Wie wird die Chemotherapie verabreicht?

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Henze, Zuletzt geändert: 18.11.2014

Für eine erfolgreiche Krebsbehandlung ist die optimale Wechselwirkung zwischen der zu vernichtenden Zelle und dem Medikament, bei gleichzeitiger Schonung von gesundem Gewebe, unbedingte Voraussetzung. Das heißt, das Zytostatikum muss in aktiver Form, in ausreichender Konzentration und zur rechten Zeit an jenem Ort in der Zelle ankommen, wo seine Eigenschaften wirken können und auch sollen.

Grundsätzlich gibt es bei der Behandlung von Krankheiten verschiedene Möglichkeiten, dem Patienten Medikamente zu verabreichen. Die Ärzte und das weitere Fachpersonal benutzen dafür gerne die folgenden Abkürzungen:

p.o.: "peroral"; "per os" bedeutet "durch den Mund". Das Medikament wird als Tablette, Kapsel oder Saft geschluckt und über die Mund-, Magen- und Darmschleimhäute ins Blut aufgenommen. Über die Blutbahn gelangt das Medikament zu Organen, die es weiter verarbeiten, so dass es im Körper seine Wirkung entfalten kann. Nicht jedes Medikament kann allerdings über den Verdauungstrakt in die Blutbahn gelangen, so dass andere Verabreichungsformen angewandt werden müssen.

i.v.: "intravenös" bedeutet "in die Vene". Das heißt, das Medikament wird direkt über eine Vene oder einen venösen Verweilkatheter [zentraler Venenkatheter] in den Blutkreislauf gegeben. Für manche Medikamente gibt es aufgrund ihrer chemischen Struktur keine andere Verabreichungsform. Außerdem kann nach intravenöser Verabreichung schneller mit einer Wirkung gerechnet werden. Intravenöse Verabreichungen können als zügige Injektion über einen so genannten Bolus oder im Rahmen einer Kurz- oder Langzeit-Infusion erfolgen.

s.c.: "subcutan" bedeutet "unter die Haut". Das Medikament wird mit einer dünnen Kanüle unter die Haut injiziert.

i.m.: "intramuskulär" bedeutet "in den Muskel". Das Medikament wird mit einer dünnen Kanüle in einen Muskel (zum Beispiel in den Oberschenkelmuskel) injiziert.

i.th.: "intrathekal" bedeutet "in den Liquor-Raum". Das Medikament wird im Rahmen einer Lumbalpunktion in den Liquorraum injiziert.

i.ven.: "'intraventrikulär" bedeutet "in die Hirnkammer" [Hirnventrikel]. Das Medikament wird über ein Rickham-Reservoir oder Ommaya-Reservoir in eine der Hirnkammern verabreicht. Von dort aus verteilt es sich im Liquorraum.

Langzeitinfusionen sind zum Beispiel eine Möglichkeit, einen Tumor dauerhaft einem bestimmten Zytostatikum auszusetzen. Dagegen bewirkt man durch intravenöse oder perorale Medikamentengaben, die in gewissen Abständen erfolgen, dass sich die Konzentration des Medikaments in den verschiedenen Körperbereichen, in denen es wirkt, ständig ändert. Dadurch wiederum können Nebenwirkungen der Chemotherapie anders gesteuert werden.

Somit gibt es für verschiedene Krebserkrankungen unterschiedliche Erfahrungen bezüglich Dosierung und Verabreichungsformen von Zytostatika, die immer wieder an die individuelle Situation des Patienten angepasst werden müssen.