Non-Hodgkin-Lymphome (Kurzinformation)
Autor: Maria Yiallouros, erstellt am: 08.02.2010, Freigabe: Dr. med. Birgit Burkhardt; PD Dr. med. Alexander Claviez, Zuletzt geändert: 04.01.2012 doi:10.1591/poh.patinfo.nhl.kurz , Kurz-URL: www.kinderkrebsinfo.de/NHL_Kurzinfo
Inhaltsverzeichnis
Krankheitsbild
Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) sind bösartige (maligne) Erkrankungen des lymphatischen Systems [siehe lymphatisches System]. Sie gehören zu den malignen Lymphomen. Der Begriff „malignes Lymphom“ bedeutet wörtlich übersetzt „bösartige Lymphknotengeschwulst“. In der medizinischen Fachsprache ist damit eine große Gruppe von Krebserkrankungen gemeint, die von Zellen des lymphatischen Systems ausgehen und als ein Hauptmerkmal Lymphknotenschwellungen (Lymphome) hervorrufen können.
Maligne Lymphome werden prinzipiell in das nach dem Arzt und Pathologen Dr. Thomas Hodgkin benannte Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin) und die Non-Hodgkin-Lymphome eingeteilt. Zu den NHL gehören, wie der Name vermuten lässt, alle bösartigen Lymphome, die kein Morbus Hodgkin sind. Die Unterscheidung ist nur durch die Untersuchung von befallenem Gewebe möglich.
Non-Hodgkin-Lymphome entstehen durch eine bösartige Veränderung (Entartung) von Lymphozyten, einer Gruppe weißer Blutzellen, die sich vor allem in den lymphatischen Geweben aufhalten. Da sich im gesamten Körper Lymphgewebe befindet, können NHL überall im Körper entstehen. Die Lymphknoten sind am häufigsten betroffen, aber auch andere lymphatische Gewebe und Organe (dazu zählen zum Beispiel Milz, Thymusdrüse, die Mandeln und die Peyer-Plaques im Dünndarm) können Ausgangsort der bösartigen Erkrankung sein.
NHL sind selten auf eine bestimmte Stelle im Körper begrenzt. Sie tendieren vielmehr dazu, von ihrem Ursprungsort aus alle anderen Organe und Gewebe – zum Beispiel das Knochenmark, die Leber und das Zentralnervensystem – zu befallen. Aus diesem Grund werden sie – wie die Leukämien – auch als bösartige Systemerkrankung bezeichnet. Bezüglich ihrer Eigenschaften sind sie mit der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) verwandt.
Fast alle NHL im Kindes- und Jugendalter sind hochgradig bösartig (hochmaligne NHL), das heißt, sie breiten sich, ausgehend von ihrem Ursprungsort schnell im ganzen Körper aus, befallen Organe und Gewebe und führen dadurch zu schweren Erkrankungen, die unbehandelt zum Tod führen.
Häufigkeit
In Deutschland erkranken nach Angaben des Deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz pro Jahr etwa 130 Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 14. Lebensjahr neu an einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL). Damit machen NHL in dieser Altersgruppe etwa 7 % aller bösartigen Erkrankungen aus. Bei Jugendlichen über 14 Jahren ist der Anteil deutlich höher.
NHL können in jedem Alter auftreten, am häufigsten sind sie im höheren Erwachsenenalter. Im Kindes- und Jugendalter sind Kinder ab dem fünften Lebensjahr am häufigsten betroffen. Vor dem dritten Lebensjahr ist ein NHL selten. Jungen erkranken insgesamt etwa zweimal häufiger als Mädchen. Das Geschlechterverhältnis kann jedoch erheblich variieren, je nachdem, um welche Form des NHL es geht.
