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Übersicht zu Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

Autor: Gesche Tallen, MD, PhD, erstellt am: 26.05.2010, Freigabe: Prof. Dr. med. U. Creutzig, Zuletzt geändert: 18.02.2013

Krebs bei Kindern und Jugendlichen macht zwar insgesamt nur 1% aller Erkrankungen beim Menschen aus, ist aber dennoch die häufigste tödliche Erkrankung und die zweithäufigste Todesursache bei Europäischen Kindern nach dem ersten Lebensjahr. In Europa wird jährlich bei 15.000 Kindern und Jugendlichen eine Krebskrankheit diagnostiziert.

Häufigkeitsverteilung von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland.
Abkürzungen: LCH - Langerhanszell-Histiozytose, ZNS - zentrales Nervensystem;
Quelle: Deutsches Kinderkrebsregister.

Die häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind Leukämien (34%), ZNS-Tumoren (20%) und Lymphome (13%).

Ob als niedergelassene Kinderärzte mit der Verdachtsdiagnose "Krebs" bei einem jungen Patienten, als Hausärzte mit den Anliegen von Langzeitüberlebenden einer Krebserkrankung im Kindes- oder Jugendalter, als Krebsforscher mit den wissenschaftlichen und politischen Herausforderungen, die sich derzeit der Kinderonkologie in Europa stellen oder als Behandlungsteam während der intensiven Therapie eines krebskranken Kindes oder Jugendlichen in der Klinik: Krebs bei Kindern und Jugendlichen geht uns alle etwas an!

Eine tödliche Erkrankung ist heilbar geworden

Bis Ende der 60-er Jahre kam die Aussage "Ihr Kind hat Krebs" einem Todesurteil gleich, denn die durchschnittlichen Überlebensraten lagen damals unter 20%. Diese ungünstige Prognose konnte in den letzten 40 Jahren deutlich verbessert werden: In den Industrienationen überleben heute 70-80% aller Kinder und Jugendlichen mit Krebserkrankungen.

Anstieg der 2-Jahres- (bis 1970) und 5-Jahres-Überlebensraten von krebskranken Kindern und Jugendlichen in Deutschland seit 1940.
Quelle: Deutsches Kinderkrebsregister, Kompetenznetz Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (KPOH).

Dank privater und öffentlicher Spendengelder konnte der kontinuierliche Fortschritt in der Grundlagen- und klinischen Forschung, begleitet von technischen Neuerungen, zu einer schrittweisen Verbesserung der Heilungsaussichten umgesetzt werden. Entscheidend dafür war der Zusammenschluss von Kinderonkologen in zahlreichen nationalen und internationalen Fachgesellschaften, wie beispielsweise anfangs der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Leukämieforschung (DAL) und der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie (GPO), die sich später zur Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) zusammengeschlossen haben, sowie der (Internationalen) Berlin-Frankfurt-Münster-Studiengruppe (I-BFM-SG) und der Internationalen Gesellschaft für Kinderonkologie (SIOP).

 

Erfolgsgeschichte durch Therapiestudien und Forschungsnetzwerke

Unter dem Dach von I-BFM und SIOP-Europa (SIOPE) und überwiegend gemeinsam mit der GPOH werden mittlerweile europaweit in über 250 spezialisierten Behandlungszentren fast alle Kinder und Jugendliche mit bösartigen Erkrankungen im Rahmen von Studien behandelt, die der Therapieoptimierung dienen, und durch die Diagnostik und Behandlung nach dem besten Stand des Wissens und auf der Grundlage der Erkenntnis vorangegangener Studien zu verbessern. Es geht hierbei nicht um die Zulassung von neuen Medikamenten, wie es bei den Studien der Pharmaindustrie der Fall ist. Die Kinderonkologie ist ein Beispiel dafür, wie durch konsequente Erfassung aller Erkrankungen und einem einheitlichen, multizentrischen, evidenzbasierten Vorgehen Erfahrung in der Therapieoptimierung gewonnen werden kann, und dadurch die Prognose verbessert und Nebenwirkungen verringert werden können.

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