Entnahme von Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor)

Autor: PD Dr. med. Gesche Tallen, erstellt am: 29.10.2009, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Dr. h. c. Günter. Henze, Zuletzt geändert: 26.05.2016

Gehirn und Rückenmark sind sehr empfindliche Gewebe, die zu ihrem Schutz und auch zur Versorgung mit Nährstoffen stets von einer Flüssigkeit umspült werden. Diese Flüssigkeit wird Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, Nervenwasser oder Liquor genannt. Der Liquor fließt in einem Raum zwischen den verschiedenen Hirnhäuten (beziehungsweise Rückenmarkshäuten), der sich vom Großhirn aus bis zum unteren Rückenmark im Bereich der Lendenwirbelsäule erstreckt.

Sind Gehirn oder Rückenmark beziehungsweise Hirn- oder Rückenmarkshäute von einer Krebserkrankung oder auch einer Infektion betroffen, so kann dies durch die Untersuchung der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit nachgewiesen werden.

Kinderzeichnung zur Lumbalpunktion

Eine Liquor-Entnahme kann durch eine Lumbalpunktion oder durch eine Ventrikelpunktion erfolgen.

Bei beiden Eingriffen können die Eltern zugegen sein, um dem Kind Trost und Ruhe zu vermitteln und, entsprechend der Anleitung des Arztes, bei der richtigen Lagerung des Kindes zu helfen. Sowohl Lumbal- als auch Ventrikelpunktion sind zügige Eingriffe, nach denen die Patienten normalerweise selten über Beschwerden klagen. In seltenen Fällen treten Kopfschmerzen auf. Diesen kann aber vorgebeugt werden, wenn sich der Patient nach der Punktion eine Zeitlang (ein bis zwei Stunden) hinlegt.

Lumbal- oder Ventrikelpunktionen werden hauptsächlich durchgeführt bei der Diagnostik und Behandlung von:

Liquorentnahme aus dem Lendenwirbelbereich (Lumbalpunktion)

Bei einer Lumbalpunktion sticht der Arzt, meist unter örtlicher Betäubung, mit einer sehr feinen und langen Hohlnadel zwischen zwei Wirbeln der Lendenwirbelsäule in den Nervenwasserkanal ein. Dort ist der Raum, der die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) enthält, am besten zu erreichen.

Im Rahmen einer Behandlung können auch Medikamente (Zytostatika) an dieser Stelle eingespritzt werden. Sie verteilen sich von dort aus dann im gesamten Liquorraum.

Der Patient wird entweder im Sitzen oder in Seitenlage punktiert. Nach der Punktion muss er in der Regel für einige Zeit (circa zwei Stunden) in Kopftieflage liegen, damit keine Kopfschmerzen auftreten. Falls ein Medikament verabreicht wird, dient das Liegen auch der besseren Verteilung dieses Medikaments im Liquorraum.

Liquorentnahme aus einem Hirnventrikel (Ventrikelpunktion)

Bei einer Ventrikelpunktion wird Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) über eine Hirnkammer (Hirnventrikel) entnommen oder aber, im Rahmen einer Behandlung, ein Zytostatikum in eine Hirnkammer verabreicht. Ein auf diese Weise verabreichtes Medikament kann sich von dort aus im gesamten Liquorraum verteilen.

Die Ventrikelpunktion erfolgt über ein so genanntes Rickham-Reservoir oder Ommaya-Reservoir, das zuvor durch einen neurochirurgischen Eingriff implantiert wurde. Bei der Ventrikelpunktion kann das Kind sitzen oder liegen.