Was sind Zytostatika?

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Henze, Zuletzt geändert: 31.03.2015

Zytostatika sind pflanzliche und/oder chemisch hergestellte Substanzen, die Körperzellen vernichten und/oder deren Vermehrung verhindern beziehungsweise erheblich verzögern können.

Sie bewirken dies, indem sie auf unterschiedlichste Weise den Stoffwechsel dieser Zellen beeinflussen. Verschiedene Zellarten reagieren unterschiedlich empfindlich gegenüber Zytostatika, besonders sensibel sind Zellen, die sich häufig teilen.

Krebszellen können aufgrund ihrer hohen Teilungsraten und ihrer gestörten Wachstumskontrolle im Rahmen der Chemotherapie mit verschiedenen Zytostatika erfolgreich behandelt werden. Manche dieser Substanzen werden nicht nur bei der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt, sondern auch bei der Therapie anderer Erkrankungen (zum Beispiel Methotrexat bei Rheuma, Glukokortikoide bei verschiedenen Indikationen).

Fast alle Zytostatika werden aufgrund ihrer typischen Wirkmechanismen bestimmten Substanzgruppen zugeordnet, die über jeweils besondere Eigenschaften verfügen. Zu diesen Eigenschaften gehören beispielsweise die Art und Weise, wie die Substanzen in den Zellzyklus eingreifen (daraus ergeben sich entsprechende Anwendungsbereiche), ferner ihre Verstoffwechselung im Körper (Pharmakokinetik), ihre wirkungsvollste Verabreichungsform, ihre effektivste und gleichzeitig für das gesunde Gewebe schonendste Dosierung und ihre Nebenwirkungen.

Die einzelnen Substanzen einer solchen Gruppe unterscheiden sich in ihrem molekularen Aufbau oft nur durch geringfügige Abweichungen, die sich wiederum auf die chemischen Eigenschaften der Substanz auswirken. Manche Substanzen können aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften die Blut-Hirn-Schranke passieren und deshalb erfolgreich bei der Behandlung und Vorbeugung von ZNS-Tumoren oder anderen Krebserkrankungen mit Beteiligung des Zentralnervensystems(ZNS) eingesetzt werden.