Formen von NHL
Unter Berücksichtigung bestimmter mikroskopischer Merkmale der Lymphomzellen lassen sich drei Hauptformen von NHL unterscheiden:
- Lymphoblastische T- und B-Zell-Lymphome (T-LBL, B-LBL): Sie gehen von unreifen Vorläuferzellen der T-Lymphozyten und B-Lymphozyten (den Lymphoblasten) aus und sind somit eng verwandt mit der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL). Ihr Anteil an den NHL des Kindes- und Jugendalters beträgt 20-25 %.
- Reife B-Zell-Lymphome und reife B-ALL (auch B-AL): Sie gehen von reifen B-Lymphozyten aus und sind mit etwa 60 % die häufigsten NHL bei Kindern und Jugendlichen.
- Großzellig anaplastische Lymphome (ALCL): Sie machen etwa 10 % aller NHL aus.
Die drei NHL-Hauptformen werden zum Teil weiter unterteilt. Darüber hinaus gibt es weitere, seltenere Formen von NHL.
Die verschiedenen NHL-Formen unterscheiden sich, was Krankheitsverlauf und Heilungsaussichten (Prognose) betrifft, zum Teil deutlich voneinander. Allerdings sind fast alle NHL des Kindes- und Jugendalters hochgradig bösartig (hochmaligne NHL). Dies unterscheidet sie von NHL bei Erwachsenen, die zu einem gewissen Anteil als niedrigmaligne bezeichnet werden, weil sie sich nicht so rasch ausbreiten. Die Behandlung von NHL im Kindes- und Jugendalter unterscheidet sich daher grundlegend von jener im Erwachsenenalter.
Ursachen
Die Ursachen für die Entstehung von Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) sind weitgehend unbekannt. Zwar weiß man, dass die Krankheit durch die bösartige Veränderung (Entartung) von Lymphozyten entsteht und dass die Entartung mit Veränderungen im Erbgut der Zelle einhergeht. In den meisten Fällen bleibt jedoch unklar, warum genetische Veränderungen auftreten und warum sie bei manchen Kindern zur Erkrankung führen, bei anderen nicht. Vermutlich müssen verschiedene Faktoren zusammenwirken, bevor ein NHL entsteht.
Bekannt ist, dass Kinder mit bestimmten angeborenen oder erworbenen Immundefekten und Patienten, die längerfristig eine Therapie erhalten, die die körpereigene Abwehr unterdrückt (zum Beispiel im Rahmen einer Stammzelltransplantation), ein erhöhtes Risiko haben, an einem NHL zu erkranken. Als weitere Ursache eines NHL werden Chromosomenveränderungen beschrieben. Sie können zur Fehlregulation von Genprodukten (zum Beispiel Eiweißen) führen, und dadurch eine Störung des Zellwachstums verursachen. Auch Viren, radioaktive Strahlen sowie bestimmte chemische Substanzen und Medikamente können bei der Entstehung eines NHL eine Rolle spielen. Bei den meisten Patienten sind allerdings keine krankheitsbegünstigenden Faktoren bekannt.
Krankheitszeichen
Hochmaligne, aggressive Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) führen, aufgrund ihrer hohen Wachstumsgeschwindigkeit, schnell zu Tumoren, die entweder sichtbar sind oder durch ihre Lage Symptome verursachen. Demgegenüber sind langsam wachsende und somit lange Zeit symptomlose NHL im Kindesalter selten.
Erste Krankheitszeichen bösartiger NHL sind meist ungewöhnliche Lymphknotenschwellungen, die in der Regel keine Schmerzen verursachen. Vergrößerte Lymphknoten können im Kopf-, Hals- und Nackenbereich, am Unterarm oder am Oberschenkel, in der Achselhöhle, in der Leiste oder an mehreren Stellen gleichzeitig auftreten. Die Krankheit kann auch in Lymphknotenregionen beginnen, die von außen nicht sichtbar oder tastbar sind, zum Beispiel im Brust- oder Bauchraum.
