Strahlentherapie

Autor: Dr. med. habil. Gesche Tallen, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Henze, Zuletzt geändert: 19.06.2019

Vor mehr als 100 Jahren, im Jahr 1895, entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen eine Strahlung, mit der man durch feste Gegenstände und auch durch lebende Organismen hindurchsehen konnte. Diese aufsehenerregende Beobachtung wurde nach ihrem Entdecker benannt und hat heute viele verschiedene Einsatzbereiche in der Diagnostik und Behandlung von Krebserkrankungen.

Die biologischen Auswirkungen der Röntgenstrahlung (und anderen Formen von ionisierender Strahlung) sind in jahrzehntelanger Forschung sorgfältig untersucht worden. Man kennt die Möglichkeiten ihrer „positiven“ Nutzung wie auch die unerwünschten Nebenwirkungen, die sie verursachen können. Im Laufe der technischen Entwicklung konnten die bei einer Strahlentherapie eingesetzten Bestrahlungsgeräte und Bestrahlungsformen in vielerlei Hinsicht verbessert werden, so dass heute viele schwere Nebenwirkungen vermieden werden können.

Grundsätzlich wird bei der Behandlung von Krebserkrankungen angestrebt, verschiedene Behandlungsformen (wie Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie) miteinander zu kombinieren, damit die Nebenwirkungen jeder einzelnen Behandlungsform möglichst geringgehalten werden können.

So kann beispielsweise eine Bestrahlung im Anschluss an eine Tumorverkleinerung durch Operation und/oder Chemotherapie mit geringerer Strahlendosis erfolgen und ein kleineres Bestrahlungsfeld betreffen als dies mit einer alleinigen Strahlentherapie möglich wäre.

Eine Strahlentherapie kann folgende Ziele haben:

  • vollständige Beseitigung von örtlich begrenzten soliden Tumoren [solider Tumor], die aufgrund ihrer Lage durch eine Operation nicht entfernbar und/oder nicht chemotherapieempfindlich sind. Voraussetzung ist allerdings, dass die Erkrankung sich im Frühstadium befindet und über den Blutweg noch keine Metastasen gebildet haben. Gegebenenfalls kann durch alleinige Strahlentherapie (Monotherapie) auch eine vollständige Tumorbeseitigung mit Vernichtung nahe gelegener Lymphknotenmetastasen angestrebt sein.
  • vollständige Tumorbeseitigung durch Kombination mit einer Operation und/oder Chemotherapie (Kombinationstherapie); Die Strahlentherapie kann dabei zeitgleich („simultan“) erfolgen, sie kann anderen Therapieformen aber auch vor- oder nachgeschaltet sein. Im ersteren Fall, also wenn die Strahlentherapie einer Operation und/oder Chemotherapie vorausgeht, sprechen die Ärzte von einer „neoadjuvanten“ Strahlentherapie; erfolgt die Strahlentherapie im Anschluss an andere Therapien, spricht man von "adjuvanter'' Strahlentherapie.
  • Verbesserung der Prognose bei Patienten mit erhöhtem Rückfallrisiko nach vorangegangener Tumorbeseitigung durch Operation und/oder Chemotherapie (adjuvante Strahlentherapie).

Durch eine alleinige, begleitende (adjuvante) oder kombinierte Behandlung wird zunächst die Heilung, das heißt die vollständige Vernichtung aller Krebszellen angestrebt. Eine solche kurative Behandlung ist heutzutage bei etwa 80 % der Kinder und Jugendlichen mit bösartigen Erkrankungen möglich [KAA2017].

In manchen Fällen muss sich die Therapie jedoch leider auf eine Wachstumsverzögerung des Tumors und die Linderung der tumorbedingten Beschwerden beschränken (Palliativtherapie).

Basisliteratur

  1. Timmermann B, Dieckmann K: Strahlentherapie. In: Niemeyer C, Eggert A. ed. Pädiatrische Hämatologie und Onkologie Springer; 2018, 199
  2. Gadner H, Gaedicke G, Niemeyer CH, Ritter J (Hrsg): Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Springer-Verlag 2006 [URI: http://www.springer.com/ medicine/ pediatrics/ book/ 978-3-540-03702-6]