Störungen der Nebennierenrindenfunktion

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 09.03.2016, Redaktion: Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 12.05.2016

Die Nebennieren sind paarige Hormondrüsen, die jeweils den Nieren aufsitzen Sie bestehen aus dem Nebennierenmark und der Nebennierenrinde.

Die Nebennierenrinde produziert Glukokortikoidhormone (wie Cortisol***‎) und ist am Zucker- und Wasserhaushalt sowie am Mineralstoffwechsel beteiligt. Diese wichtigen Aufgaben werden durch Hormone aus der Hypophyse und dem Hypothalamus im Zwischenhirn gesteuert.

Risikofaktoren

Ein stark erhöhtes Risiko für Störungen der Nebennierenrindenfunktion infolge einer beeinträchtigten Hypothalamus-/Hypophysenfunktion (so genannte zentrale Nebenniereninsuffizienz) haben ehemalige Patienten:

  • die im Kindes- oder Jugendalter im Bereich der Hypophyse und des Hypothalamus operiert wurden
  • die im Kindes- oder Jugendalter im Bereich der Hypophyse und des Hypothalamus mit Strahlendosen von 40 Gray oder mehr bestrahlt wurden

Beschwerden / Komplikationen

Folgende gesundheitliche Probleme können bei einer zentralen Nebenniereninsuffizienz auftreten:

  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsstörungen, verminderte Leistungsfähigkeit
  • Verschlechterung der schulischen Leistungen
  • Infektanfälligkeit
  • Neigung zu Unterzuckerung (Hypoglykämie)
  • Zeichen anderer Störungen der Hypophysen-/Hypothalamushormone (zum Beispiel Wachstums- oder Fruchtbarkeitsstörungen, Schilddrüsenunterfunktion; siehe oben).

Wichtige Nachsorgeuntersuchungen

Eine Unterfunktion der Nebennierenrinde ist für den nachsorgenden Arzt anhand der vorgetragenen Beschwerden und körperlichen Untersuchungen allein nicht eindeutig zu erkennen, denn die gesundheitlichen Probleme (zum Beispiel Müdigkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit) sind unspezifisch. Sie können ebenso mit anderen Spätfolgen nach der Krebstherapie zusammenhängen.

Außerdem kann es – insbesondere nach geringeren Strahlendosen – sein , dass die Nebennierenrinde in den ersten Jahren nach der Strahlentherapie normal funktioniert. Daher ist es wichtig, die empfohlenen Nachsorgetermine beim Endokrinologen wahrzunehmen, im Rahmen derer auch der Einsatz spezieller Hormonuntersuchungen zusammen mit Experten überlegt wird.

Wichtig: Ehemalige Patienten, die eine Schädelbestrahlung von 40 Gray oder mehr erhalten haben, sollten mindestens einmal im Jahr ihre Nebennierenrindenhormone überprüfen lassen. Fallen die Werte zu niedrig aus, sind gezielte Hormontestungen angezeigt.

Gut zu wissen: Wenn auch anfangs normal, so kann die Nebennierenrinde noch lange, das heißt mehr als zehn Jahre nach Therapieende und auch nach niedriger dosierter Strahlentherapie Funktionsstörungen entwickeln. Deshalb sollten auch noch nach zehn Jahren regelmäßig Nachsorgeuntersuchungen wahrgenommen werden.

Förderung / Behandlung

Ehemalige ZNS-Tumorpatienten mit einer verminderten Hormonproduktion in der Nebennierenrinde benötigen eine Behandlung mit synthetischen Glukokortikoiden (in Tabletten- oder Zäpfchenform). Die Dosierung und Häufigkeit der Einnahme müssen vom Hormonspezialisten festgelegt, überwacht und bei Bedarf auch geändert werden.

In Stresssituationen (wie schweren Infektionen, Fieber oder Operationen) beispielsweise ist der Bedarf des Organismus an Glukokortikoiden gesteigert, so dass die bisherige Medikamentendosis vorübergehend erhöht werden muss.

Notfallausweis: Nach einer ZNS-Tumorerkrankung im Kindes- oder Jugendalter sollten Betroffene, die regelmäßig Glukokortikoide einnehmen, einen Notfallausweis bei sich tragen.