsweise Hypodiploidie). Beispiele hierfür sind die so genannte Trisomie 8 bei 5-10 % der AML-Patienten (Chromosom 8 kommt dreimal statt zweimal pro Zelle vor) oder auch der teilweise oder komplette Verlust von Chromosom 7 (Monosomie 7 beziehungsweise Deletion von Chromosom 7) bei circa 2-7 % der AML-Patienten im Kindesalter [LIO2004] [MAN2009].

Die verschiedenen Chromosomenveränderungen sind mit unterschiedlichen Prognosen für den Patienten verbunden:

  • Günstige Prognose: Die häufigste Translokation t(8;21) – sie tritt besonders häufig beim AML-Subtyp FAB M2 auf – wirkt sich beispielsweise relativ günstig auf die Prognose aus. Das gleiche gilt für die Inversion 16 beim AML-Subtyp FAB M4eo und der Translokation t(15;17) beim Subtyp FAB M3.
  • Ungünstige Prognose: Prognostisch ungünstig ist dagegen zum Beispiel die Monosomie 7 in den Leukämiezellen [HAR2010] [MAN2009] [NEU2010] [REI2012a].