Was sind die Zeichen einer Krebserkrankung?

Autor: Dr. med. habil. Gesche Tallen, erstellt 11.12.2003, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Dr. h. c. Günter Henze, Zuletzt geändert: 24.10.2018

Krebs bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen ist schwierig. Denn Krebs kommt zunächst ganz harmlos daher: Als blauer Fleck, als Fieber, als Kopfschmerz. Dennoch sollte niemals gezögert werden, den Kinderarzt aufzusuchen.

Die Diagnose "Krebs" muss dann ernsthaft in Erwägung gezogen werden, wenn bei einem Kind oder Jugendlichen bestimmte Krankheitszeichen fortbestehen. Wenn diese zum Beispiel länger als eine gewöhnliche Erkältung dauern, oder wenn Krankheitszeichen zunehmen, sollte man aufmerksam werden und unbedingt eine Untersuchung beim Kinderarzt veranlassen.

Grundsätzlich unterscheidet man bei einer bösartigen Erkrankung zwischen allgemeinen Krankheitszeichen (Allgemeinsymptome) und so genannten örtlichen Krankheitszeichen (Lokalsymptome).

Allgemeine Krankheitszeichen

Allgemeine Krankheitszeichen entstehen bei einer Krebserkrankung dadurch, dass der erkrankte Organismus mit all seinen Mitteln versucht, die sich vermehrenden Krebszellen zu bekämpfen und zu töten. Alles läuft wie auf Hochtouren und verbraucht entsprechend viel Energie und Kraft, die sich nach und nach erschöpfen.

Zu den allgemeinen Krankheitszeichen gehören zum Beispiel:

  • Fieber
  • Blässe
  • allgemeine Mattigkeit, Spielunlust, Konzentrationsschwäche
  • Wachstums- und Entwicklungsverzögerungen
  • Gewichtsverlust

Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes Kind mit Fieber und Mattigkeit an Krebs erkrankt ist! Man muss aber wie gesagt an diese Möglichkeit denken, wenn solche Krankheitszeichen ohne einen eindeutig erkennbaren Grund über längere Zeit bestehen.

Örtliche Krankheitszeichen (Lokalsymptome)

Lokalsymptome entstehen im Bereich des betroffenen Organs durch die örtlich zunehmende Raum fordernde Wirkung der sich immer wieder teilenden Krebszellen. Dies gilt besonders dann, wenn sie als solide Tumoren in das gesunde Gewebe der betroffenen Organe einwachsen und/oder es verdrängen und dadurch deren normale Tätigkeit und Aufgaben beeinträchtigen oder sogar ganz ausschalten.

Unter Lokalsymptomen versteht man zum Beispiel:

  • örtliche Schwellungen und Schmerzen (zum Beispiel Lymphknotenschwellungen bei Lymphomen, Zunahme des Bauchumfangs beim Wilms-Tumor, Kopfschmerzen beim Hirntumor)
  • Sehstörungen (zum Beispiel beim Retinoblastom)
  • Bewusstseinsstörungen, Lähmungen, Krampfanfälle (zum Beispiel bei bestimmten Hirntumoren)
  • Knochenschmerzen durch Knochenmarkbefall (zum Beispiel bei Leukämien)

Manche Krebszellen können Stoffe produzieren, die Einfluss auf die Funktion verschiedener Organe haben. Sie können deren normalen Arbeitsrhythmus durcheinanderbringen und zu unterschiedlichen Krankheitszeichen führen. Das Neuroblastom zum Beispiel bildet so genannte Katecholamine, die zu Blutdruckschwankungen führen können.

Manche Krebszellen produzieren typische Stoffe – so genannte Tumormarker – die sie dann in den Blutkreislauf abgeben. Die Bestimmung dieser Tumormarker gibt Information über das Vorliegen einer Krebserkrankung. Auch der Verlauf der Erkrankung, also ihr Ansprechen auf die Therapie und/oder die Prognose können anhand eines solchen Tumormarkers bestimmt werden. Tumormarker sind zum Beispiel das Alpha-1-Fetoprotein beim Hepatoblastom oder das Beta-HCG bei manchen Keimzelltumoren.

Wie weist man Krebs nach?

Es gibt verschiedene Arten von Krebserkrankungen. Abhängig von der Art der Krebserkrankung und den durch sie verursachten typischen Krankheitszeichen sind zu ihrer Diagnosestellung unterschiedliche Untersuchungsmethoden notwendig.

Allem voran geht eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte, die Anamnese. Es folgt dann eine sorgfältige körperliche Untersuchung durch den Haus- oder Kinderarzt, später dann durch die Ärzte, die ihren Arbeitsbereich auf die Behandlung krebskranker Kinder und Jugendlicher spezialisiert haben (zum Beispiel Kinderonkologen, Kinderchirurgen, Anästhesisten, Neurochirurgen).

Eine Früherkennung wie bei Krebserkrankungen im Erwachsenenalter spielt bei Kindern und Jugendlichen nur eine untergeordnete Rolle. Der Grund dafür liegt in dem meist raschen Fortschreiten der Erkrankung.