Sehstörungen und Augenerkrankungen

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 10.02.2016, Redaktion: Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 10.05.2016

Bei ehemaligen ZNS-Tumorpatienten können sowohl der ZNS-Tumor selbst als auch die intensiven Behandlungen Ursache für spätere Beeinträchtigungen des Sehvermögens und verschiedene Augenkrankheiten sein [WHE2010] [TAL2015].

Risikofaktoren

Ein erhöhtes Risiko für Sehstörungen und Augenkrankheiten haben ehemalige Patienten:

  • mit einem Tumor im Bereich der Sehbahn (zum Beispiel Sehbahn-Gliom, Kraniopharyngeom, trilateralem Retinoblastom, manchen Keimzelltumoren)
  • mit einem Tumor in der hinteren Schädelgrube (zum Beispiel Kleinhirn-Astrozytom, Medulloblastom)
  • mit einem Tumor im Bereich des Hirnstamms (zum Beispiel Ponsgliom)
  • nach einer Schädelbestrahlung, insbesondere nach Strahlendosen von 30 Gray und mehr (Ausnahme: Ein grauer Star kann sich bereits nach einmaliger Dosis von 2 Gray entwickeln), und wenn die Augenhöhle, die Sehnervenkreuzung / Sehbahn, die hintere Schädelgrube oder der Schläfenlappen im Strahlenfeld lagen
  • mit Schädigungen der peripheren Nerven [siehe peripheres Nervensystem] nach Behandlung mit bestimmten Zytostatika wie Beispiel Vincristin (siehe Kapitel „Polyneuropathie“)
  • nach Behandlung mit hohen Dosierungen von Glukokortikoiden (Dexamethason, Prednison)
  • mit Störungen des Zuckerstoffwechsels (Diabetes mellitus) (siehe Kapitel „Hormonstörungen“)
  • mit Störungen des Fettstoffwechsels und Bluthochdruck (siehe Kapitel „Hormonstörungen“)
  • die sich häufig ohne Sonnenbrille dem Sonnenlicht aussetzen

Beschwerden und Komplikationen

Folgende Augenprobleme können bei Überlebenden einer ZNS-Tumorerkrankung auftreten:

  • Grauer Star (Risiko nimmt mit der Zeit nach Ende einer Strahlentherapie zu)
  • trockene Augen (aufgrund verminderter Bildung von Tränenflüssigkeit)
  • Tränende Augen (aufgrund geschrumpfter Tränengänge)
  • Entwicklungsstörungen des Auges und der Augenhöhle
  • Bindehautentzündungen
  • Schielen/Doppelbilder
  • Gesichtsfeldeinschränkungen
  • Netzhaut- und/oder Sehnervenschädigungen mit Verlust der Sehschärfe (Verschwommensehen, Erblindung)
  • Probleme beim Sehen im Dunkeln
  • Lichtempfindlichkeit
  • erhöhter Augeninnendruck (Glaukom)

Wichtige Nachsorgeuntersuchungen

Abhängig von der Art des ZNS-Tumors beziehungsweise vom Therapieprotokoll, nach dem ehemalige Patient behandelt wurde, werden bis zu zehn Jahre nach Therapieende Untersuchungen beim Augenarzt zu bestimmten Zeitpunkten, mindestens einmal jährlich, empfohlen. Hierbei werden Sehschärfe, Gesichtsfeld, Augeninnendruck, Beschaffenheit der Augenlinse und noch viele andere Aspekte der Augengesundheit überprüft.

Je nachdem, ob, und wenn ja welche, Probleme bestehen, werden weitere Termine, auch langfristig, nach individuellem Bedarf festgelegt.

Förderung / Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach dem Leiden und kann beispielsweise regelmäßiges Tropfen (bei trockenen Augen) oder auch chirurgische Maßnahmen beziehungsweise Laserbehandlungen beinhalten.

Chirurgische Maßnahmen können bei manchen Betroffenen mit grauem Star, Tränengangverengungen, Schielen und Entwicklungsstörungen der Augen / Augenhöhlen in Frage kommen, ein Einsatz von Laserstrahlen zum Beispiel bei manchen Betroffenen mit grauem Star oder bestimmten Netzhautproblemen. Manche Augenerkrankungen müssen auch gar nicht behandelt werden.

Ehemalige Patienten, die erblindet sind beziehungsweise durch den Tumor (zum Beispiel einem trilateralen Retinoblastom) ein Auge verloren haben, benötigen allerdings zusätzliche Behandlungen, Nachsorge- und Fördermaßnahmen. Dazu gehört auch eine intensive psychosoziale Unterstützung in enger Zusammenarbeit mit Schule, Ausbildungsstätte beziehungsweise Arbeitsplatz.

Weitere Informationen und Kontaktadressen hierzu finden Sie auf der Webseite von anderes sehen e.V., einer Initiative zur Förderung und autonomen Mobilität blinder Kinder, sowie auf den Seiten des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. (DBSV). Die Informationsseite der KinderAugenKrebsStiftung (KAKS) bietet Informationen für (ehemalige) Patienten mit einem Retinoblastom.