Was ist Krebs?

Autor: Dr. med. habil. Gesche Tallen, erstellt 11.12.2003, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Dr. h. c. Günter Henze, Zuletzt geändert: 24.10.2018

Krebs ist eine Erkrankung, die durch die Entartung und die unkontrollierte Vermehrung einer Körperzelle entsteht. Normale Körperzellen verfügen über eine gesunde innere Uhr. Diese innere Uhr regelt zum Beispiel den Zeitpunkt der Teilung, das Wachstum und die Ausreifung, die Alterung und/oder das Sterben einer Zelle. Sie kontrolliert all die normalen Vorgänge, die die Lebensphasen einer Zelle – den so genannten Zellzyklus – steuern. In der Krebszelle ist dieser Regelmechanismus gestört.

Theoretisch kann jede Körperzelle entarten und so zu einer Krebszelle werden. Demnach gibt es sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen viele verschiedene Krebserkrankungen. Abhängig von der Zellart und davon, welche und wieviele Körperorgane befallen sind, äußern sie sich durch unterschiedliche Krankheitszeichen. Die verschiedenen Erkrankungen bedürfen einer unterschiedlichen Behandlung, und auch die Heilungschancen sind unterschiedlich. Bei manchen Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter geht man davon aus, dass die Entartung der ersten Zelle bereits vor der Geburt stattgefunden hat.

Gut zu wissen: Krebserkrankungen bei jungen Menschen vor dem 20. Lebensjahr sind in Europa selten. Sie machen nur einen Prozent aller Erkrankungen aus, die im Kindes- und Jugendalter vorkommen.

Krebs kann in Form einer Leukämie oder eines Lymphoms auftreten und somit das blutbildende System im Knochenmark oder das Lymphsystem (zum Beispiel Milz, Lymphknoten) betreffen. Da die Erkrankung in diesen Fällen den gesamten Körper betrifft, sprechen die Fachleute auch von Systemerkrankungen (oder systemischen Erkrankungen).

Krebs kann aber auch als solider Tumor in inneren Organen entstehen. Je nachdem, aus welcher Art von Gewebe er entstanden ist, bezeichnet man ihn als Sarkom (aus entartetem Nerven-, Binde- oder Stützgewebe, zum Beispiel Knochen, Knorpel, Muskel) oder als Karzinom (entartete Zellen von Organwänden oder Drüsen). Im Kindes- und Jugendalter relativ häufig sind darüber hinaus embryonale Tumoren, die als Blastome bezeichnet werden. Diese Tumore entstehen während der Entwicklung von Geweben oder Organen aus Zellen, die unreif oder kaum ausgereift (undifferenziert) sind. Aus diesem Grund lässt sich auch das Tumorgewebe keinem bestimmten Gewebetyp zuordnen.

Typisch für Krebszellen ist, dass sie sich unkontrolliert und schnell vermehren, unabhängig davon, welcher Zelltyp oder welche Gewebeart ihnen zugrunde liegt. Dabei vererben sie oft Informationen an ihre Tochterzellen, die für den gesunden Organismus schädlich sind. Sie können meist ihre eigentliche Zellfunktion nicht ausüben. Stattdessen dringen sie in gesundes Gewebe ein und/oder verdrängen es, sie beeinträchtigen es in seiner normalen Funktion und zerstören es.

Darüber hinaus können Krebszellen von ihrem Ursprungsort aus über das Blut- und/oder Lymphsystem innerhalb des ganzen Körpers verschleppt werden und so Tochterabsiedlungen (Metastasen) bilden. Bereits zum Zeitpunkt der Diagnosestellung einer Krebserkrankung muss deshalb davon ausgegangen werden, dass schon viele kleinste Tochterabsiedlungen (Mikro-Metastasen) vorhanden sind, auch wenn sie mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden selten nachgewiesen werden können.

Die Behandlung des sichtbaren Tumors ist demnach in der Regel nicht ausreichend. Man muss von Anfang an auch die noch nicht sichtbaren Metastasen mitbehandeln, also eine systemische Behandlung durchführen. Denn eine Krebserkrankung, egal, aus welcher Ursprungszelle sie entstanden ist, betrifft fast immer den gesamten Organismus.

Wegen dieser vielen aggressiven, den gesamten Körper schädigenden und damit lebensbedrohlichen Eigenschaften nennt man eine Krebserkrankung auch bösartige oder maligne Erkrankung.