Hormonstörungen (Endokrinopathien)

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 08.03.2016, Redaktion: Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 11.05.2016

Die Ausprägung und der Verlauf von Hormonstörungen nach Erkrankung an einem ZNS-Tumor im Kindes- oder Jugendalter sind vor allem mit der Art des Tumors und seiner anatomischen Lage im Zentralnervensystem (ZNS) verbunden. Darüber hinaus hängen sie entscheidend von den jeweiligen Behandlungen (Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie) ab.

Die möglichen Spätfolgen können jede Hormonfunktion betreffen. Bei ehemaligen Patienten mit ZNS-Tumor im Kindes- oder Jugendalter kommt es später in erster Linie zu Störungen der Hormonproduktion im Zwischenhirn, das heißt der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und des Hypothalamus. Die Folge davon sind:

  • Wachstumsstörungen
  • Störungen des Knochenstoffwechsels
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Störungen der Nebenschilddrüsenfunktion
  • Störungen der Nebennierenrindenfunktion
  • Störungen von Pubertätsentwicklung und Fruchtbarkeit
  • Übergewicht
  • Störungen des Zuckerstoffwechsels
  • Störungen des Fettstoffwechsels

Aktuelle Untersuchungen im Rahmen verschiedener Spätfolgeninitiativen (siehe Kapitel zu Initiativen und Forschungsprojekten) haben gezeigt, dass auch noch 30 Jahre nach einer Krebstherapie im Kindes- oder Jugendalter Hormonstörungen auftreten können.

Das bedeutet, dass diese Störungen die Gesundheit und Lebensqualität der ehemaligen Patienten nicht nur während besonders empfindlicher Lebensphasen (zum Beispiel Wachstum, Pubertätsentwicklung), sondern auch im späteren Leben beeinträchtigen können.

Wichtig: An der Langzeitnachsorge für ehemalige ZNS-Tumorpatienten sollte immer auch ein Hormonspezialist beteiligt sein.

Anmerkung: Im Folgenden sollen die einzelnen Spätfolgen, die ein ZNS-Tumor und dessen Behandlung im Kindes- oder Jugendalter im Hormonsystem verursachen können, erläutert werden. Dabei werden, jeweils bezogen auf die entsprechende Hormonstörung, auch die notwendigen, zugehörigen Nachsorgeuntersuchungen beschrieben.

Das bedeutet aber nicht, dass ein Überlebender zur Früherkennung oder Behandlung jeder einzelnen möglichen Hormonstörung jeweils einen eigenen Termin in der Hormonsprechstunde wahrnehmen muss. In der Regel werden die Zeitpunkte verschiedener Blutentnahmen, Hormontestungen und anderer Untersuchungen vom nachsorgenden Arzt so koordiniert, dass auf viele Aspekte im Rahmen eines Besuchs gleichzeitig eingegangen werden kann.

Basisliteratur

  1. Borgmann-Staudt A, Balcerek M, Jantke A, Hinz S: Beeinträchtigung der Gonadenfunktion nach Chemo- und Strahlentherapie im Kindes- und Jugendalter: Risiken, Diagnostik, Prophylaxe- und Behandlungsmöglichkeiten. Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie AWMF online 2015 [URI: http://www.awmf.org/ uploads/ tx_szleitlinien/ 025-034_l_S1_Beeintr%C3%A4chtigung_Gonadenfunktion_nach_Krebs_im_Kindesalter_2015-03.pdf]
  2. Denzer C: Endokrinologische Nachsorge nach onkologischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter - Evidenzbasierte Leitlinie (S3) der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie e. V. (DGKED), der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie e. V. (GPOH) und der beteiligten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften. AWMF online 2014 [URI: http://www.awmf.org/ uploads/ tx_szleitlinien/ 025-030l_S3_Endokrinologische_Nachsorge_nach_onkologischen_Erkrankungen_Kindes_Jugendalter_2014_03.pdf]