Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 10.02.2016, Redaktion: Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 10.05.2016

Sowohl eine Chemotherapie als auch eine Strahlentherapie können bei Kindern und Jugendlichen später zu einer eingeschränkten Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit führen [EFF2014] [GAW2014] [KAS2009].

Risikofaktoren

Ein erhöhtes Risiko für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten haben ehemalige Patienten:

  • nach einer Chemotherapie (insbesondere mit Alkylantien wie Cyclophosphamid, Ifosfamid, Temozolomid), die vor der vollständigen Ausbildung der bleibenden Zähne durchgeführt wurde
  • die zum Zeitpunkt der Chemotherapie jünger als fünf Jahre alt waren
  • nach Schädelbestrahlung
  • nach Halswirbelsäulenbestrahlung
  • nach einer Strahlentherapie, bei der Ohren, Kiefergelenk, Speicheldrüsen und andere Regionen des Gesichts im Strahlenfeld lagen

Beschwerden und Komplikationen

Folgende Probleme im Zahn-, Mund- und Kieferbereich können, im Vergleich zu gesunden Gleichaltrigen, vermehrt auftreten:

  • Mundtrockenheit
  • Zahnschmelzveränderungen (zum Beispiel Zahnverfärbungen)
  • Karies
  • Entwicklungsstörungen der Zahnwurzeln
  • erhöhte Temperaturempfindlichkeit der Zähne
  • Geschmacksstörungen
  • Entwicklungsstörungen der Zähne, der Kiefergelenke, des Gesichtsschädels und in der Folge, unter anderem, kosmetische Probleme
  • verzögerter Durchbruch der bleibenden Zähne
  • gestörte Kiefergelenksfunktion mit Schmerzen (meist vor dem Ohr) und/oder Kieferklemme (Trismus) mit Schwierigkeiten beim Sprechen, Kauen
  • Über- oder Unterbiss
  • Zahnfleischentzündungen und in der Folge erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen
  • früher Zahnverlust
  • Zweitkrebserkrankung im Mund-/Kieferbereich (siehe auch Kapitel „Zweitkrebserkrankungen“)

Wichtige Nachsorgeuntersuchungen

Überlebende einer ZNS-Tumorerkrankung im Kindes- oder Jugendalter sollten ihren Zahnarzt über ihre ehemalige Erkrankung und die Behandlungen informieren. Dazu kann aus dem ehemaligen Behandlungszentrum ein Krankenbericht angefordert werden.

Ehemalige Patienten, für die einer oder mehrere der oben genannten Risikofaktoren zutreffen, sollten, wie vom Zahnarzt empfohlen, regelmäßig ihren Zahnstatus überprüfen lassen.

Bei diesen "Checks" wird der Zahnarzt auch nach Zeichen der Krebsentstehung in der Mundhöhle fragen und schauen, zum Beispiel nach Zahnfleischverletzungen, die schlecht heilen oder leicht bluten, neu aufgetretenen Pigmentveränderungen der Mundschleimhaut, Knötchen oder rauen Stellen in der Mundhöhle, Schmerzen oder Taubheitsgefühlen im Mund- und Gesichtsbereich.

Sollte ein Betroffener bei sich solche Veränderungen feststellen, ist eine Vorstellung beim Zahnarzt unbedingt angezeigt. Dort werden auch regelmäßig spezielle Röntgenuntersuchungen der Kiefer gemacht, um Entwicklungsstörungen und andere krankhafte Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Wichtig zu wissen: Während eines zahnärztlichen Eingriffs können Bakterien in den Blutkreislauf des Patienten gelangen. Diese können bei Überlebenden einer ZNS-Tumorerkrankung im Kindes- oder Jugendalter, die eine Shuntableitung (siehe Kapitel „Hydrocephalus“) oder Herzklappenfehler haben, schwere Infektionen auslösen. Betroffene sollten ihren Zahnarzt daher unbedingt darüber informieren, damit vor einer Zahnbehandlung vorbeugend Antibiotika eingenommen werden können.

Förderung / Behandlung

Die Behandlungen richten sich jeweils nach den Beschwerden. Sie können den Einsatz von Kronen, Füllungen, Spangen und auch Zahnersatz, kieferchirurgische/-orthopädische Eingriffe sowie logopädische und ergotherapeutische Maßnahmen [siehe Logopädie, Ergotherapie] beinhalten, zum Beispiel bei Kau- und/oder Sprechstörungen.

Wichtig zu wissen: Um selbst zu ihrer Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit beizutragen, sollten die Betroffenen auf eine regelmäßige und ausreichende Zahn- und Mundhygiene achten.