Einteilung des Neuroblastoms nach Krankheitsstadien

Autor: Maria Yiallouros, erstellt am: 17.10.2011, Zuletzt geändert: 22.09.2019

Die Ausbreitung des Tumors im Körper beeinflusst in der Regel deutlich die Heilungsaussichten und ist somit ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der geeigneten Behandlungsstrategie. Die Einteilung des Neuroblastoms nach Krankheitsstadien berücksichtigt die Größe des Tumors, die Beteiligung von Lymphknoten sowie das Vorhandensein von Metastasen. Auch das Ausmaß der Operation wird mit einbezogen. Die exakte Beurteilung des Krankheitsstadiums ist daher erst nach dem operativen Eingriff möglich.

Nach der in Deutschland lange Zeit üblichen internationalen Stadieneinteilung (International Neuroblastoma Staging System, INSS) werden die lokal begrenzten Stadien 1-3, das metastasierte Stadium 4 und das metastasierte Säuglingsneuroblastom 4S unterschieden (siehe Tabelle im Anschuss) [BRO1993] [SIM2019].

Krankheitsstadien beim Neuroblastom nach INSS-Klassifikation

Krankheitsstadium

Definition

Stadium 1

Vollständig entfernter Tumor

Stadium 2a

Nicht vollständig entfernter Tumor
Befall nur auf einer Seite der Wirbelsäule
kein Lymphknotenbefall in der Umgebung des Tumors

Stadium 2b

Vollständig oder unvollständig entfernter Tumor
Befall nur auf einer Seite der Wirbelsäule
benachbarte Lymphknoten auf der gleichen Körperseite sind befallen

Stadium 3

Nicht vollständig entfernter Tumor mit Wirbelsäulenüberschreitung oder Befall von Lymphknoten auf der dem Tumor gegenüberliegenden Körperseite

Stadium 4

Vorliegen von Fernmetastasen (zum Beispiel in Knochenmark, Knochen, Leber, Haut, entfernten Lymphknoten und anderen Organen)

Stadium 4S

nur im Säuglingsalter (Altersgrenze nach neueren Kriterien bis 18 Monate)
Metastasen nur in Haut, Leber und/oder, in minimalem Ausmaß, im Knochenmark

Mit Ausnahme der Patienten mit Stadium 4S, haben Patienten mit weniger fortgeschrittener Erkrankung (Stadium 1 und 2) in der Regel eine bessere Prognose als Patienten mit einem Krankheitsstadium 3 oder gar 4.

Gut zu wissen: Neben der oben dargestellten Stadieneinteilung, die erst nach der Operation möglich ist, gibt es eine weitere Art der Einteilung, die so genannte Internationale Neuroblastom-Risikoklassifizierung (englisch: International Neuroblastoma Risk Group Staging System, INRG). Der wesentliche Unterschied zur INSS-Klassifizierung besteht darin, dass das Krankheitsstadium bereits vor der Behandlung (prätherapeutisch) anhand bildgebender Verfahren eingeschätzt wird. Beide Klassifikationssysteme werden inzwischen parallel verwendet. In die INRG-Klassifikation fließt, neben der voraussichtlichen Operabilität des Tumors, dem Alter des Patienten und molekularen Tumoreigenschaften, auch die feingewebliche Zuordnung des Neuroblastoms mit ein (siehe Folgeabschnitt). [MON2009] [BRI2011].