Schmerzbehandlung

Autor: Dipl.-Biol. Maria Yiallouros, erstellt am: 29.07.2009, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Günter Henze, Zuletzt geändert: 21.05.2014

Nahezu alle krebskranken Kinder leiden durch Krankheit und/oder Therapie unter Schmerzen; wie stark diese sind und wie lange sie andauern, ist allerdings je nach Situation verschieden.

Wann können Schmerzen auftreten?

Schmerzen (zum Beispiel Kopfschmerzen) können ein Krankheitszeichen sein. Schmerzen entstehen jedoch auch bei der Therapie, sei es durch bestimmte diagnostische und therapeutische Maßnahmen (wie Knochenmarkpunktion oder Lumbalpunktion), sei es durch Nebenwirkungen der Chemotherapie oder Strahlentherapie (zum Beispiel im Zusammenhang mit Schleimhautentzündungen, Strahlenreaktionen und Infektionen). Aber auch nach einer erfolgreichen Krebstherapie können Kinder und Jugendliche an Schmerzen als Spätfolge einer Krebserkrankung oder -therapie leiden.

Schmerzen sind also ein zentrales Problem bei einer Krebserkrankung.

Wie wird die Stärke von Schmerzen bestimmt?

Die Einschätzung von Schmerz kann sowohl für den Patienten als auch für seine Angehörigen und das Behandlungsteam recht schwierig sein, sie ist jedoch die Voraussetzung für eine erfolgreiche Schmerztherapie. Um den Schmerz bei Kindern beurteilen zu können, werden daher verschiedene, auf das Alter des Patienten abgestimmte Messmethoden eingesetzt:

Säuglinge und Kleinkinder beispielsweise können Schmerz nicht angeben, sie zeigen aber unter anderem bestimmte Verhaltensauffälligkeiten (zum Beispiel Schreien/Weinen, Unruhe, Schlafstörungen, Grimassieren, weniger Essen oder Spielen), mit deren Hilfe eine Schmerzbeurteilung erfolgen kann.

Bei älteren Kindern ist es möglich, Ort und Art des Schmerzes und die Häufigkeit seines Auftretens zu erfragen. Als wertvolle Hilfe haben sich dabei so genannte Schmerzfragebögen erwiesen, mit deren Hilfe Kinder, Jugendliche und/oder deren Eltern die Schwere der Beschwerden anhand spezieller Schmerzskalen selbst charakterisieren können.

Wie werden Schmerzen in der Kinderkrebsheilkunde behandelt?

Die Art der Schmerzbehandlung ist je nach Situation verschieden: Sowohl medikamentöse als auch nichtmedikamentöse Maßnahmen spielen eine Rolle.

Medikamentöse Schmerztherapie

Zu den medikamentösen Therapieverfahren gehört der Einsatz von Schmerzmitteln (Analgetika); sie werden in Tablettenform oder intravenös verabreicht. Die Wahl der Schmerzmittel richtet sich nach der Art, Ursache und Schwere der Schmerzen. Bisweilen reichen bereits Schmerzmittel, wie sie beispielsweise bei Kopf- oder Zahnschmerzen verwendet werden (zum Beispiel Paracetamol), oft sind aber stärkere Medikamente notwendig, zum Beispiel um die zum Teil erheblichen Therapienebenwirkungen an den Mundschleimhäuten zu behandeln.

Bei starken Schmerzen müssen – meist kurz- oder mittelfristig – Opiate wie beispielsweise Morphin eingesetzt werden. Dabei wird versucht, der Entwicklung einer körperlichen (physischen) Abhängigkeit vorzubeugen, indem man intravenöse Schmerzpumpen einsetzt. Mit Hilfe solcher Schmerzpumpen kann sich der Patient per Knopfdruck selbst sein Schmerzmittel verabreichen. Allerdings dürfen die Geräte hinsichtlich Dosis und Häufigkeit der Gabe nur von speziell dafür bemächtigten Ärzten programmiert werden, so dass Dosis und Verabreichungshäufigkeit jeweils begrenzt sind und gleichzeitig der Bedarf des Patienten kontrolliert wird. Jedes Kind erhält eine auf seine Situation und Erkrankung abgestimmte individuelle Behandlung und Medikamentendosierung. Ziel ist dabei vor allem, dass das Kind schmerzfrei ist.

Bei Punktionen zur Knochenmarkgewinnung, die von den Kindern oft als schmerzhaft empfunden werden, hat es sich bewährt, Kurznarkosen [Narkose] durchzuführen. Auf diese Weise können den Kindern Angst, Stress und Schmerz erspart werden.

Sonstige Methoden der Schmerzbekämpfung

Ergänzend zur medikamentösen Schmerztherapie werden auch verschiedene nichtmedikamentöse Techniken zur Schmerzreduktion eingesetzt. Dazu gehören unter anderem:

  • verhaltenstherapeutische Maßnahmen (zum Beispiel Atemtechniken, progressive Muskelentspannung)
  • kognitive Methoden (zum Beispiel Ablenkung vom Schmerz durch Musik oder Spiel; Hypnose; Beeinflussung durch Trost und Unterstützung)
  • physikalische Methoden (zum Beispiel Berührungen wie Streicheln, Halten, Massieren, Wiegen). Die Anwesenheit vertrauter Personen spielt bei der Schmerzreduktion eine wichtige Rolle.

Die nichtmedikamentösen Therapieverfahren gehören bei krebskranken Kindern während des gesamten Behandlungsablaufs zum festen Bestandteil des Behandlungskonzepts.

Basisliteratur

  1. Zernikow B: Schmerztherapie in der Kinderhämatonkologie, in Zernikow B: Schmerztherapie bei Kindern. Springer Medizin Verlag Heidelberg 3. Aufl. 2005, 217 [ISBN: 3-540-23728-3
  2. Zernikow B: STOP dem Schmerz – Schmerz-Therapie in der Onkologischen Pädiatrie (STOP) – Ergebnisse eines bundesweiten Qualitätsmanagement-Programms. WIR Informationsschrift der Aktion für krebskranke Kinder e.V. (Bonn) 2004, 4: 19 [URI: http://www.kinderkrebsstiftung.de/ fileadmin/ KKS/ files/ zeitschriftWIR/ 2004_4/ stopdenSchmerz.pdf]