Nierenfunktionsstörungen

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 19.02.2016, Redaktion: Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 10.05.2016

Manche Behandlungen bei Kindern und Jugendlichen mit einem ZNS-Tumor können die Nieren schädigen und später zu Störungen der Nierenfunktion führen. Bestimmte Begleiterkrankungen können zusätzlich zu Nierenproblemen beitragen oder diese begünstigen [SCH2013b].

Risikofaktoren

Ein erhöhtes Risiko für Nierenprobleme besteht insbesondere:

  • nach Chemotherapie mit Platinderivaten (Cisplatin Carboplatin), Alkylantien (wie Ifosfamid, Cyclophosphamid, Temozolomid) und Methotrexat
  • bei einer hohen Dosierung dieser Zytostatika
  • bei ehemaligen Patienten mit Bluthochdruck
  • bei ehemaligen Patienten mit Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • bei Patienten, die bei der Tumorbehandlung unter fünf Jahre alt sind
  • wenn bereits vor der Therapie Nierenfunktionsstörungen bestanden haben
  • innerhalb der ersten drei Jahre nach Therapieende

Anmerkung: Inwieweit eine Mitbestrahlung der Nieren bei Bestrahlung der (Lenden-)Wirbelsäule (zum Beispiel beim Medulloblastom) später zu Nierenproblemen führen kann, wird derzeit im Rahmen gezielter Nachsorgeprojekte erarbeitet.

Beschwerden und Komplikationen

Die Nierenschädigungen können unter anderem zu folgenden Störungen der Ausscheidung beziehungsweise der Urinzusammensetzung führen:

  • vermehrte Calcium- und Phosphatausscheidung mit Störungen des Knochenstoffwechsels (insbesondere nach Chemotherapie mit Cyclophosphamid, Ifosfamid, Temozolomid)
  • vermehrte Eiweißauscheidung, dadurch weitere Beeinträchtigung der Nieren und erhöhtes Herzinfarktrisiko (insbesondere nach Chemotherapie mit Cyclophosphamid, Ifosfamid, Temozolomid)
  • vermehrte Magnesiumausscheidung, in der Folge Magnesiummangel mit Muskelkrämpfen, Muskelzucken, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Müdigkeit (insbesondere nach Chemotherapie mit Cisplatin).

Weiterführende Informationen zu möglichen Symptomen einer Nierenschädigung sowie rund um Nierenaufbau, Nierenfunktion und Nierenstörungen finden Sie in unserem Text „Spätfolgen an den Nieren“.

Wichtige Nachsorgeuntersuchungen

In den Therapieprotokollen sind bis zu zehn Jahre nach Therapieende regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen (Blut- und Urinuntersuchungen) zur Überwachung der Nierenfunktion vorgesehen. Diese sollten unbedingt wahrgenommen werden, damit Ausscheidungsstörungen frühzeitig erkannt und Komplikationen vorgebeugt werden kann.

Wichtig: Wenn der Verdacht auf einen Harnwegsinfekt besteht (Anzeichen dafür sind zum Beispiel vermehrter Harndrang und kleine Urinportionen, Brennen / Schmerzen beim Wasserlassen, Flanken- oder Bauchschmerzen), wird empfohlen, sofort einen Arzt aufzusuchen.

Förderung / Behandlung

Um gesundheitlichen Problemen vorzubeugen, die durch eine vermehrte Ausscheidung bestimmter, für den Organismus wichtiger Substanzen entstehen können, sollten die fehlenden Substanzen wieder zugeführt und eventuell auch andere Nährstoffe eingenommen werden (zum Beispiel Magnesium, Calcium-, Phosphattabletten, Bikarbonat- und Vitamin-D-Präparate). Die Einnahmen sollten streng und nur nach den Verordnungen des nachsorgenden Arztes erfolgen.

Was der Betroffene selbst tun kann: Ehemalige Patienten, bei denen die oben genannten Risikofaktoren eine Rolle spielen, sollten zur Vorbeugung von Nierenerkrankungen auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Darüber hinaus sollten sie die Einnahme von Medikamenten, welche die Nieren zusätzlich schädigen können (zum Beispiel bestimmte Tabletten gegen Rheuma, bestimmte Antibiotika wie Aminoglykoside), vermeiden beziehungsweise vorher mit ihrem Arzt besprechen.