Therapieabweichungen bei Patienten mit akuter Promyelozytenleukämie (APL; AML vom Typ FAB-M3)

Autor: Maria Yiallouros, erstellt am: 16.02.2017, Zuletzt geändert: 05.10.2017

Patienten mit einer akuten Promyelozytenleukämie (APL) haben gute Heilungschancen, wenn sie eine Remission erreichen. Das höchste Risiko für diese Patienten besteht darin, dass sie – aufgrund einer krankheitsbedingt gestörten Blutgerinnung – bereits vor und zu Beginn der Therapie durch schwere Blutungskomplikationen gefährdet sind.

Um solche Komplikationen zu verringern, erhalten die Patienten sofort nach der Diagnosestellung und im Verlauf der Therapie das Medikament All-trans-Retinsäure (ATRA). Die Gabe von ATRA führt zu einer verbesserten Blutgerinnung und vermindert dadurch das Blutungsrisiko, das zu Beginn der Therapie besonders groß ist. ATRA bewirkt außerdem eine Ausreifung der Leukämiezellen und dient daher auch – gemeinsam mit den Zytostatika oder dem Medikament Arsentrioxid – der Bekämpfung der Leukämie [CRE2012a] [MAN2001] [FEN1999].

Aktuelle Studien bei Erwachsenen konnten zeigen, dass eine Kombinationstherapie aus ATRA und Arsentrioxid (ATO) zu sehr guten Therapieergebnissen und Heilungsraten führt. Gleichzeitig sind, verglichen mit der Kombination aus ATRA und Zytostatika, die Nebenwirkungen deutlich geringer [COC2013] [EST2006]. Ähnliche Erfahrungen gibt es bei Kindern und Jugendlichen mit akuter Promyelozytenleukämie (APL) [CRE2010].

Aus diesem Grund wird seit kurzem empfohlen, dass auch Kinder und Jugendliche mit APL, sofern sie zu den Standardrisikopatienten gehören, mit einer Kombination aus ATRA und ATO behandelt werden [CRE2017]. Ein Standardrisiko liegt bei Patienten mit weniger als 10.000 Leukozyten pro Mikroliter (µl) vor. Bei APL-Patienten der Hochrisikogruppe (über 10.000 Leukozyten/µl) erfolgt zusätzlich eine Induktionschemotherapie (siehe Abschnitt "Induktionstherapie"), um die Zahl der Leukämiezellen zu verringern (so genannte Zytoreduktion).

Therapieüberwachung

Für Patienten mit Promyelozytenleukämie gelten außerdem besondere Regeln hinsichtlich der Therapieüberwachung: So wird empfohlen, dass bei Standardrisikopatienten in den ersten 12 Monaten nach Therapiebeginn und bei Hochrisikopatienten in den ersten 18 Monaten nach Therapiebeginn regelmäßig (dreimonatliche) eine molekulargenetische Untersuchung des Knochenmarks durchgeführt wird.

Auf diese Weise sollen eventuelle Restleukämiezellen (minimale Resterkrankung, MRD) im Körper aufgespürt werden, denn diese können zu einem Krankheitsrückfall führen. Dieses so genannte MRD-Monitoring ermöglicht es, früh einen Rückfall zu erkennen und rechtzeitig mit einer Behandlung zu beginnen.