Große Lymphknoten im Bauchraum können sich durch Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Erbrechen und/oder auch durch Rückenschmerzen bemerkbar machen. Unter Umständen kann es zu einem Darmverschluss kommen. Sind Lymphknoten im Brustraum betroffen, zum Beispiel im so genannten Mediastinum, dem Raum zwischen den beiden Lungenflügeln, kann es durch Druck auf Lunge und Atemwege zu Atembeschwerden und Atemnot kommen. Ähnliche Symptome werden auch durch einen Befall der Thymusdrüse und/oder der Lunge und der Atemwege ausgelöst.
Häufig sind auch andere lymphatische und nicht-lymphatische Organe und Gewebe betroffen. So können Milz und Leber durch den Befall mit Lymphomzellen vergrößert sein (Splenomegalie bzw. Hepatomegalie). Bei Patienten mit einem NHL kann es auch zu einem Befall der Hirnhäute kommen; Kopfschmerzen, Gesichtslähmungen, Sehstörungen und/oder Erbrechen können die Folge sein. Knocheninfiltrationen können Knochenschmerzen verursachen.
Bei manchen Patienten ist die Zahl der funktionsfähigen weißen Blutzellen vermindert; diese Patienten sind dadurch vermehrt infektanfällig. Bei ausgedehntem Befall des Knochenmarks kann auch die Zahl der roten Blutzellen und/oder Blutplättchen erniedrigt sein. Der Mangel an roten Blutzellen führt zu einer Anämie; der Mangel an Blutplättchen kann sich in einer Neigung zu punktartigen Blutungen (Petechien) äußern.
Die Krankheitszeichen eines NHL entwickeln sich meist innerhalb weniger Wochen und können individuell sehr verschieden beziehungsweise unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Allerdings muss das Auftreten eines oder mehrerer dieser Krankheitszeichen nicht bedeuten, dass ein NHL vorliegt. Viele dieser Symptome können auch bei vergleichsweise harmlosen Infektionen und Erkrankungen auftreten, die mit einem Lymphom nichts zu tun haben. Bei Beschwerden ist es jedoch ratsam, so bald wie möglich einen Arzt zu konsultieren, um deren Ursache zu klären. Liegt tatsächlich ein NHL vor, muss schnellstmöglich mit der Therapie begonnen werden.
Diagnose
Findet der (Kinder-)Arzt durch Krankheitsgeschichte (Anamnese), körperliche Untersuchung und möglicherweise auch durch eine Blut-, Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung des Patienten Hinweise auf ein Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), wird er den Patienten in ein Krankenhaus überweisen, das auf Krebs- und Bluterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen spezialisiert ist (Klinik für pädiatrische Onkologie/Hämatologie). Denn bei Verdacht auf ein NHL sind umfangreiche Untersuchungen notwendig, um zunächst die Diagnose zu sichern, dann aber auch um festzustellen, um welche Form des NHL es sich genau handelt und wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat.
Die Diagnosestellung erfolgt in erster Linie durch die Untersuchung eines befallenen Lymphknotens oder eines anderen befallenen Gewebes. Die Gewebeproben werden dabei durch einen chirurgischen Eingriff gewonnen. Liegen Körperhöhlenergüsse vor, zum Beispiel Wasser im Bauchraum (Aszites) oder im Brustraum (Pleuraerguss), besteht auch die Möglichkeit, die Zellen in diesen Ergüssen zu untersuchen und auf diese Weise einen chirurgischen Eingriff zu vermeiden. Das gleiche gilt auch für den Fall, dass das Knochenmark befallen ist, dann genügt eine Knochenmarkpunktion. Die durch Punktion (Knochenmark, Körperhöhlenergüsse) oder chirurgischen Eingriff gewonnenen Gewebeproben werden mit Hilfe zytologischer, immunologischer und genetischer Methoden untersucht. Die Untersuchungen erlauben eine genaue Aussage darüber, ob und an welcher Form des NHL der Patient erkrankt ist. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für eine gezielte Therapieplanung, denn die verschiedenen NHL-Typen unterscheiden sich nicht nur auf zellulärer und molekularer Ebene voneinander, sondern zeigen auch deutliche Unterschiede in ihrem Krankheitsverlauf, ihren Heilungsaussichten (Prognose) und ihrer Therapierbarkeit.
