Ersatz von Blutbestandteilen

Autor: Dipl.-Biol. Maria Yiallouros, erstellt am: 29.07.2009, Freigabe: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Henze, Zuletzt geändert: 26.10.2017

Bei Patienten mit einer Krebserkrankung kann es durch die Knochenmark schädigende Wirkung der Chemotherapie und/oder Strahlentherapie zu einem Mangel an roten Blutzellen (Anämie) oder Blutplättchen (Thrombozytopenie) kommen. Bei manchen Patienten müssen die fehlenden Blutzellen durch eine Übertragung (Transfusion) entsprechender Blutzellkonzentrate ersetzt werden.

Transfusion von Erythrozytenkonzentraten (Ek)

Die Feststellung einer Anämie erfolgt in der Regel über die Bestimmung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin (abgekürzt: Hb), der in den roten Blutzellen enthalten ist. Viele Kinder haben während der Behandlungszeit verminderte "Hb-Werte", das heißt, ein im Vergleich zu den altersentsprechenden Normwerten vermindertes Hämoglobin.

Treten gleichzeitig Zeichen von Anämie auf, zum Beispiel Hautblässe, Müdigkeit, Schwäche, Luftnot, Leistungsminderung, Rücken- oder Kopfschmerzen, kann unter Umständen ein Ersatz fehlender roter Blutzellen durch Transfusion von Erythrozytenkonzentraten (abgekürzt: Ek) erforderlich sein, um den Patienten zu stabilisieren.

Die folgende Tabelle zeigt die Hämoglobinwerte (Hb-Wert) und Hämatokrit-Werte (Hk-Wert), die für ein bestimmtes Kindes- und Jugendalter als normal gelten. Bei Kindern jenseits des Säuglingsalters liegen der Hb-Wert normalerweise zwischen 10 und 16g/dl und der Hk-Wert zwischen 30 und 49 % (siehe auch Tabelle).

Altersentsprechende Normwerte für Hämoglobin und Hämatokrit (Quelle: Laborlexikon)

Alter

Hämoglobin (Hb) g/dl

Hämatokrit (Hk) in %

1 Jahr

10,7 - 13,1

33 - 40

2 – 6 Jahre

10,8 - 14,3

34 - 41

7 – 12 Jahre

11,3 - 14,9

37 - 43

13 – 17 Jahre weiblich

12,0 - 16,0

36 - 44

13 – 17 Jahre

14,0 - 18,0

39 - 47

(Quelle: Laborlexikon)
Bitte beachten Sie, dass die Normwerte für Hämoglobin und Hämatokrit je nach Quelle der Daten leicht variieren können.

Niedrigere Hb-Werte von etwa 7-8 g/dl können meist toleriert werden. Fällt der Wert weiter ab, muss in aller Regel eine Übertragung von Erythrozytenkonzentrat erfolgen. Allerdings: Viele Einflussfaktoren tragen zur Entscheidung über die Notwendigkeit einer Transfusion bei, die Situation ist also bei jedem Patienten anders! Vergleiche mit anderen Kindern der Station lassen sich daher nicht anstellen.

Vor der Transfusion von Erythrozytenkonzentraten muss der Arzt mit Hilfe einer einfachen labortechnischen Methode (Kreuzprobe) sicherstellen, dass die Blutgruppe des Empfängers mit der des Spenders übereinstimmt.

Transfusion von Thrombozytenkonzentraten (Tk)

Blutplättchen (Thrombozyten) sind für die Blutstillung verantwortlich. Ein starker Abfall der Thrombozytenzahl (so genannte Thrombozytopenie) bedeutet Blutungsgefährdung. Eine Thrombozytopenie liegt vor, wenn die Zahl der Blutplättchen unter 150.000 pro Mikroliter liegt. (Dies ist zum Beispiel relativ häufig bei Leukämie-Patienten der Fall.)

Hinweise auf eine erhöhte Blutungsgefährdung durch mangelnde Blutplättchenzahl sind kleine punktförmige Haut- oder Schleimhautblutungen, die allerdings erst bei Thrombozytenwerten unter 30.000 pro Mikroliter Blut sichtbar werden.

Sinkt die Zahl der Thrombozyten auf weniger als 20.000 pro Mikroliter Blut, ist abzuwägen, ob die fehlenden Thrombozyten durch eine Transfusion von Thrombozytenkonzentrat (abgekürzt: Tk) ersetzt werden sollten. Kommt es durch den Mangel an Thrombozyten zu stärkeren Blutungen (zum Beispiel Magen-Darm-Blutungen, Hautblutungen), ist eine solche Transfusion auf jeden Fall erforderlich.

Thrombozytentransfusionen werden häufig auch vorbeugend gegeben, zum Beispiel wenn die Zahl der Thrombozyten unter einen bestimmten Schwellenwert (10.000 pro Mikroliter) fällt.