Impfungen

Autor: Maria Yiallouros, erstellt am: 02.08.2007, Redaktion: Prof. Dr. med. Ursula Creutzig, Zuletzt geändert: 14.05.2020

Nach einer Chemotherapie muss damit gerechnet werden, dass ein früherer Impfschutz nicht mehr besteht. Das Gleiche gilt in besonderem Maße auch für eine Hochdosis-Chemotherapie, wie sie im Rahmen der Kondtionierungsbehandlung (mit oder ohne Strahlentherapie) vor einer Stammzelltransplantation stattfindet. Denn durch die Konditionierung wird das Immunsystem des Patienten in aller Regel vollständig zerstört, auch eine bereits bestehende Immunität geht verloren.

Mit der Wiederaufnahme von Impfungen nach Abschluss der Behandlung sollte allerdings noch einige Zeit gewartet werden, um den Patienten nicht zu gefährden. Der Zeitpunkt der Impfung sollte so gewählt sein, dass einerseits der Immunschutz so frühzeitig wie möglich wiederhergestellt wird, andererseits die Impfung sicher und erfolgreich verläuft. Letzteres ist erst dann gegeben, wenn sich die durch die Therapie beeinträchtigten Immunzellen wieder erholt haben, so dass eine gute Immunantwort im Rahmen der Impfung erzielt werden kann.

Der jeweils geeignete Zeitpunkt einer Impfung hängt somit von der Art der Behandlung und vom Gesundheitszustand des Patienten ab. Eine wesentliche Rolle spielt auch die Art des einzusetzenden Impfstoffes: Es gibt Totimpfstoffe, die aus abgetöteten, nicht mehr vermehrungsfähigen Krankheitserregern bestehen, und Lebendimpfstoffe aus noch vermehrungsfähigen, aber abgeschwächten Erregern.

  • Nach einer Chemotherapie empfehlen die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH), die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Hämatologie und Infektiologie (DGPI) und die Ständige Impfkommission (StIKO) für Impfungen mit Totimpfstoffen derzeit eine Wartezeit von drei bis sechs Monaten, für Impfungen mit Lebendimpfstoffen eine Wartezeit von mindestens sechs Monaten.
  • Nach einer Stammzelltransplantation (autolog und allogen) werden andere Zeitintervalle empfohlen: Eine Impfung mit Totimpfstoffen sollte frühestens sechs Monate nach Behandlung, eine Impfung mit Lebendimpfstoffen frühestens 24 Monate nach Behandlung erfolgen. Nach autologer Stammzelltransplantation werden Lebendimpfstoffe zum Teil früher eingesetzt. Genauere Informationen zur Impfung nach Stammzelltransplantation können Sie direkt vom Transplantationsteam eingeholen.
  • Nach Behandlung mit neuen Substanzgruppen (wie Antikörpern, Tyrosinkinasehemmern oder Checkpoint-Inhibitoren) gelten spezifische Empfehlungen.

Informationsquellen

In den folgenden Veröffentlichungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut Berlin können Sie sich über die aktuellen Impfempfehlungen in der Kinderonkologie und allgemein zum Thema Impfung informieren.

Impfen bei Immundefizienz - Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen (I) Grundlagenpapier
Autoren: T. Niehues, C. Bogdan, J. Hecht, T. Mertens, M. Wiese-Posselt, F. Zepp
Bundesgesundheitsblatt 2017, 60: 674-684
Impfen bei Immundefizienz - Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (III) Impfen bei hämatologischen und onkologischen Erkrankungen (antineoplastische Therapie, Stammzelltransplantation), Organtransplantation und Asplenie
Autoren: H-J. Laws, U. Baumann, C. Bogdan et al.
Quelle: Bundesgesundheitsblatt 2020: 63: 588-644
Empfehlungen der Ständigen Impfkommission - Robert Koch-Institut Berlin
Auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts Berlin erhalten Sie weitere Informationen zur Ständigen Impfkommission (STIKA) und deren Empfehlungen.