Liegt tatsächlich ein NHL vor, so ist es für die Behandlungsplanung auch wichtig zu wissen, wie weit sich die Erkrankung bereits im Körper ausgebreitet hat und welche Organe betroffen sind. Auskunft darüber geben verschiedene Bild gebende Verfahren wie Ultraschall- und Röntgenuntersuchung, Magnetresonanztomographie (MRT), Computertomographie (CT) und / oder die Skelett-Szintigraphie. Eine Positronen-Emissions-Tomographie (PET) kann unter Umständen weiterführende Hinweise liefern. Um herauszufinden, ob auch das Zentralnervensystem von der Erkrankung betroffen ist, wird außerdem aus der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) eine Probe entnommen und auf Lymphomzellen untersucht (Lumbalpunktion).
Behandlungsvorbereitend erfolgt ferner eine Überprüfung der Herzfunktion (Elektrokardiographie (EKG) und Echokardiographie) und der Gehirnfunktion (Elektroenzephalographie, EEG). Veränderungen, die möglicherweise im Laufe der Therapie auftreten, können aufgrund solcher Ausgangsbefunde besser beurteilt werden. Umfangreiche Laboruntersuchungen dienen dazu, den Allgemeinzustand des Patienten zu überprüfen und festzustellen, ob durch das NHL die Funktionen einzelner Organe (zum Beispiel Nieren und Leber) beeinträchtigt sind oder Stoffwechselstörungen vorliegen, die vor oder während der Behandlung besonders berücksichtigt werden müssen. Im Hinblick auf eventuell notwendig werdende Bluttransfusionen muss eine Bestimmung der Blutgruppe erfolgen.
Nicht alle Untersuchungen sind bei jedem Patienten notwendig. Ihr Behandlungsteam wird Sie darüber informieren, welche diagnostischen Verfahren bei Ihnen beziehungsweise Ihrem Kind zur Therapieplanung erforderlich sind.
Behandlung
Besteht oder bestätigt sich der Verdacht auf ein Non-Hodgkin-Lymphom (NHL), muss der Patient schnellstmöglich in eine kinderonkologische Behandlungseinrichtung überwiesen werden. Dort ist das hoch qualifizierte Fachpersonal (Ärzte, Fachpflegekräfte) auf die Behandlung krebskranker Kinder spezialisiert und mit den modernsten Therapieverfahren vertraut. Die Ärzte dieser Klinikabteilungen stehen in fachorientierten Arbeitsgruppen in ständiger, enger Verbindung miteinander und behandeln ihre Patienten nach gemeinsam entwickelten und stetig weiter verbesserten Therapieplänen. Ziel der Behandlung ist, eine hohe Heilungsrate bei möglichst geringen Nebenwirkungen und Spätfolgen zu erreichen.
Behandlungsmethoden
Im Mittelpunkt der Behandlung eines Non Hodgkin-Lymphoms (NHL) steht immer die Chemotherapie. Man versteht darunter eine Behandlung mit zellwachstumshemmenden Medikamenten (Zytostatika). Bei manchen Patienten kann sie durch eine Strahlentherapie (zum Beispiel eine Schädelbestrahlung) ergänzt werden, um den Therapieerfolg zu erhöhen.
Da NHL so genannte systemische Erkrankungen sind, die den ganzen Körper betreffen, bietet eine Operation in aller Regel keine geeignete Behandlungsmöglichkeit. Ein chirurgischer Eingriff (Operation), zum Beispiel zur Entnahme eines befallenen Lymphknotens, dient ausschließlich diagnostischen Zwecken. Bei kleinen Tumoren kann dieser Eingriff möglicherweise mit einer scheinbar vollständigen Tumorentfernung verbunden sein. Der Patient bedarf dann einer weniger intensiven Chemotherapie; ein vollständiger Verzicht auf eine Zytostatikabehandlung ist jedoch nur in sehr seltenen Ausnahmefällen (zum Beispiel bei NHL mit ausschließlichem Hautbefall) möglich.
