Zweitkrebserkrankungen

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 10.02.2016, Redaktion: Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 10.05.2016

Chemotherapie und Strahlentherapie können das Erbgut gesunder Zellen schädigen. Deshalb haben Überlebende einer ZNS-Tumorerkrankung gegenüber der Normalbevölkerung ein erhöhtes Risiko, noch viele (das heißt, mehr als zehn) Jahre nach Ende der Behandlungen eine neue, andere Krebserkrankung zu entwickeln. Dieses Risiko ist wiederum abhängig von individuellen Faktoren, insbesondere der Art und der Intensität der Krebstherapie, die sie damals erhalten haben [KAA2009] [KAA2009a] [NEG2006] [ZHU2015].

Risikofaktoren

Ein erhöhtes Risiko für Zweitkrebserkrankungen haben ehemalige Patienten:

  • nach Chemotherapie mit hoch dosierten Alkylantien (wie Cyclophosphamid, Ifosfamid, Temozolomid), Epipodophyllotoxinen (zum Beispiel Etoposid), Platinsubstanzen (Cisplatin, Carboplatin) oder Anthrazyklinen (wie Doxorubicin)
  • nach Schädel- und oder Wirbelsäulenbestrahlung (dosisabhängig)
  • mit erblichem Krebssyndrom (zum Beispiel Neurofibromatose, Von-Hippel-Lindau-Syndrom, Li-Fraumeni-Syndrom)
  • mit Alkohol- und/oder Nikotinmissbrauch

Bei Überlebenden, die eine Chemotherapie mit einer oder mehreren der oben genannten Substanzen sowie eine Strahlentherapie erhalten haben, ist das Risiko für eine Zweitkrebserkrankung höher als bei ehemaligen Patienten, die nur chemo- beziehungsweise nur strahlentherapiert wurden.

Beschwerden und Komplikationen

Bei den Zweitkrebserkrankungen nach einer ZNS-Tumortherapie kann es sich entweder um neue ZNS-Tumoren handeln, das heißt solche, die sich von der vorherigen ZNS-Tumorerkrankung unterscheiden, oder um bösartige Erkrankungen ganz anderen Ursprungs (zum Beispiel Schilddrüsenkarzinome, Hauttumoren, Lymphome, Osteosarkome).

Die Beschwerden hängen somit von der Art der jeweiligen Zweitkrebserkrankung ab sowie der Lage und Ausdehnung des Tumors. Weitere Informationen dazu finden Sie bei den jeweiligen Erkrankungen im Kapitel „Symptome“.

Wichtige Nachsorgeuntersuchungen

In den Therapieprotokollen sind bis zu zehn Jahre nach Therapieende regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Zweitkrebserkrankungen vorgesehen. Nehmen Sie diese Kontrolluntersuchungen unbedingt wahr! Im Anschluss an die ersten zehn Jahre nach Therapieende sollten diese Vorsorgeuntersuchungen entsprechend der individuellen Risikosituation eines ehemaligen Patienten vom nachsorgenden Hausarzt fortgeführt werden.

Förderung / Behandlung

Die Behandlungen richten sich jeweils nach der Art der Zweitkrebserkrankung.

Anmerkung: Weitere, allgemeine Informationen zu Zweitkrebserkrankungen finden Sie hier.