Hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSZT)

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 25.01.2016, Redaktion: Julia Dobke, Freigabe: Prof. Dr. med. U. Creutzig, Zuletzt geändert: 29.04.2016

Die erste erfolgreiche Knochenmarktransplantation (KMT) fand im Jahre 1975 statt. Die Bezeichnung hat sich von KMT zu hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSZT) geändert. Diese Therapieform hat nicht nur bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankungen, sondern auch bei Patienten mit schweren Blut- oder Immunkrankheiten stark an Bedeutung gewonnen. Bei Hochrisiko-Patienten, zum Beispiel mit manchen Leukämieformen, ist die HSZT eine häufig angewandte Therapieform. Sie trägt bei den meisten dieser Patienten entscheidend zu deren Überlebenschancen bei.

Einer HSZT geht immer eine so genannte Konditionierungsbehandlung voraus. Bei bösartigen Erkrankungen handelt es sich dabei in der Regel um eine Behandlung mit hochdosierten Zytostatika und/oder einer Ganzkörperbestrahlung. Detaillierte Informationen zur Konditionierung bei HSZT finden sich hier.

Neben den zuvor beschriebenen zellschädigenden Wirkungen von Chemo- und Strahlentherapie (siehe oben) geht man bei HSZT-Patienten davon aus, dass die relativ lange Zeit der herabgesetzten körpereigenen Abwehr die Entstehung von SMN zusätzlich entscheidend begünstigt. Daten zu großen Gruppen ehemaliger Patienten nach einer HSZT zeigen, dass die Überlebenden gegenüber der Normalbevölkerung insgesamt ein etwa achtfach erhöhtes Risiko haben, irgendwann eine (neue) Krebserkrankung zu entwickeln. Dieses Risiko wird durch folgende Faktoren weiter gesteigert:

  • Junges Alter zum Zeitpunkt der Konditionierung, Insbesondere der Ganzkörperbestrahlung (< 10. Lebensjahr)
  • Konditionierungs-Chemotherapie mit Alkylantien (insbesondere mit Busulfan und Cyclophosphamid (siehe Chmeotherapie)
  • Bereits vor der Konditionierung erfolgte Strahlentherapie (siehe Strahlentherapie)
  • Transplantat-gegen-Wirt-Krankheit (Graft-versus-host-desease, GvHD) und deren Therapie (zum Beispiel Immunsuppression mit Azathioprin, besonders in Kombination mit Cyclosporin)

Die Dosis der Ganzkörperbestrahlung scheint hingegen keinen entscheidenden Einfluss auf das SMN-Risiko zu haben.

Typische SMN nach HSZT sind:

  • t-AML (insbesondere nach Konditionierung mit Alkylantien; siehe oben/Chemotherapie)
  • Lymphome ("Post-Transplant Lymphoproliferative Disorder (PTLD)" - insbesondere bei ehemaligen Leukämiepatienten nach HSZT)
  • Hautkrebs, Schleimhautkrebs (Mundhöhlenkarzinome) und andere solide Tumoren (insbesondere im Zusammenhang mit GvHD).

Wichtig zu wissen: In den letzten Jahren werden bei Kindern und Jugendlichen vor einer HSZT zunehmend weniger intensive Konditionierungsbehandlungen durchgeführt. Dadurch soll das Risiko für Spätfolgen, darunter auch SMN, stetig verringert werden. In einer aktuellen Studie für Patienten mit einer akuten lymphoblastischen Leukämie im Knochenmark wird geprüft, ob auf die Ganzkörperbestrahlung verzichtet werden kann.