In bestimmten Fällen, zum Beispiel wenn die Erkrankung auf die Standardtherapie nicht anspricht oder bei Krankheitsrückfällen, ist eine hoch dosierte Chemotherapie (Hochdosis-Chemotherapie) mit anschließender Stammzelltransplantation notwendig. Andere Behandlungsarten (zum Beispiel die Antikörpertherapie) werden im Rahmen klinischer Studien getestet.
Die Intensität und Dauer der Chemotherapie, die Notwendigkeit einer Bestrahlung oder einer Stammzelltransplantation sowie die Prognose der Erkrankung richten sich vor allem danach, an welcher Form des NHL der Patient erkrankt ist und wie weit die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits fortgeschritten ist.
Behandlungsablauf
Patienten mit einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) werden – abhängig vom NHL-Typ, an dem sie erkrankt sind – nach unterschiedlichen Therapieplänen behandelt.
Prinzipiell erfolgt die Therapie in mehreren großen Therapieabschnitten (Therapiephasen), die nicht nur verschieden lange dauern, sondern sich auch hinsichtlich der eingesetzten Medikamentenkombinationen und der Intensität und Zielsetzung der Behandlung unterscheiden. Dabei werden nicht nur die Art des Lymphoms, sondern auch das Ausbreitungsstadium der Erkrankung und gegebenenfalls weitere Faktoren (wie Operabilität eines Tumors, betroffene Körperorgane) berücksichtigt, also die individuelle Krankheitssituation jedes einzelnen Patienten. Je weiter die Krankheit fortgeschritten ist und je höher somit das Risiko eines Krankheitsrückfalls ist, umso intensiver wird in der Regel auch die Behandlung sein.
Lymphoblastische Non-Hodgkin-Lymphome (LBL)
Für Patienten mit einem lymphoblastischen Lymphom hat sich eine mehrphasige Behandlungsstrategie (entsprechend der Therapiestrategie für die akute lymphoblastische Leukämie) erfolgreich gezeigt.
Wichtige Therapieelemente sind:
- die Vortherapie (zytoreduktive Vorphase): Sie dient der Einleitung der Behandlung und besteht aus einer kurzen (maximal einwöchigen) Chemotherapie mit nur ein bis zwei Medikamenten. Der Zweck dieser Behandlung besteht darin, die Lymphomzellen auf eine schrittweise und damit für den Organismus möglichst schonende Weise zu reduzieren. Das ist deshalb so wichtig, weil aus den abgetöteten Lymphomzellen durch den Zellabbau bestimmte Stoffwechselprodukte (zum Beispiel Harnsäure) freigesetzt werden, die den Organismus und insbesondere die Nieren schädigen, wenn sie in großen Mengen auftreten (so genanntes Tumorlyse-Syndrom).
- die Induktionstherapie: Diese besteht aus einer intensiven Chemotherapie, in der mehrere Medikamente zum Einsatz kommen. Sie zielt darauf ab, innerhalb weniger Wochen die Mehrzahl der Lymphomzellen zu vernichten, das heißt, eine so genannte Remission zu erreichen.
- die Konsolidierungstherapie: Dieser Therapieabschnitt soll mit anderen Medikamentenkombination die noch verbliebenen Lymphomzellen im Körper vernichten und so das Risiko eines Krankheitsrückfalls minimieren.
- die Reinduktionstherapie (nur bei Patienten mit hohem Rückfallrisiko, Krankheitsstadium III und IV): Hier handelt es sich um eine intensive Chemotherapie ähnlich der Induktionstherapie. Sie soll die vollständige Zerstörung aller Lymphomzellen sichern.
