Fatigue (extreme Erschöpfung)

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 05.02.2016, Redaktion: Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 11.05.2016

Der Begriff Fatigue steht für die bei ehemaligen Krebspatienten häufige und vielschichtige Problematik von extremer Erschöpfung. Diese kann die Lebensqualität der Betroffenen oft bereits während der Krebstherapie, aber auch noch lange nach deren Beendigung stark einschränken und zu einer sozialen Isolation führen.

Die Ursachen sind zahlreich: Sowohl der ZNS-Tumor selbst als auch die intensiven Behandlungen (Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie), Mangelernährung, Begleiterkrankungen und chronische Infekte sowie auch andere Spätfolgen wie beispielsweise Hormonstörungen und emotionale / psychische Probleme (siehe hierzu auch Kapitel zu diesen Spätfolgen) tragen zur Entstehung einer Fatigue bei.

Beschwerden und Komplikationen

Ein ehemaliger Patient leidet (definitionsgemäß) an Fatigue, wenn bei ihm innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Wochen eines Monats täglich oder fast täglich die folgenden Beschwerden aufgetreten sind:

  • andauernde, erhebliche Erschöpfung
  • niedrigere Energiepegel als gewohnt
  • gesteigertes Bedürfnis, sich auszuruhen, obwohl der Betroffene nicht aktiver ist als zuvor.

Darüber hinaus müssen fünf oder mehr der folgenden Probleme vorliegen:

  • allgemeine Schwäche und/oder Schweregefühl in den Gliedern
  • zunehmende Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Motivations-, Interessen- und Lustlosigkeit
  • Schwierigkeiten bei der Verrichtung täglicher Aufgaben (infolge der Fatigue)
  • Schlafstörungen und erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Müdigkeitsgefühl auch nach dem Schlafen
  • Antriebslosigkeit
  • Stimmungsschwankungen (zum Beispiel Traurigkeit, Reizbarkeit, Frustrationsgefühle)
  • Erinnerungsstörungen (Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis)
  • extreme, über mehrere Stunden anhaltende Erschöpfung nach Anstrengung

Wichtige Nachsorgeuntersuchungen

Überlebende einer ZNS-Tumorerkrankung, die bei sich Zeichen einer Fatigue bemerken, sollten auf die Signale ihres Körpers achten und ihrem nachsorgenden Arzt, Lehrer, Vorgesetzten, Rehabilitationsberater, Psychologen beim Arbeitsamt und/oder anderen Personen, die zu einer optimalen Alltagsaktivität und Alltagsteilhabe beitragen können, davon berichten.

Eine weitere (zum Beispiel hormonelle und/oder psychologische) Abklärung der Problematik und eine möglicherweise notwendige Behandlung kann daraufhin veranlasst, individuelle Rehabilitationsprogramme geplant und unnötigen überforderungen im Alltag (welche die Fatigue noch verstärken würden) vorgebeugt werden.

Förderung / Behandlung

Experten haben für die ehemaligen Patienten spezielle Fragebögen entwickelt, in denen gezielt nach Zeichen einer Fatigue gefragt wird. Es empfiehlt sich, diese Fragebögen auszufüllen und abzugeben, denn bestimmte Antworten können das Nachsorgeteam frühzeitig auf die Auslöser der Erkrankung hinweisen.

Wichtig zu wissen: Je früher eine Fatigue erkannt und behandelt wird, desto geringer ist das Risiko, dass sie dauerhaft bestehen bleibt.

Die Behandlung einer Fatigue richtet sich nach den ihr zugrunde liegenden Ursachen. Hormonstörungen, zum Beispiel, sollten mit Medikamenten behandelt werden. Eine Fatigue kann außerdem erfolgreich beeinflusst werden durch:

  • regelmäßige körperliche Aktivität (insbesondere Ausdauer- und Krafttraining unter Anleitung)
  • Verhaltenstherapie (zum Beispiel zum Abbau von Ängsten, Erlernen von Stressverarbeitungsmechanismen sowie Strategien zur Lösung von Problemen)
  • Methoden des Energie- und Aktivitätsmanagements (zum Beispiel Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Einlegen von Ruhepausen, Krafteinteilung, Aufgabenplanung)
  • Erlernen von Entspannungstechniken

Mehr zum Thema "Fatigue bei Krebs", Kontaktadressen und Telefonnummern für Beratungen, Selbsthilfegruppen und vieles mehr finden Sie unter anderem auf der Webseite der Deutschen Fatigue Gesellschaft, der Seite www.inkanet.de von INKA, dem Informationsportal für Krebspatienten und Angehörige, sowie in der Broschüre Fatigue aus der Reihe der blauen Ratgeber, die von der deutschen Krebshilfe herausgegeben werden.