Prognose: Wie sind die Überlebensaussichten bei Patienten mit einem niedriggradig malignen Gliom?

Autor: Dipl.-Biol. Maria Yiallouros, PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 25.07.2007, Zuletzt geändert: 16.06.2016

Die Überlebenschancen von Kindern und Jugendlichen mit einem niedriggradig malignen Gliom sind in der Mehrheit der Fälle als sehr gut anzusehen. Für 1.031 Kinder, die im Rahmen der Studie HIT-LGG 1996 zwischen 1996 und 2004 behandelt worden waren, lag die 10-Jahres-Überlebensrate bei 94 % [GNE2013] [GNE2012].

Die Prognose für den einzelnen Patienten hängt dabei in erster Linie von der Art und Lage des Tumors sowie vom Ausmaß der Tumorentfernung und der durchgeführten Behandlung ab:

Patienten mit niedrigmalignen Gliomen des Großhirns und Kleinhirns haben nach einer vollständigen Tumorentfernung eine sehr gute Prognose, denn das Risiko, einen Krankheitsrückfall zu erleiden, ist gering: Als Langzeitüberlebensraten werden bis zu 100 % angegeben [GNE2013]. Weniger günstig ist die Prognose, wenn Tumoren des Groß- beziehungsweise Kleinhirns nicht vollständig entfernt werden können.

Patienten mit Tumoren der übrigen Hirnregionen, die oft nicht vollständig entfernt werden können, haben generell weniger günstige Heilungsaussichten, denn diese Tumoren können auch nach fünf bis zehn Jahren oder später erneut zu wachsen beginnen: Für Tumoren des Zwischenhirns und der Sehnervenregion (Tumoren der supratentoriellen Mittellinie) liegen die Heilungsaussichten nach zehn Jahren bei etwa 76 %, für die oft besonders aggressiv wachsenden Tumoren des Thalamus nach nur vier Jahren bei etwa 52 % [GNE2013] [GNE2000].

Bei manchen Tumoren kann offenbar allerdings auch eine nur teilweise Entfernung ohne jede nachfolgende Therapie zum langfristigen oder dauerhaften Erfolg führen (zum Beispiel bei manchen dysembryoplastischen Tumoren und Astrozytomen Grad I). Auch bei Gliomen der Sehbahn (Optikusgliomen) ist dies gelegentlich zu beobachten. Eine sorgfältige engmaschige Kontrolle nach der Operation ist aber erforderlich um festzustellen, ob eine derartige Situation tatsächlich auch eintritt. Niedrigmaligne Gliome im Bereich des Hirnstamms oder im Rückenmark weisen nach unvollständiger Tumorentfernung ebenfalls oft längere Phasen der Stabilität auf [GNE2003].

Das Ziel der aktuellen und zukünftigen Therapieoptimierungsstudien und/oder Register ist, die Heilungsaussichten auch für Patienten nach unvollständiger Tumorentfernung weiter zu verbessern.

Gut zu wissen: Bei den oben genannten Überlebensraten für Patienten mit niedrigmalignem Gliom handelt es sich um statistische Größen. Sie stellen nur für die Gesamtheit der an dieser Form der Hirntumoren erkrankten Patienten eine wichtige und zutreffende Aussage dar. Ob der einzelne Patient geheilt werden kann oder nicht, lässt sich aus der Statistik nicht vorhersagen. Der Krankheitsverlauf bei einem niedrigmalignen Gliom kann selbst unter günstigsten beziehungsweise ungünstigsten Voraussetzungen ganz unerwartet sein.