Therapieoptimierungsstudie HIT-HGG 2013
Autor: Maria Yiallouros, Zuletzt geändert: 03.03.2026 https://kinderkrebsinfo.de/doi/e198709
Die Therapieoptimierungsstudie HIT-HGG 2013 war von Juli 2018 bis November 2023 für die Patientenaufnahme geöffnet. Sie diente der Behandlung von Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren, die erstmalig an einem hochgradig diffusen Gliom (WHO-Grad III / IV beziehungsweise ZNS-WHO-Grad 3 / 4 sowie Gliome nicht eindeutig bestimmbaren WHO-Grades), einem radiologisch gesicherten diffusen intrinsischen Ponsgliom (DIPG) oder einer radiologisch gesicherten Gliomatosis cerebri (aller WHO-Grade) erkrankten.
An der Studie, die derzeit ausgewertet wird, beteiligen sich zahlreiche Kinderkliniken und Behandlungseinrichtungen in ganz Deutschland sowie in Österreich, Belgien und der deutschsprachigen Schweiz. Die deutsche Studienzentrale befindet sich an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Göttingen. Der Leiter der Studie ist Prof. Dr. med. Christof Kramm.
Ziele der Studie
Das vorrangige Ziel der HIT-HGG-Studie 2013 war, die Überlebensraten von Kindern und Jugendlichen mit Ersterkrankung eines hochmalignen Glioms, Ponsglioms oder einer Gliomatosis cerebri zu verbessern.
Die Behandlung im Rahmen der Therapieoptimierungsstudie HIT-HGG 2013 basierte auf der derzeitig geltenden Standardtherapie, die eine Operation (sofern möglich) und eine daran anschließende kombinierte Strahlen-/Chemotherapie mit dem Medikament Temozolomid beinhaltet. Diese Therapie wurde in der vorherigen Studie HIT-HGG 2007 erstmalig bei Kindern und Jugendlichen getestet und schien nach den daraus gewonnenen Erkenntnissen ebenso wirksam zu sein wie die früher eingesetzten Chemotherapien mit mehreren Medikamenten (siehe auch Kapitel "Studie HIT-HGG 2007"). Ihr zusätzlicher Vorteil besteht darin, dass sie mit geringeren behandlungsbedingten Nebenwirkungen und Spätfolgen einhergeht [COH2011] [SEI2018].
Da die Behandlungsergebnisse für Patienten mit einem hochgradig malignen Gliom (inklusive der Hirnstammgliome und der Gliomatosis cerebri) nach wie vor unbefriedigend sind, war im Rahmen der neuen Studie zunächst vorgesehen, zusätzlich zur Standardbehandlung zwei neue Medikamente in zwei unterschiedlichen Behandlungsarmen auf ihre Wirksamkeit zu testen und so miteinander zu vergleichen: In einem der Behandlungsarme wurde anfangs daher Valproinsäure (Valproat) eingesetzt, im anderen Chloroquin. Die beiden Medikamente werden schon seit Jahrzehnten in anderen Zusammenhängen angewendet und haben – wie erst vor wenigen Jahren festgestellt wurde – auch eine Anti-Tumorwirkung.
Das Medikament Valproinsäure (engl. valproic acid), als Epilepsiemittel bekannt, wirkt als so genannter Histondeacetylase-Inhibitor (HDAC-Inhibitor), das heißt, es hemmt wichtige genetische Prozesse, die das Tumorwachstum fördern. Der Einsatz von Valproinsäure, so haben verschiedene Studien gezeigt, kann das Wachstum und die Vermehrung von Krebszellen hemmen und deren Ausreifung (Differenzierung) zu weniger bösartigen Zellen unterstützen. Die Substanz scheint die Krebszellen auch für die Strahlen-/und Chemotherapie empfindlicher zu machen [MAS2008] [WOL2008].
Chloroquin, eigentlich ein Mittel gegen Malaria, wirkt als „Autophagie-Inhibitor“: Es blockiert den so genannten Autophagie-Mechanismus in den Krebszellen, der dafür sorgt, dass Krebszellen unempfindlich (resistent) gegen Chemotherapie und Strahlentherapie werden. Der Einsatz von Chloroquin wirkt somit der Entwicklung einer Resistenz gegen Bestrahlung und Chemotherapie entgegen beziehungsweise bewirkt, dass Krebsmedikamente wieder greifen.
Die Studie sollte zeigen, ob die beiden (oder eines der beiden) Zusatzmedikamente die Wirkung der derzeitigen Strahlen- und Chemotherapie so entscheidend verstärken können, dass insgesamt eine bessere Überlebensrate erzielt wird. Die Zuordnung der Studienteilnehmer zu einem der beiden Therapiearme erfolgte nach dem Zufallsprinzip (Randomisierung). Leider wurde der Vertrieb von Chloroquinphosphat im Juli 2019 eingestellt. Der Chloroquin-Therapiearm wurde daher geschlossen und die Studie nur noch mit dem Medikament Valproat fortgeführt.
Ein weiteres Ziel der HIT-HGG-Studie bestand darin, durch die intensive therapiebegleitende Forschung das Wissen über die Erkrankung zu vertiefen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in zukünftige Behandlungskonzepte einfließen.
Behandlungsablauf im Rahmen der Studie
Die Behandlung mit dem Epilepsiemittel Valproat erfolgte in Tablettenform oder als Suspension so früh wie möglich, das heißt, sobald der Tumor diagnostiziert war (feingeweblich nach Operation oder, wenn keine Operation möglich war, per Bildgebung). Das Medikament wurde täglich, ohne Pause, über den gesamten Behandlungszeitraum von mindestens 58 Wochen (oder länger) verabreicht.
Etwa zwei bis vier Wochen nach Operation oder radiologischer Diagnose (definiert als "Woche 0") erfolgte zusätzlich die Standardbehandlung, das heißt die Strahlentherapie mit täglicher Temozolomid-Chemotherapie über sechs bis sieben Wochen (Induktionstherapie), gefolgt von einer alleinigen, etwa einjährigen Temozolomid-Behandlung (Erhaltungstherapie). Informationen zur Standardtherapie erhalten Sie im Kapitel Behandlungsablauf (Standardtherapie bei Patienten ab 3 Jahren).

