Transplantationsphase (Tag 0)

Autor: Maria Yiallouros, erstellt am: 08.10.2013, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: PD Dr. med. S. Voigt, Zuletzt geändert: 01.08.2017

Die Stammzelltransplantation findet in der Regel ein bis zwei Tage nach der Beendigung der Konditionierungsbehandlung (Hochdosistherapie) statt. Der Vorgang an sich ähnelt einer Bluttransfusion und ist somit relativ unspektakulär: Der Empfänger erhält die Blutstammzellen durch eine Infusion in die Vene, meist über einen zentralen Venenkatheter (Hickman-Katheter). Ihren Weg in das Knochenmark finden die Stammzellen dann von allein.

Um eventuell auftretenden Komplikationen – zum Beispiel infolge einer Reaktion auf das Transplantat oder das darin (nach Kryokonservierung) enthaltene Konservierungsmittel – unverzüglich entgegenzuwirken, wird der Patient während und nach der Transplantation permanent mit Hilfe eines EKG-Monitors überwacht.

Je nachdem, welche Art der Transplantation stattfindet (autolog, allogen, HLA-kompatibel oder HLA-different), gibt es darüber hinaus gewisse Unterschiede bei der Vorbereitung des Stammzellpräparates und bei der eigentlichen Übertragung.

Allogene Stammzelltransplantation

Bei einer allogenen Stammzelltransplantation werden vorzugsweise frisch gewonnene Stammzellen übertragen. Das Blutstammprodukt wird unmittelbar vor der Transplantation in einer Lösung aufgeschwemmt, die den körpereigenen Flüssigkeiten ähnlich ist (physiologische Lösung). Anschließend lässt man das Transplantat über den Hickman-Katheter in den Blutkreislauf des Patienten tropfen. Dieser Vorgang dauert etwa zwei bis vier Stunden.

In bestimmten Situationen wird tiefgefrorenes, konserviertes Stammzellmaterial verwendet. Das gilt zum Beispiel prinzipiell für allogene Stammzellen, die aus Nabelschurblut stammen. Tiefgefrorene Stammzellpräparate müssen vor ihrer Übertragung aufgetaut und von dem enthaltenen Konservierungsmittel befreit werden. Anschließend wird das Transplantat zügig über den Hickman-Katheter gespritzt.

Unter Umständen muss das Stammzellpräparat vor der Gabe noch im Stammzell-Labor "bearbeitet" werden.

Wenn sich, zum Beispiel, die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger zu sehr unterscheiden, kann es nötig sein, dass vorab die Immunzellen (T-Lymphozyten) des Spenders aus dem Transplantat entfernt werden, damit diese nicht den Organismus des Empfängers angreifen. In diesem Fall werden auch die roten Blutkörperchen mit entfernt, so dass das Transplantat hinterher weiß aussieht und nur noch ein Volumen von etwa 50 ml umfasst.

Diese Restmenge des Transplantats wird dann in nur wenigen Minuten von Hand in den Hickman-Katheter gespritzt. Auch bei Unterschieden in der Blutgruppe (ABO-Blutgruppe) werden, wenn notwendig, die roten Blutkörperchen, das Blutplasma oder beides aus dem Transplantat entfernt.

Autologe Stammzelltransplantation

Für eine autologe Stammzelltransplantation wird immer tiefgefrorenes Stammzellmaterial verwendet. Das Stammzellpräparat wird mit einem speziellen Gerät direkt am Bett aufgetaut und infundiert. Es ist dann immer noch sehr kalt, was für den Patienten schmerzhaft sein kann. Auch Kreislaufbeschwerden sind möglich.

Der Patient erhält daher für die Dauer der Transfusion eine kurze Narkose oder eine tiefe Sedierung sowie bestimmte Medikamente. Das im Transplantat enthaltene Konservierungsmittel (Dimethylsulfoxid, DMSO) atmet der Patient über die Lunge ab, was mehrere Tage lang wegen des Geruchs unangenehm sein kann.

Gut zu wissen: Der Tag der Transplantation wird als Tag 0 bezeichnet, da das Leben an diesem Tag mit einem neuen, gesunden Immunsystem beginnt. Die Tage, die auf die Transplantation folgen, nennt man entsprechend Tag+1, Tag+2, Tag+3, usw.