- die ZNS-Therapie: Diese Therapie dient der vorbeugenden (prophylaktische) oder therapeutischen Behandlung des Zentralnervensystems (ZNS). Sie soll verhindern, dass sich Leukämiezellen im Gehirn oder Rückenmark ansiedeln oder weiter ausbreiten. Sie erfolgt meist in Form mehrerer Medikamentengaben in den Nervenwasserkanal (intrathekaleChemotherapie), unter Umständen auch zusätzlich durch eine Bestrahlung des Kopfes (wenn das Zentralnervensystem nachweislich befallen ist).
- die Dauertherapie: Sie besteht aus einer milderen Chemotherapie und wird über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Die Behandlung erfolgt ambulant. Ziel ist, durch eine möglichst lange Therapiedauer all jene Lymphomzellen zu vernichten, die trotz der intensiven Behandlung überlebt haben. Auf diese Weise soll ein Krankheitsrückfall verhindert werden.
Die Gesamtdauer der Therapie beträgt bei Patienten, die keine Stammzelltransplantation erhalten, zwei Jahre, vorausgesetzt, es tritt im Laufe oder nach Abschluss der Therapie kein Rückfall auf.
Reife B-Zell Non-Hodgkin-Lymphome (B-NHL) und akute B-Zell-Leukämie (B-ALL)
Die Intensität der Behandlung eines Patienten mit B-NHL oder B-ALL hängt in erster Linie von der Art des Lymphoms und vom Ausbreitungsstadium der Erkrankung ab. Außerdem wird berücksichtigt, in welchem Maße ein vorhandener Tumor durch eine Operation zu Diagnosezwecken entfernt werden konnte. Bei Patienten mit Burkitt-Lymphomen wird die Wahl der Behandlungsintensität zudem von einem speziellen Blutwert (LDH- [Lactat-Dehydrogenase]-Wert) abhängig gemacht. Dies gilt auch für Patienten, bei denen zum Zeitpunkt der Diagnose das Mediastinum oder die Thymusdrüse befallen ist (so genanntes primär mediastinales oder thymisches NHL). Diese Unterform der NHL ist jedoch selten.
Wichtige Therapieelemente sind:
- die Vortherapie (zytoreduktive Vorphase): Es handelt sich um eine kurze (fünftägige) Chemotherapiephase. Sie erfolgt bei fast allen Patienten (ausgenommen solchen, bei denen der Tumor zuvor komplett entfernt werden konnte) vor Beginn der eigentlichen Behandlung. Ihr Ziel ist, die Lymphomzellen auf eine schrittweise und damit für den Organismus möglichst schonende Weise zu reduzieren, um ein Tumorlyse-Syndrom zu vermeiden.
- die Intensivtherapie (aus zwei bis sechs, selten sieben Chemotherapiekursen): Sie besteht aus wiederholten, sehr kurzen und intensiven Chemotherapiephasen, in denen mehrere Medikamente sowohl oral als auch intravenös und intrathekal (Letzteres zur Behandlung des Zentralnervensystems) verabreicht werden. Ziel ist, mit jedem Therapiekurs möglichst viele Lymphomzellen zu vernichten. Patienten mit einem nachgewiesenen Befall des Zentralnervensystems erhalten eine intensivierte intrathekale Behandlung.
In der Regel beträgt die gesamte Dauer der Therapie zwischen sechs Wochen und sieben Monaten, vorausgesetzt, es tritt im Laufe oder nach Abschluss der Therapie kein Rückfall auf und/oder es ist keine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation erforderlich. Letzteres kann unter Umständen dann in Frage kommen, wenn die Erkrankung nicht auf die Standardbehandlung anspricht.
Für Patienten mit B-NHL und B-ALL besteht die zusätzliche Möglichkeit einer Antikörpertherapie mit dem Medikament Rituximab. Rituximab ist ein synthetisch hergestellter (rekombinanter) Antikörper, der spezifisch an eine Oberflächenstruktur der B-Lymphozyten (das so genannte CD20-Antigen) andockt und dadurch zu deren Zerstörung führt.
