Krankheitsverläufe: Wie kann ein Neuroblastom verlaufen?

Autor: Maria Yiallouros, erstellt am: 17.10.2011, Zuletzt geändert: 05.11.2019

Der Krankheitsverlauf eines Neuroblastoms ist individuell verschieden, bedingt vor allem durch das Wachstumsverhalten des Tumors und das Maß seiner Ausbreitung (Krankheitsstadium) zum Zeitpunkt der Diagnose. So kann ein Neuroblastom bei Diagnosestellung auf seinen Ursprungsort begrenzt sein, es kann aber auch bereits Gewebe und Lymphknoten in der Umgebung befallen oder sich in weiter entfernten Organen angesiedelt haben. Eine Besonderheit der Neuroblastome ist, dass sie spontan zu gutartigen Tumoren ausreifen können (so genannte Differenzierung) oder sich spontan zurückbilden können (spontane Regression).

Tumorwachstum und Metastasierung

Vor allem bei Kindern jenseits des ersten Lebensjahres wachsen Neuroblastome oft rasch und ungehemmt und verbreiten sich – meist über das Blutsystem, manchmal aber auch über das Lymphsystem [lymphatisches System] – im gesamten Körper. Es bilden sich Tochtergeschwülste (Metastasen), vorwiegend in Knochenmark (bei circa 86 % der Patienten), Knochen (62 %), entfernten Lymphknoten (19 %) und Leber (17 %), seltener in Gehirn (9 %), Haut (2 %) und Lunge (1 %) (Krankheitsstadium 4) [EGG2018a] [SIM2019].

Tumorausreifung (Differenzierung)

Manche Neuroblastome können – entweder spontan oder infolge einer Chemotherapie – reife und somit weniger bösartige Tumorzellanteile entwickeln. Man bezeichnet diesen Prozess als Tumorausreifung oder Differenzierung. Die entsprechenden Tumoren werden "Ganglioneuroblastome" genannt. Sie enthalten zwar noch immer bösartige Zellen, wachsen aber entschieden langsamer als die rein bösartigen Neuroblastome. Eine solche spontane Tumorausreifung wird gelegentlich bei Patienten nach dem ersten Lebensjahr beobachtet. Vollständig ausgereifte Ganglioneurome findet man meist erst nach den vierten Lebensjahr oder im Erwachsenenalter [BRO1993] [EGG2018a].

Tumorrückbildung (spontane Regression)

Es gibt eine hohe Anzahl von Neuroblastomen, die sich spontan zurückbilden (Tumor-Regression). Die Tumorzellen sterben dabei durch eine Art selbstausgelösten Zelltod ab, ein Vorgang, den die Wissenschaftler "Apoptose" nennen.

Die spontane Tumor-Rückbildung wird vor allem und nahezu regelhaft bei Neuroblastomen beobachtet, die im Säugings- und frühen Kleinkindalter auftreten und dem Tumorstadium 4S zugeordnet werden. Bei diesen Patienten führt oft eine Lebervergrößerung infolge ausgedehnter Metastasen zur Diagnose. Diese Metastasen können zunächst noch rasch an Größe zunehmen, dabei Bauchorgane und Lunge verdrängen und ein lebensbedrohliches Ausmaß erreichen. Dann können sie sich aber spontan oder nach einer mild dosierten Chemotherapie zurückbilden. Spontane Tumor-Regressionen kommen allerdings nicht nur im Tumorstadium 4S, sondern können auch bei Patienten mit lokalen Neuroblastomen der Stadien 1 bis 3 beobachtet werden [EGG2018a].

Informationen zu den verschiedenen Krankheitsstadien eines Neuroblastoms erhalten Sie hier.