Lokale (spezifische) Krankheitszeichen

Autor: Dr. med. habil. Gesche Tallen, Maria Yiallouros, erstellt am: 08.01.2008, Zuletzt geändert: 17.04.2018

Medulloblastome gehen vom Kleinhirn aus. Das bedeutet, sie entstehen in der hinteren Schädelgrube [hintere Schädelgrube], also unterhalb des Kleinhirnzeltes (infratentoriell). Embryonale, nicht-rhabdoide ZNS-Tumoren (bisher ZNS-PNET) wachsen meist oberhalb des Kleinhirnzeltes (das heißt im Bereich des Großhirns oder Zwischenhirn. Auch Pineoblastome entstehen im Bereich des Zwischenhirns.

Im Folgenden erhalten Sie Informationen zu den Krankheitszeichen, die meist den Zeichen eines erhöhten Schädelinnendrucks vorausgehen, in Abhängigkeit vom Tumorsitz auftreten und auf der direkten Schädigung eines bestimmten Hirn- oder Rückenmarkareals durch den Tumor beruhen.

Mögliche Symptome bei Tumoren des Kleinhirns und des Hirnstamms

Tumoren, die – wie das Medulloblastom – vom Kleinhirn ausgehen und oft in den 4. Hirnventrikel sowie in den Hirnstamm hineinwachen (infratentorielle Tumoren), verursachen beispielsweise:

  • Gleichgewichtsstörungen, Gangstörungen, Unsicherheiten beim Springen, Treppensteigen
  • zunehmende Ungeschicklichkeit
  • sich verschlechternde Handschrift
  • Störungen von Bewegungsabläufen und Gefühlsempfindungen
  • Sehstörungen, zum Beispiel Schielen, Doppelbilder, Augenzittern (Nystagmus) (durch Störung von Hirnnerven, besonders von Augenmuskelnerven)
  • Ausfall von Hirnnervenfunktionen
  • Häufiges, heftiges Erbrechen
  • Wasserkopf (Hydrocephalus) und dadurch allgemeine Zeichen des erhöhten Drucks im Schädelinneren (siehe allgemeine Krankheitszeichen)

Weitere Einzelheiten zu den Störungen, die auftreten können, wenn Kleinhirn- oder Hirnstammstrukturen beispielsweise durch einen Tumor geschädigt werden, finden Sie in unseren Informationen zu Aufbau und Funktion des Zentralnervensystems (siehe Abschnitte zu "Kleinhirn", "Hirnstamm und Hirnnerven" und "Funktionelle Systeme").

Mögliche Symptome bei Tumoren im Bereich des Groß- und Zwischenhirns

Tumoren, die wie die meisten embryonalen, nicht-rhabdoiden Tumoren im Bereich des Großhirns oder Zwischenhirns auftreten (supratentorielle Tumoren), können (ebenso wie das Pineoblastom) beispielsweise die folgenden neurologischen Ausfälle verursachen:

  • Halbseitenlähmungen
  • halbseitige Empfindungsstörungen
  • unwillkürliche, das heißt ungesteuerte, spontane Muskelregungen (durch gesteigerte Muskeleigenreflexe)
  • Krampfanfälle
  • Sehstörungen (Verschlechterung oder Verlust der Sehfähigkeit)
  • Sprachstörungen
  • Verhaltensstörungen
  • Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Appetitregulationsstörungen

Die oben aufgezählten Krankheitszeichen und der genaue Mechanismus ihres Zustandekommens sind im Detail in unseren Informationen zu Aufbau und Funktion des Zentralnervensystems erläutert (siehe Abschnitte "Das Großhirn" und "Das Zwischenhirn").

Anmerkung: Neben den Sehstörungen, die durch den tumorbedingt erhöhten Druck im Schädelinneren und die damit einhergehenden Funktionsausfälle von Seh- und Augenmuskelnerven zustande kommen, kann es beim Pineoblastom zu einer Blicklähmung kommen. Diese Form der Sehstörung, die durch die besondere Lage dieses Tumors im Bereich des Zwischenhirns bedingt ist, wird Parinaud-Syndrom genannt. Dabei können die Patienten unter anderem die Augäpfel nicht nach oben richten (siehe auch Informationen zu Aufbau und Funktion des Zentralnervensystems, Abschnitt zu "III. Hirnnerv" in Kapitel "Hirnstamm und Hirnnerven").

Krampfanfälle kommen bei Kindern und Jugendlichen mit einem ZNS-Tumor seltener vor als bei Erwachsenen. Dennoch bedarf es bei jedem erstmalig aufgetretenen Krampfanfall der Abwägung eines erfahrenen Arztes, ob zur weiteren Klärung der Ursache eine bildgebende Diagnostik mittels Magnetresonanztomographie erforderlich ist.

Mögliche Symptome bei Tumorabsiedlungen im Bereich des Rückenmarks

Tumorabsiedlungen, die im Rückenmarkskanal wachsen (spinale Metastasen), können ebenfalls allgemeine sowie lage- und altersabhängige Krankheitszeichen verursachen, zum Beispiel:

  • Rückenschmerzen (bei kleinen Kindern Bewegungsunlust, Ruhelosigkeit)
  • Gangstörungen, Gleichgewichtsstörungen im Sitzen
  • veränderte Muskelspannung (schlaffe oder spastische Lähmungen)
  • Querschnittslähmung
  • Lähmung einzelner Gliedmaßen
  • Störungen von Gefühlswahrnehmungen
  • Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion (durch Schädigung im Bereich des Hals- oder Lendenwirbelmarks)
  • Schiefhals (durch Schädigung im Halsmark)

Die in diesem Kapitel erwähnten Krankheitszeichen und der genaue Mechanismus ihres Zustandekommens sind im Detail in unseren Informationen zu Aufbau und Funktion des Zentralnervensystems erläutert (siehe Kapitel "Funktionelle Systeme" und "Das Rückenmark und seine Nerven").