Großzellig anaplastische Lymphome (ALCL)
Die Intensität der Behandlung hängt in erster Linie davon ab, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist (Krankheitsstadium) und welche Organe und Gewebe befallen sind. Ein Befall von bestimmten Organen, zum Beispiel Haut, Lunge, Leber, Milz oder Brusthöhle, gilt als besonderer Risikofaktor und muss bei der Behandlung entsprechend berücksichtigt werden (so genannte Hochrisiko-Patienten).
Wichtige Therapieelemente sind:
- die Vortherapie (zytoreduktive Vorphase): Sie dient der Einleitung der Behandlung und besteht aus einer kurzen (fünftägigen) Chemotherapie mit mehreren Medikamenten. Der Zweck dieser Behandlung besteht darin, die Lymphomzellen auf eine schrittweise und damit für den Organismus möglichst schonende Weise zu reduzieren, um ein Tumorlyse-Syndrom zu vermeiden.
- die Intensivtherapie (aus drei bis sechs Chemotherapiekursen): Diese besteht aus wiederholten, sehr kurzen und intensiven Chemotherapiekursen, in denen mehrere Medikamente zum Einsatz kommen. Sie werden systemisch, das heißt über eine Vene, oder als Tabletten verabreicht. Ziel ist, mit jedem Therapiekurs möglichst viele Lymphomzellen zu vernichten. Bei Befall des Zentralnervensystems (sehr selten) erfolgt außerdem eine intrathekale Behandlung und gegebenenfalls eine Bestrahlung des Schädels.
Die Gesamtdauer der Therapie beträgt in der Regel zwischen zehn Wochen (im Krankheitsstadium I mit vorheriger vollständiger Tumorentfernung) und fünf Monaten (bei Standard- und Hochrisikopatienten). Dies gilt allerdings nur dann, wenn im Laufe oder nach Abschluss der Therapie kein Rückfall auftritt und/oder keine Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation erforderlich ist. Patienten mit ausschließlichem Hautbefall (sehr selten) erhalten keinerlei Chemotherapie.
Therapieoptimierungsstudien
Fast alle Kinder und Jugendliche mit einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) werden in Deutschland im Rahmen von Therapieoptimierungsstudien behandelt. Es handelt sich dabei um kontrollierte klinische Studien, die das Ziel haben, erkrankte Patienten nach dem jeweils aktuellsten Wissensstand zu behandeln und gleichzeitig die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern und weiter zu entwickeln.
Zurzeit gibt es in Deutschland, zum Teil mit internationaler Beteiligung, die im Folgenden genannten Therapiestudien beziehungsweise Register zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit NHL. Die (deutsche) Studienzentrale für alle aufgeführten Studien befindet sich am Universitätsklinikum Gießen unter der Leitung von PD Dr. med. Birgit Burkhardt und Dr. Wilhelm Wößmann:
- Studie B-NHL BFM 04, eine multizentrische Beobachtungsstudie der BFM-Studiengruppe zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit reifem B-Zell Non-Hodgkin-Lymphom oder B-ALL. (BFM steht für die Städte Berlin, Münster und Frankfurt, deren Kliniken zuerst nach diesen Therapieplänen behandelt haben.) An der Studie sind alle pädiatrisch-onkologischen Kliniken/Zentren/Abteilungen in Deutschland und Österreich sowie Kliniken in der Schweiz und in Tschechien beteiligt.
- Studie B-NHL BFM Rituximab, eine multizentrische Therapiestudie der BFM-Studiengruppe mit einer Rituximab-Behandlung (Rituximab-Window) vor anschließender Chemotherapie. Ermittelt werden soll die Wirksamkeit von Rituximab in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit reifem B-Zell Non-Hodgkin-Lymphom oder B-ALL.
- Therapieoptimierungsstudie ALCL 99, eine internationale multizentrische Studie der EICNHL-Gruppe (European Intergroup Cooperation on Childhood Non-Hodgkin-Lymphoma) zur Behandlung großzellig anaplastischer Lymphome (englisch: anaplastic large cell lymphoma; abgekürzt: ALCL).
- Rezidivstudie ALCL-Relapse 2004, eine internationale Studie der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Rezidiven eines großzellig anaplastischen Lymphoms (ALCL). Die Studie wird in Kooperation mit fast allen europäischen Ländern durchgeführt.
- Für Kinder und Jugendliche mit lymphoblastischen Lymphomen gibt es derzeit kein gültiges Therapieprotokoll, jedoch ein Register (LBL-Register), in dem alle Patienten erfasst und nach Therapieempfehlungen behandelt werden, die von der Studienzentrale (Universitätsklinikum Gießen) herausgegeben wurden. Die Empfehlungen leiten sich aus den Ergebnissen der Vorläuferstudien ab.
Prognose
Die Heilungschancen von Kindern und Jugendlichen mit Ersterkrankung eines Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) haben sich dank der großen Therapiefortschritte in den letzten drei Jahrzehnten deutlich verbessert. Die heute eingesetzten modernen Untersuchungsmethoden und intensiven, standardisierten Kombinationschemotherapien führen dazu, dass fünf Jahre nach der Diagnosestellung insgesamt etwa 90 % der an NHL erkrankten Kinder und Jugendlichen krankheitsfrei leben (5-Jahres-Überlebensraten).
Die Prognose für den einzelnen Patienten hängt in erster Linie davon ab, an welcher Form des NHL er erkrankt ist und wie weit die Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnose fortgeschritten ist (Krankheitsstadium). Patienten mit einem NHL im Stadium I (das heißt mit einem einzelnen Tumor außerhalb des Brust- und Bauchraums) sowie Patienten mit einem vom Knochen ausgehenden NHL haben eine sehr gute Prognose (bis zu 100 % Heilungswahrscheinlichkeit). Patienten mit ausgedehnten Tumoren in Brust- und/oder Bauchraum (Stadium III) oder Patienten, deren Knochenmark und/oder Zentralnervensystem befallen ist (Stadium IV), haben generell weniger günstige Heilungsaussichten. Sie bedürfen einer intensivierten Behandlung.
Etwa 10-15 % der jährlich circa 130 in Deutschland neu an einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) erkrankten Kindern und Jugendlichen erleiden einen Krankheitsrückfall (Rezidiv). Die Heilungsaussichten sind generell ungünstig, auch wenn bei manchen Patienten (zum Beispiel bei Patienten mit großzellig anaplastischen Lymphomen) durchaus noch akzeptable Behandlungserfolge erzielt werden können. Eine verlässliche Aussage zur Prognose von Kindern mit NHL-Rezidiven ist jedoch kaum möglich.
Im Rahmen der derzeitigen Therapieoptimierungsstudien sowie zukünftiger Studien sollen die Heilungsaussichten auch für Patienten mit bislang ungünstiger Prognose weiter verbessert werden.
Anmerkung: Bei den oben genannten Heilungsraten für Patienten mit NHL handelt es sich um statistische Größen. Sie stellen nur für die Gesamtheit der an NHL erkrankten Patienten eine wichtige und zutreffende Aussage dar. Ob der einzelne Patient geheilt werden kann oder nicht, lässt sich aus der Statistik nicht vorhersagen. Ein NHL kann selbst unter günstigsten beziehungsweise ungünstigsten Voraussetzungen ganz unerwartet verlaufen.
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PDF-Datei der Patienten-Kurzinformation zum Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) (330KB)
Autor: Maria Yiallouros
Stand 04.02.2012
Non-Hodgkin Lenfomu (NHL)–Kısa Bilgiler (dosya PDF) (387KB)
Autor: Dipl. Biol. Maria Yiallouros, Freigabe: Dr. med. Birgit Burkhardt; PD Dr. med. Alexander Claviez Übersetzung: Sait Kont





